
Das Währungspaar EUR/USD ist fünf Tage in Folge gefallen, obwohl weder die EZB noch die Fed bislang getagt haben. Es sei daran erinnert, dass die vorherige Abwärtsbewegung ganze 25 Handelstage andauerte, in denen der Euro fast sechs Cent an Wert verlor. Dasselbe Muster scheint sich nun zu wiederholen. In dieser Woche ist bislang nichts wirklich Euro-belastendes geschehen, dennoch eilen die Trader erneut aus Vorsicht vor möglichen Risiken in den Verkauf der Gemeinschaftswährung.
Dafür gibt es wie üblich durchaus Gründe. Am Wochenende kam es in mehreren europäischen Ländern zu neuen, groß angelegten Protesten gegen die steigenden Lebenshaltungskosten, begleitet von Vandalismus und Unruhen. In wenigen Stunden wird die FOMC-Entscheidung bekannt gegeben, und die meisten Marktteilnehmer rechnen mit einem „hawkishen“ Ergebnis. Unmittelbar nach den US-Kongresswahlen am 4. November könnte Donald Trump die Wiederaufnahme militärischer Operationen gegen den Iran anordnen. Trader deuten diese drei Faktoren abermals recht eindimensional: Risikoabbau und Flucht in den sicheren Hafen US-Dollar. Nur so lässt sich die erneute Aufwertung des Dollars erklären. Liegt der Markt damit richtig? Wahrscheinlich. Gewichtet der Markt die verfügbaren Informationen selektiv? Ebenfalls ja. Die Unsicherheit ist derzeit außergewöhnlich hoch – nicht nur in Frankreich und Italien, im Nahen Osten und in der Ukraine, sondern sogar am Devisenmarkt selbst. Märkte mögen keine Unsicherheit, und Kapital bevorzugt keine bloße Hoffnung auf eine vorhersehbare Zukunft.
Dabei ist der aktuelle Kurs der Fed nicht sonderlich „hawkish“. In den vergangenen zwei Wochen hat sich kein einziges Mitglied des FOMC offen für eine geldpolitische Straffung im Oktober ausgesprochen. Die Fed wird die Zinsen heute daher mit hoher Wahrscheinlichkeit unverändert lassen. Von einer wirtschaftlichen Rechtfertigung für eine weitere Dollar-Aufwertung kann kaum die Rede sein. Die EZB wird ebenfalls tagen und könnte die Zinsen ebenso unverändert belassen. Dennoch fällt der Euro nun schon seit über einem Monat kontinuierlich weiter.
Derzeit gibt es keine klaren Anzeichen dafür, dass die Abwärtsbewegung vor ihrem Ende steht. Imbalance 24 ist weiterhin aktiv, und der Kurs könnte darauf reagieren und ein neues Verkaufssignal ausbilden. Die Bären sind bereits zu weit vorgerückt, ihr Momentum ist nur schwer zu stoppen. Die Bullen wiederum müssen Imbalance 24 neutralisieren und bullische Muster ausbilden, bevor mit einer nennenswerten Erholung gerechnet werden kann. Dafür wäre ein kräftiger Sprung des Euro nach oben nötig, doch bislang zeigen die Bullen kaum mehr als Schwäche.
Im September hat das FOMC die Zinsen angehoben und seine Bereitschaft signalisiert, die geldpolitische Straffung fortzusetzen. Das reichte aus, um eine großangelegte Abwärtsbewegung auszulösen. Doch selbst nach der Straffung im September und der Möglichkeit eines weiteren Zinsschrittes im Dezember wäre es falsch zu behaupten, der Euro habe in dieser Zeit keine positiven Nachrichten erhalten. Der Markt ignoriert schlicht einen Großteil davon.
Insgesamt spricht der fundamentale Hintergrund nach wie vor eher für die Bullen. Zwar hat die Fed ihre Geldpolitik gestrafft, doch dies ist nicht der einzige Faktor für Wechselkursbewegungen. Auch in der Europäischen Union gibt es Probleme, doch entscheidend ist: Probleme existieren überall, während nur der Euro fällt. Beide Zentralbanken fahren einen restriktiven Kurs, dennoch wertet nur der Dollar auf. Gleichwohl sollte eine Erholung des Euro erst dann erwartet werden, wenn klare bullische Signale vorliegen. Ein voreiliger Einstieg in Käufe der Gemeinschaftswährung ist ebenfalls nicht ratsam.
Die aktuelle Chartstruktur deutet klar auf eine Fortsetzung des Abwärtsmoments hin. Imbalance 24 ist das einzige nennenswerte aktive Muster und könnte in naher Zukunft getestet werden. Die einzige kurzfristige Chance der Bullen bestünde in einem Liquidity Sweep unterhalb des Tiefs bei 1,1066. Für das Öffnen von Long-Positionen reicht ein bloßer Liquidity Sweep jedoch nicht aus; es bedarf weiterer Bestätigungen.
Am Mittwoch gab es keine wichtigen Konjunkturdaten, und die Trader zeigten sich vor der Fed-Sitzung etwas ruhiger. Die FOMC-Entscheidung wird in wenigen Stunden bekannt gegeben, auch wenn über den voraussichtlichen Ausgang wenig Unklarheit besteht. Der Markt wartet auf die Äußerungen von Kevin Warsh.
Die Bullen haben nach wie vor zahlreiche Argumente, ihren Vorstoß im Jahr 2026 wieder aufzunehmen. Strukturell wie fundamental haben sich Trumps politische Leitlinien – die im vergangenen Jahr maßgeblich zum deutlichen Rückgang des Dollars beigetragen haben – nicht verändert. Derzeit gibt es trotz des „hawkishen“ Kurses des FOMC keine bedeutenden Faktoren, die die US-Währung nachhaltig stützen. Belastend für den Euro wirken momentan vor allem die geopolitischen Entwicklungen und die angespannte Lage in Europa.
Wirtschaftskalender für die USA und die Europäische Union:
- Vereinigte Staaten – Vorabschätzung des BIP-Wachstums im dritten Quartal (12:30 UTC).
- Vereinigte Staaten – Kern-PCE-Preisindex (12:30 UTC).
- Vereinigte Staaten – Persönliche Einkommen und Ausgaben (12:30 UTC).
- Vereinigte Staaten – Veränderung der Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung (12:30 UTC).
- Europäische Union – Zinsentscheidung der EZB (13:15 UTC).
- Europäische Union – Pressekonferenz mit Christine Lagarde (13:45 UTC).
Am 29. Oktober umfasst der Wirtschaftskalender sechs Veröffentlichungen, wobei die EZB-Sitzung und der BIP-Bericht als die wichtigsten hervorgehoben werden. Die Konjunkturdaten könnten die Marktstimmung am Donnerstag deutlich beeinflussen.
EUR/USD-Prognose und Trading-Tipps:
Langfristig befindet sich das Paar nach wie vor in der Ausbildung eines Aufwärtstrends, der sich nun bereits seit einem ganzen Jahr in einer Korrekturphase befindet. Das fundamentale Umfeld hat sich vor acht Monaten deutlich zugunsten der Bären verschoben, doch der übergeordnete Trend der letzten vier Jahre kann bislang weder als aufgehoben noch als abgeschlossen gelten.
Die Bullen könnten ihre Aufwärtsbewegung noch vor Jahresende wieder aufnehmen, doch ihre aktuellen Chancen beschränken sich auf das im Juni vergangenen Jahres markierte Tief bei 1,1066 und das Tief bei 1,1114, das vor einigen Wochen ausgebildet wurde. Die Bären erhielten ein Verkaufssignal an Imbalance 19. Derzeit sollten bestehende Short-Positionen weiter gehalten werden. Ein weiteres Verkaufssignal könnte sich an Imbalance 24 bilden.