
Das Wellenmuster im Vier-Stunden-Chart für EUR/USD wird zunehmend komplexer. Vom Abbruch des seit Januar vergangenen Jahres laufenden Aufwärtstrends (unterer Chart) kann weiterhin keine Rede sein. Im Gegenteil: Wir haben eine vollständige A-B-C-Korrekturstruktur gesehen, die höchstwahrscheinlich bereits abgeschlossen ist. Eine überzeugende Welle 5 in C haben wir nie gesehen. Diese Welle nahm eine verkürzte Form an, was von Zeit zu Zeit ebenfalls vorkommt. Zur Erinnerung: Klassische Wellenstrukturen finden sich im Grunde nur in Lehrbüchern. Unter realen Marktbedingungen sollten Trader und Analysten ihre Auswertungen flexibler gestalten.
Leider kann sich die Wellenstruktur aktuell erneut verkomplizieren. Welle C könnte eine dreiwellige Struktur annehmen, die darauffolgende Welle würde dann als Welle D identifiziert, und der gesamte Trendabschnitt, der am 27. Januar begonnen hat, würde die fünfwellig-korrektive Form A-B-C-D-E annehmen. Trifft diese Annahme zu, wird Welle D ebenfalls dreiwellig ausfallen, und am 21. August ist EUR/USD in die Phase der Ausbildung von Welle E eingetreten, deren Tief unter dem Tief von Welle C bei 1,1325 liegen sollte. Gleichzeitig ist dieses Szenario jedoch ein alternatives. Auf Basis des fundamentalen Umfelds rechne ich eher mit der Ausbildung einer globalen Aufwärtswelle.
Das Währungspaar EUR/USD fiel während der Freitagssitzung um 10 Basispunkte. Natürlich kann sich die Kursveränderung bis zum Tagesende deutlich stärker darstellen als die aktuelle Zahl. Entscheidend ist heute aber nicht die absolute Veränderung des EUR/USD-Kurses, sondern vielmehr die Intraday-Bewegungen. Kurz gesagt: Der US-Dollar konnte nach Veröffentlichung eines außergewöhnlich starken Nonfarm-Payrolls-Reports etwa 35 Punkte zulegen. Angesichts der Stärke des Berichts ist dieser Anstieg eher gering. Der Nonfarm-Payrolls-Report wies einen Wert aus, auf den der Markt mindestens vier Monate gewartet hatte. Im August wurden 162.000 neue Stellen geschaffen und damit die Markterwartungen mindestens verdreifacht. Die Arbeitslosenquote hat sich nicht verschlechtert und blieb unverändert bei 4,1 %. Entsprechend hatte der US-Dollar eine hervorragende Gelegenheit, seine Positionen nach den Zuwächsen der letzten Wochen weiter auszubauen, konnte diese Chance aber nicht nutzen. Warum?
Meiner Ansicht nach ist die Antwort ebenso einfach wie eindeutig – genau wie der heutige Payrolls-Report. Trotz der starken August-Zahl bleibt der Gesamtzustand des US-Arbeitsmarktes in den Jahren 2025 und 2026 unbefriedigend. In den vergangenen 17 Monaten lag der Nonfarm-Payrolls-Wert nur fünfmal über 100.000. Zur Erinnerung: Unter der Präsidentschaft von Joe Biden wurden monatlich mindestens 100.000 neue Stellen geschaffen, meist deutlich mehr. Daher ist der August-Wert eher die Ausnahme als die Regel. Der US-Arbeitsmarkt bleibt in einem „abgekühlten“ Zustand, weshalb ich es für unwahrscheinlich halte, dass die Fed das Risiko einer Zinserhöhung im September eingeht. Das erklärt das Ausbleiben einer kräftigen Dollar-Stärkung heute. Der Markt glaubt erneut nicht daran, dass das FOMC die Geldpolitik straffen wird.
Gesamtfazit.
Auf Basis meiner EUR/USD-Analyse komme ich zu dem Schluss, dass das Paar sich weiterhin in einem lokalen Aufwärtsabschnitt des Trends im Rahmen der ersten Welle eines neuen globalen Aufwärtstrends befindet. Man muss allerdings einräumen, dass der Trendabschnitt, der im Januar dieses Jahres begonnen hat, auch die Form A-B-C-D-E annehmen kann. Trifft diese Annahme zu, wird der Rückgang der Notierungen wieder aufgenommen, mit Zielen unterhalb des Tiefs der Welle C bei 1,1325. Ich betrachte dieses Szenario jedoch als alternatives. Meiner Meinung nach hat im Juni ein neuer Aufwärtsabschnitt des Trends begonnen, der den Euro zurück an die „20er“-Marke führen und deutlich über dieses Niveau hinaustragen wird.
Im höheren Zeitrahmen ist ein Aufwärtsabschnitt des Trends erkennbar, auf den sich eine A-B-C-Korrekturstruktur bildet. Diese Struktur könnte eine fünfwellig aufgebaute Form annehmen, doch derzeit halte ich sie für abgeschlossen. Ist dies der Fall, hat die Ausbildung eines neuen impulsiven Aufwärtsabschnitts des Trends begonnen.
Grundprinzipien meiner Analyse:
- Wellenstrukturen sollten einfach und leicht verständlich sein. Komplexe Strukturen sind schwer handelbar und unterliegen häufig Änderungen.
- Wenn keine Klarheit darüber besteht, was am Markt passiert, ist es besser, nicht in den Markt einzusteigen.
- Über die künftige Kursrichtung kann es niemals 100%ige Sicherheit geben. Vergessen Sie nicht, schützende Stop-Loss-Orders zu verwenden.
- Wellenanalyse kann mit anderen Analysearten und Trading-Strategien kombiniert werden.