Der neuseeländische Dollar geriet unter Druck, nachdem die Reserve Bank of New Zealand in der vergangenen Woche zwar eine scheinbar „hawkishe“ Entscheidung getroffen und den Leitzins um 25 Basispunkte angehoben hatte. Der Grund dafür ist banal – der Markt hatte einen deutlich aggressiveren Zinserhöhungspfad bis 2027 eingepreist, als es die letztlich veröffentlichte Prognose der RBNZ erwarten ließ.
Nun rechnet die Zentralbank damit, dass der Spitzenzins bis 2029 lediglich 3,28 % erreichen wird. Das Währungspaar AUD/NZD legte um 1,07 % zu und markierte Niveaus, die zuletzt 2013 gesehen wurden. Die Prognosen der führenden Banken gehen auseinander: ANZ bleibt am stärksten dovish eingestellt und erwartet, dass der Zins bei 3 % seinen Höhepunkt erreicht und bis Ende 2027 dort verharrt. ASB sieht einen Peak bei 3,25 %. BNZ hingegen rechnet mit einem strafferen Szenario – 3,75 % bis Mai 2027. Westpac schließt sogar 4 % bis September 2027 nicht aus.
Die in der Woche seit dem 3. September veröffentlichten Daten haben die Komplexität dieses Dilemmas nur bestätigt. Die neuseeländische Wirtschaft wirkt in zwei nahezu unabhängige Segmente gespalten. Der externe Sektor entwickelt sich gut – die Exportbranchen, insbesondere Milchprodukte und Fleisch, erzielen dank hoher Rohstoffpreise und stabiler Nachfrage der Handelspartner ausgezeichnete Ergebnisse.
Die Binnenwirtschaft hingegen kämpft weiter. Hohe Kraftstoffpreise, ein schwacher Arbeitsmarkt mit einer Arbeitslosenquote von 5,6 % (bei Prognosen, dass sie mindestens bis 2028 über 5 % bleiben wird), sinkende reale Hauspreise und ein erzwungen höheres Sparen der Haushalte – das ist die Realität in weiten Teilen des Landes.


Die Energiekrise hat inzwischen auch Neuseeland erreicht. Die Treibstoffkosten der Importeure sind um 127 % gestiegen, und das Handelsdefizit belief sich im Juli auf nahezu 2 Milliarden US-Dollar. Das Land befindet sich in einer Öl-Falle.
Geopolitische Abhängigkeit ist das Hauptrisiko für das gesamte Wirtschaftsmodell Neuseelands. Die RBNZ ist kategorisch nicht bereit, die Inflation zusätzlich anzuheizen, und wartet auf eine Veränderung des geopolitischen Umfelds. Solange die Schifffahrt durch die Meerenge nicht wiederhergestellt ist, muss die RBNZ den Kampf gegen den externen Schock mit dem Risiko abwägen, die bereits schwache inländische Nachfrage abzuwürgen. Das erklärt die vorsichtige Haltung der Zentralbank.
Es gibt jedoch einen Lichtblick: Debatten über Energieunabhängigkeit, Diversifizierung der Lieferanten, den Aufbau inländischer Lagerkapazitäten und die Beschleunigung des Umstiegs auf elektrische Verkehrsmittel werden nun als Fragen der nationalen Sicherheit und nicht nur als Klimapolitik betrachtet. Klar ist, dass es sich hierbei um langfristige Maßnahmen handelt – vorerst bleibt der Kiwi damit den geopolitischen Entwicklungen ausgeliefert.
Die Netto-Short-Positionen im NZD gingen in der Berichts Woche auf symbolische 0,485 Mrd. zurück, und der implizite Preis steigt kontinuierlich.

Wir hatten in der vergangenen Woche mit einer klareren Wiederaufnahme der Aufwärtsbewegung bei NZD/USD gerechnet; dies ist bisher jedoch ausgeblieben, und die Bodenbildung hat sich in die Länge gezogen. Die RBNZ und die Federal Reserve verwenden in ihren Kommentaren gegensätzliche Formulierungen, was den Kiwi belastet, zugleich fehlt es aber an Dynamik für einen deutlichen weiteren Rückgang. Am wahrscheinlichsten ist, dass die Hauptbewegung nach dem US-Inflationsbericht einsetzt. Wir halten an unserer bisherigen Einschätzung fest – die Wahrscheinlichkeit eines erneuten Tests von 0,5797 ist gering, und wir rechnen mit einer erneuten Aufwärtsbewegung in Richtung 0,5985–0,5990.