
Der Donnerstag brachte die lang erwartete Belebung am Edelmetallmarkt. Gold, das offenbar eine Schwäche des US-Dollar witterte, näherte sich wieder der psychologisch wichtigen Marke von 4.420 US-Dollar je Unze. Doch frühe Bullen sollten sich noch nicht zu früh freuen: Die in dieser Woche anstehenden Inflationsdaten könnten für die Fed-Politik entscheidend sein, und das makroökonomische wie geopolitische Umfeld bleibt angespannt.
Am Donnerstagmorgen legte Spot-Gold (XAU/USD) um 0,4 % zu und wurde bei 4.418,87 US-Dollar gehandelt. Auch die Futures verzeichneten moderate Gewinne auf 4.461,82 US-Dollar. Silber (XAG/USD) zeigte sich fester und sprang um 0,5 % auf 67,62 US-Dollar, während Platin (XPT/USD) auf 1.889,34 US-Dollar nachgab. Der Dollar-Index (DXY) geriet dagegen unter Druck und sank auf 98,74.
Warum ist Gold noch nicht durchgestartet? Die Antwort liegt in den Renditen von US-Staatsanleihen. Ein Versuch der Regierung, für 6 Milliarden US-Dollar langlaufende Schuldtitel zurückzukaufen, konnte den Markt nicht stützen – die Renditen stiegen weiter. Für Gold, das keine Zinsen abwirft, wirken steigende Renditen traditionell wie eine kalte Dusche.
Zusätzlich zur Nervosität tragen die Rohstoffmärkte bei. Brent-Öl überschritt erstmals seit Juli wieder die psychologisch wichtige Marke von 100 US-Dollar je Barrel und rief die Inflationsrisiken eindringlich ins Bewusstsein der Anleger.
Auch die Geopolitik hält die Märkte in Atem. Der Konflikt im Nahen Osten befindet sich mittlerweile im siebten Monat. Teheran hat offen gewarnt, dass sich die Lage in der Region drastisch zuspitzen könnte, sollten Angriffe der USA auf iranisches Territorium und die dortige Infrastruktur anhalten. Investoren müssen den langfristigen Wunsch, Kapital im „sicheren Hafen“ Gold zu parken, gegen kurzfristige Risiken abwägen.

Nun richtet sich alle Aufmerksamkeit auf den Datenkalender. Am Donnerstag stehen der Erzeugerpreisindex (PPI) und am Freitag der Verbraucherpreisindex (CPI) an. Diese Veröffentlichungen werden der wichtigste Test für die Fed sein. Die Terminmärkte preisen bereits eine Wahrscheinlichkeit von rund 65 % ein, dass die Fed den Leitzins in diesem Monat anheben wird.
IG Senior Market Analyst Tony Sycamore weist auf ein paradoxes Bild hin: Gold stieg über Nacht auf 4.402 US-Dollar, fast ausschließlich aufgrund der Schwäche des Dollars – und das trotz des Anstiegs der Anleiherenditen.
Sycamore betont jedoch, dass das Metall den 200‑Tage‑Durchschnitt bei etwa 4.537 US-Dollar überwinden muss, um eine Trendwende zu bestätigen und in einen breiten Aufwärtstrend zurückzukehren (nach der Korrektur vom Hoch bei 4.697 US-Dollar).
Während Privatanleger über Anleiherenditen rechnen, kaufen Market Maker physisches Gold. Laut dem World Gold Council war der August historisch: Globale Gold‑ETFs verzeichneten Zuflüsse von 18 Milliarden US-Dollar (der zweithöchste Wert aller Zeiten).
Die physischen Bestände stiegen um 121 Tonnen auf den beispiellosen Wert von 4.189 Tonnen, und das gesamte verwaltete Vermögen legte um 16 % auf 615 Milliarden US-Dollar zu. Europäische Fonds erzielten einen Rekordzufluss, während nordamerikanische Fonds den dritthöchsten Zufluss ihrer Geschichte verzeichneten. Offensichtlich setzt das „smarte Geld“ auf das gelbe Metall.