Die Wellenzählung im 4‑Stunden‑Chart von EUR/USD ist komplexer geworden. Auf der höheren Zeitebene (unterer Chart) hat der abwärtsgerichtete Trendabschnitt die Form einer fünfteiligen Struktur mit der Bezeichnung A‑B‑C‑D‑E angenommen, die jederzeit abgeschlossen sein könnte, da sie strukturell vollständig wirkt. Alle Wellen in diesem Abschnitt sind in etwa gleich groß, weshalb dieser Teil als korrektiv eingestuft wird. Trifft diese Annahme zu, dürfte sich nach Abschluss der Korrektur ein impulsiver Aufwärtstrend entwickeln, dessen Ziele deutlich über der Marke von 1,2000 liegen.
Auf der niedrigeren Zeitebene (oberer Chart) entwickelt sich weiterhin eine impulsive Wellenfolge, die Welle E der höheren Zeitebene zugeordnet werden kann. Ist dies tatsächlich der Fall, nähert sich die Dollar-Stärke ihrem Ende, unabhängig davon, wie weit der Kurs noch steigen mag. Die fünfte Welle der Abwärtsstruktur kann sich noch ausbilden, da der aktuelle Aufbau impulsiv wirkt. In jedem Fall signalisiert das derzeitige Wellenbild, dass die Abwärtsbewegung auf beiden Charts kurz vor dem Abschluss steht. Der Nachrichtenhintergrund und der abrupte Stimmungsumschwung am Markt haben zu einer kräftigen Aufwertung des US‑Dollar geführt, doch es fällt dem Dollar zunehmend schwer, seinen Anstieg fortzusetzen.
Ist mit einer weiteren Dollar-Rally zu rechnen?
Der EUR/USD‑Kurs ist am Dienstag um 40 Basispunkte gestiegen – ein Anstieg, der im Kontext des rund 500 Punkte umfassenden Rückgangs der letzten Monate kaum ins Gewicht fällt. In den ersten beiden Tagen der Woche gab es nur wenige wichtige Ereignisse, sodass der Euro zunächst noch einmal um 40 Punkte nachgab, sich anschließend aber um denselben Betrag erholte. Die ersten bedeutenden Impulse werden heute erwartet. Am Mittwoch wird EZB‑Präsidentin Christine Lagarde sprechen und könnte neue Hinweise zur Geldpolitik geben. Zur Erinnerung: Der jüngste Inflationsbericht für die EU zeigte einen Anstieg der Inflation auf 3,8 % – ein Wert, den die Entscheidungsträger der EZB nicht ignorieren können. In den kommenden Wochen dürften sich EZB‑Vertreter tendenziell „hawkisher“ äußern, da klar ist, dass zwei Runden geldpolitischer Straffung nicht die erhoffte Wirkung erzielt haben. Mindestens eine dritte, wenn nicht sogar eine vierte Runde dürfte nötig sein. Für den Euro ist heute jedoch weniger entscheidend, wie „hawkish“ sich Christine Lagarde zeigt, sondern vielmehr der Inflationsbericht und die Stimmung am Markt.
Der US‑Inflationsbericht ist von zentraler Bedeutung, da die Federal Reserve ihre Zinsentscheidung für Oktober maßgeblich auf die Inflationsdaten stützen wird. Meiner Einschätzung nach ist eine etwaige Beschleunigung der Inflation im September bereits weitgehend eingepreist. Ein Inflationswert deutlich über den Erwartungen könnte Marktteilnehmer dennoch dazu veranlassen, den Dollar erneut zu kaufen. Der Ton der Fed ist in den vergangenen Wochen weniger „hawkish“ geworden, und der Markt rechnet derzeit nicht mehr mit einer weiteren geldpolitischen Straffung im Oktober. Der US‑Dollar bleibt allerdings stark, während das Interesse der Händler am Euro nahezu verschwunden ist. Den Euro könnte daher nur ein abrupptes Auslaufen des Verkaufsdrucks im EUR/USD retten. Die Wellenstruktur des Abwärtstrends wirkt in sich abgeschlossen, weshalb sich von den aktuellen Niveaus aus eine Aufwärtsbewegung entwickeln könnte.
Allgemeine Schlussfolgerungen
Aus der Analyse von EUR/USD ergibt sich, dass sich das Paar weiterhin in einem übergeordneten korrektiven Trendabschnitt mit der Bezeichnung A‑B‑C‑D‑E befindet. Ist diese Annahme richtig, dürfte sich der Rückgang in Richtung Ziele unterhalb des Tiefs von Welle C bei 1,1325 fortsetzen. Dieses Szenario wurde bislang als Alternativszenario betrachtet und wäre ohne die Fed‑Sitzung auch eine Nebenvariante geblieben. Die Überraschung der Fed hat den Markt jedoch gezwungen, eine weitere Kaufwelle des Dollars einzuleiten. Dennoch wird der Dollar nun schon seit mehreren Wochen gekauft, obwohl neue unterstützende Faktoren fehlen. Vor diesem Hintergrund erscheint es im aktuellen Nachrichtenumfeld nicht ratsam, EUR/USD zu verkaufen; stattdessen sollte man sich auf eine mögliche Trendwende vorbereiten.
Auf der höheren Zeitebene zeigt sich ein abwärtsgerichteter Trendabschnitt in der Form A‑B‑C‑D‑E. Folglich könnte EUR/USD weiter unter das Tief der Welle C fallen, während sich die innere Wellenstruktur der Welle E zu einem fünfteilig impulsiven Muster ausbilden kann.
Wichtige Grundsätze der Analyse:
- Wellenstrukturen sollten einfach und klar nachvollziehbar sein. Komplexe Strukturen sind schwer zu handeln und führen häufig zu Änderungen in der Wellenzählung.
- Bei Unsicherheit über die Marktsituation ist es besser, sich aus dem Markt herauszuhalten.
- Es kann niemals absolute Gewissheit über die Richtung der Kursbewegung geben. Vergessen Sie nicht, schützende Stop‑Loss‑Orders zu verwenden.
- Wellenanalyse lässt sich mit anderen Analyseformen und Handelsstrategien kombinieren.
