Der Preis spiegelt alles wider, und der Aktienmarkt hat das deutlich bewiesen. Die Wall Street zuckte zusammen, als die Renditen von Staatsanleihen erneut anzogen, und ein enttäuschender Bericht von Walmart erinnerte die Anleger daran, dass der amerikanische Verbraucher unter der Last der Wirtschaft müde wird.
Entwicklung der US‑Aktienindizes

Der Dow Jones verlor 1,3%, die Nasdaq fiel um 1%, und der S&P 500 gab 0,9% nach. Hauptverantwortlich war Walmart: Die Aktie brach um 9,2% ein – der schwächste Handelstag seit Jahren –, nachdem das Unternehmen für die USA ein Wachstum der vergleichbaren Umsätze in den Filialen von nur 2,6% meldete, der geringste Wert seit sechs Jahren. Unterdessen legte Brent Crude um 3,4% zu und näherte sich 95 USD je Barrel, nachdem Donald Trump mit einem „Wirtschaftskrieg“ gegen den Iran gedroht hatte.
Die Rendite der 10‑jährigen US‑Staatsanleihe, die eng mit dem Ölpreis korreliert, entwickelte sich erneut zu einem Gegenwind für Aktien. Finanzminister Scott Bessent versuchte, die Märkte zu beruhigen, indem er die Volumina der Rückkäufe erhöhte – er sagte, die Transaktionen könnten mehr als 4 Milliarden USD pro Vorgang erreichen, doppelt so viel wie bisher. Doch die Wirkung war nur vorübergehend: Die Anleiherenditen stiegen wieder auf Mehrjahreshochs, und Hyperscaler wie Nvidia, deren Wachstum zunehmend von schuldenfinanzierter AI‑Infrastruktur abhängt, gerieten erneut unter Druck.
Abwärtstrend des Nasdaq 100

Ein Markt mit zwei Stimmungen
Gleichzeitig wirkt der Markt, als würde er ein Doppelleben führen. Globale Fondsmanager halten laut Bank of America 56 % ihrer Portfolios in Aktien – der höchste Wert seit November 2021. Die Bullen kaufen weiter, obwohl in derselben Umfrage der „ungeordnete Anstieg der Anleiherenditen“ als zweithöchstes Risiko nach der Angst vor einer KI-Blase genannt wurde. Ein Viertel der Befragten fürchtet eine neue Inflationswelle. Klassisches FOMO – die Angst, etwas zu verpassen – überwiegt weiterhin die Vorsicht.
UBS sieht die Lage optimistisch: Ein Gewinnwachstum der Unternehmen von 35–40 % könnte den S&P 500 auf neue Höchststände treiben, mit einem Ziel von rund 8.100 Punkten. Dennoch warnt die Bank, dass das Bild nach 2027 unübersichtlicher werden dürfte und die Margen der Unternehmen unter Druck geraten könnten. Heute sind die Worte der Analysten weniger wert als üblich – der Markt befindet sich im Eskalations-/Deeskalationsmodus, in dem jede Prognose durch eine einzige Zeile in einem Renditebericht ausgelöscht werden kann.
Der Markt balanciert also zwischen Euphorie über Gewinnprognosen und steigenden Finanzierungskosten. Der Dollar schwächt sich ab, Öl wird teurer, Renditen steigen – drei Kräfte, die Aktien gleichzeitig in unterschiedliche Richtungen ziehen.

Wird der Bullenmarkt im S&P 500 dieser Belastung standhalten, oder werden sich am Ende doch die Renditen durchsetzen? Ich bezweifle, dass wir eine Antwort erhalten, bevor die Berichtssaison vorbei ist.
Technisch betrachtet haben die Bären im Tageschart den Fair Value zurückerobert. Das erste der beiden zuvor genannten bärischen Kursziele – 7.666 und 7.610 – wurde bereits erreicht; das zweite ist auf dem Weg dorthin.