Während im Persischen Golf Tanker brennen, streiten Händler in London und New York über etwas anderes: Wie viele Milliarden wird das US-Finanzministerium für Rückkäufe von Treasuries ausgeben? Brent hat erstmals seit Juli die Marke von 100 $/bbl durchbrochen, die Renditen von US-Staatsanleihen liegen in der Nähe von Mehrjahreshöchstständen, und EUR/USD steigt, als wäre nichts geschehen – getragen von der Erwartung von Treasury-Rückkäufen und der hawkishen Rhetorik der Europäischen Zentralbank. Die Frage ist einfach: Wie lange wird diese „Bullenparty“ beim Euro dauern?
Beim Öl ist die Lage klar. Brent-Futures sprangen um mehr als 2 %, bevor sie einen Teil der Gewinne wieder abgaben. US-Streitkräfte zerstörten fünf iranische Öltanker als Reaktion auf einen versuchten ballistischen Raketenangriff auf ein US-Kriegsschiff. Zusätzlichen Auftrieb gab die chinesische Nachfrage – der weltgrößte Importeur kehrt an den Markt zurück.
Entwicklung der Treasury-Renditen

Zugleich steigen die Renditen von Staatsanleihen. Händler befürchten, dass höhere Ölpreise die Inflation anheizen und die Federal Reserve zu weiteren Zinserhöhungen veranlassen könnten. Die Renditen zweijähriger Anleihen sind auf Niveaus geklettert, die zuletzt im Januar 2025 erreicht wurden, und die zehnjährigen Renditen bewegen sich in der Nähe eines Dreijahreshochs.
Die ECB wird am Donnerstag mit nahezu vollständiger Sicherheit die Zinsen erneut anheben – zum zweiten Mal seit Beginn des Krieges – auf 2,5 %, die Obergrenze der neutralen Spanne. Die Inflation in der Eurozone hat sich im August auf 3,3 % gegenüber dem Vorjahr beschleunigt und damit den höchsten Stand seit fast drei Jahren erreicht. Zweitrundeneffekte sind bislang noch nicht zu erkennen, doch je länger die Energiepreise erhöht bleiben, desto größer ist das Risiko, dass im Winter höhere Löhne folgen.
Dynamik der Markterwartungen für den ECB-Leitzins

Die regionale Wirtschaft erweist sich als überraschend widerstandsfähig. Der Währungsraum war die einzige Region, die im zweiten Quartal einen Wachstumshöhepunkt verzeichnete, was der EZB mehr Spielraum verschafft. Gleichzeitig droht jedoch die gleiche teure Energie, die eine dritte Zinserhöhung rechtfertigen könnte, die Nachfrageresilienz zu untergraben.
Morgan Stanley geht davon aus, dass die Entscheidung im September voraussichtlich die letzte für absehbare Zeit sein wird. Eine weitere Straffung würde klare Anzeichen eines anhaltenden BIP-Wachstums und einer verfestigten Inflation erfordern. Die Rallye bei den Renditen von Staatsanleihen der Eurozone erschwert das Bild: In Erwartung eines langwierigen Konflikts treiben höhere Renditen allein bereits die Finanzierungskosten für Unternehmen und Haushalte in die Höhe – unabhängig von Maßnahmen der EZB.
Unterdessen warten Anleiheinvestoren auf die Ankündigung des Finanzministeriums am Mittwoch zur Höhe der Rückkäufe. Nach einem Versprechen im August, die Käufe von langfristigen Schuldtiteln mindestens zu verdoppeln, hält RBC ein Volumen von 4 Mrd. US-Dollar für eine Enttäuschung am Markt; das Basisszenario liegt bei 5–6 Mrd. US-Dollar, während Morgan Stanley 10 Mrd. US-Dollar als Obergrenze nennt. Diese Summe würde einen neuen Maßstab für künftige Operationen setzen und den wachsenden Besorgnisgrad des Finanzministeriums in Bezug auf die Rentabilität offenlegen.

Der jüngste Anstieg von EUR/USD beruht nicht auf einer fundamentalen Verbesserung, sondern gleich auf zwei Faktoren – der Entscheidung der EZB und der Ankündigung von Rückkäufen durch das US-Finanzministerium. Sollten die Erwartungen an einen der beiden Punkte enttäuscht werden, könnte die Euro-Rallye schneller vorbei sein, als sie begonnen hat.
Technisch betrachtet wären im Tageschart eine Abweisung am Pivot-Widerstand bei 1,1665 oder 1,1715 oder ein Rutsch unter 1,164 Gründe für Verkaufspositionen.