Heute hat sich Gold nach seinem stärksten wöchentlichen Rückgang seit Juni leicht erholt. Spot-Gold stieg um etwa 0,6 % und kletterte wieder über 4.000 US‑Dollar je Feinunze. In der vergangenen Woche hatte das Metall mehr als 4 % verloren, während Silber um 5,4 % fiel und nun bei rund 53,92 US‑Dollar gehandelt wird.
Die Erholung spiegelt eine Verbesserung der Marktstimmung wider. Öl zog sich von seinem Sechsmonatshoch zurück, nachdem sowohl die USA als auch der Iran bei ihrer bekannten Rhetorik blieben, und Aktien erholten sich von einem Ausverkauf, der durch Zweifel am KI‑Sektor ausgelöst worden war. Diese Entwicklungen sind für Gold relevant, weil es in der vergangenen Woche verkauft wurde, um Aktienverluste zu decken, und Umschichtungen aus KI‑Werten in Anleihen den Verkaufsdruck zusätzlich verstärkten. Die teilweise Gegenbewegung verschaffte dem Markt – und dem Metall – etwas Luft.
Der Anleihemarkt und die Zinserwartungen bleiben der wichtigste Orientierungspunkt. Händler hatten nach den höheren Inflationsdaten zunächst mit einer größeren Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im Oktober gerechnet, doch Kommentare von Vertretern der Federal Reserve dämpften dieses Szenario. Der Markt preist nun für die Sitzung in dieser Woche eine weniger als 10%ige Wahrscheinlichkeit eines Zinsschritts ein, auch wenn die hohen Energiepreise weitere Erhöhungen im Laufe des Jahres weiterhin stützen. Für Gold – das selbst keine Zinsen abwirft – bleibt teures Geld ein Hindernis, sodass die geringe Wahrscheinlichkeit einer Oktober‑Erhöhung bislang keine spürbare Unterstützung geliefert hat.
Zur Erinnerung: Seit dem Aufflammen des US‑Iran‑Konflikts Ende Februar ist Gold in der Spitze um rund ein Viertel gefallen, da die Zentralbanken ihre Geldpolitik strafften, um die Inflation einzudämmen. Am Freitag erreichte der Preis den niedrigsten Stand seit Juli. Ein bedenkliches Signal waren die ETF‑Abflüsse: Vorläufige Daten zeigen, dass die täglichen Rückgaben 10 Tonnen überschritten. Die Bestände der Fonds waren seit Mitte Juli jede Woche gestiegen und trotz des Preisrückgangs auf Mehrjahreshochs geklettert, weshalb Marktteilnehmer diese Entwicklung nun genau im Auge behalten.
All dies deutet darauf hin, dass Gold sich weiterhin in einer Konsolidierungsphase befindet und der Ausverkauf möglicherweise noch nicht vollständig ausgestanden ist. Viele Analysten argumentieren, dass die verhaltene Reaktion von Gold auf das etwas weichere Zinsumfeld auf anhaltenden Druck schließen lässt, auch wenn die Nachfrage nach sicheren Häfen nach Abschluss der Liquidationen als Puffer wirken dürfte. Meiner Ansicht nach wird Gold so lange um die Marke von 4.000 US‑Dollar pendeln, wie Öl teuer bleibt und die Fed kein klares, taubenhafteres Signal sendet; eine nachhaltige Rally ist erst bei einer deutlich spürbareren Entspannung bei Renditen und Inflationsdruck wahrscheinlich.
Technisches Bild: Käufer müssen zunächst den nächstgelegenen Widerstand bei 4.062 US‑Dollar überwinden. Damit würde sich ein Ziel bei 4.124 US‑Dollar eröffnen; oberhalb dieses Bereichs dürfte ein Ausbruch recht schwierig werden. Das weiter entfernte Ziel liegt im Bereich von 4.192 US‑Dollar. Auf der Unterseite werden die Bären versuchen, die Marke von 4.008 US‑Dollar unter Kontrolle zu bringen. Gelingt das, würde ein Ausbruch aus der Handelsspanne den Bullen einen schweren Schlag versetzen und Gold auf 3.954 US‑Dollar drücken, mit der Aussicht auf eine Ausweitung der Bewegung bis 3.906 US‑Dollar.