Es ist nicht alles Gold, was glänzt, wie es so schön heißt. Am Mittwoch hat die Wall Street dies eindrucksvoll bestätigt. Der S&P 500 schloss die Sitzung in New York nahezu unverändert, während der technologielastige Nasdaq 100 sich knapp im symbolisch positiven Bereich halten konnte. Formal wirkte der Tag langweilig, da alle auf die Entscheidung der Fed warteten. In Wirklichkeit jedoch richtete sich die gesamte Aufmerksamkeit des Marktes auf ein einziges Unternehmen – Nvidia.
Entwicklung von Nvidias Prognosen und tatsächlichen Zahlen

Der Chiphersteller übertraf zum 15. Mal in Folge die Prognosen der Analysten: Der Nettogewinn erreichte fast 60 Milliarden US-Dollar, was 126 % mehr ist als im Vorjahr. Die Umsatzprognose für das nächste Quartal wurde auf 108 Milliarden US-Dollar festgesetzt. Auch dies lag über dem Wall-Street-Konsens von 104,9 Milliarden US-Dollar. Die Bruttomarge des Unternehmens von 75 % entsprach den Erwartungen. Eigentlich ein Grund zum Triumph.
Dennoch fiel der Nvidia-Aktienkurs im nachbörslichen Handel nach Vorlage des Berichts um rund 1 %. Offenbar sind die Anleger müde geworden, sich überraschen zu lassen. Wie Infrastructure Capital Advisors anmerkt, könnte man Nvidias CEO Jensen Huang als eine Art Vorsitzenden der „Federal Reserve“ für Künstliche Intelligenz bezeichnen – so groß ist der Einfluss des Unternehmens auf die Marktstimmung.
Gleichzeitig liegt das erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis von Nvidia hinter dem anderer großer Chiphersteller und Tech-Giganten zurück. Der Markt ist offenkundig besorgt: Die Zahlen sind derart gewaltig, dass es schlicht keinen Raum für weiteres Wachstum mehr geben könnte. Das Unternehmen wächst mindestens so schnell wie Intel und AMD, wenn nicht sogar schneller, und seine Marktposition wird immer stärker. Dennoch verhält sich Wall Street, als sei die Decke bereits erreicht.
Unterdessen vergrößert sich die Kluft zwischen den Investitionen in Künstliche Intelligenz und ihren tatsächlichen geschäftlichen Erträgen weiter. Für Unternehmen ist es schwierig, KI-Lösungen schnell in der Produktion umzusetzen, und wenn die Erwartungen der Investoren nicht erfüllt werden, droht manchen Projekten das Aus. Um diese Lücke zu schließen, braucht der Markt neue Beispiele für unternehmensweite KI-Werkzeuge mit positivem Return on Investment.
Vor diesem Hintergrund erhielten die Investoren ein weiteres Signal: die Daten zum Preisindex der Kernrate der persönlichen Konsumausgaben. Dieser Wert stieg im Monatsvergleich um 0,2 % und im Jahresvergleich um 3,3 % und liegt damit deutlich über dem 2 %-Ziel der Fed. Die Konjunktur scheint sich abzukühlen, was die Argumente für unveränderte Leitzinsen stärkt. Allerdings könnte die Zahl der Abweichler im Fed-Ausschuss bei der nächsten Sitzung steigen – die Daten ergeben ein widersprüchliches Bild.

Was wird also überwiegen: die Rekordberichte der Tech-Giganten unter Führung von NVIDIA oder die wachsende Ermüdung der Anleger durch überzogene Erwartungen? Vorläufig scheint der Aktienmarkt diese Frage lieber nicht beantworten zu wollen und wartet einfach ab.
Aus technischer Sicht hat der S&P 500 auf dem Tageschart die Grenzen seines Seitwärtstrend-Kanals noch nicht verlassen. Der breite Marktindex bewegt sich weiterhin in einer engen Spanne zwischen 7.635 und 7.700. Die Strategie mit Limit-Orders an der unteren Grenze zum Verkaufen und an der oberen Grenze zum Kaufen bleibt damit weiterhin relevant.