Das Pfund-Dollar-Paar hat gestern seine Zweijahrestiefs aktualisiert und bereits den 23. Wert getestet. Letztes Mal war der Preis auf einem so niedrigen Level im April 2017 nach einem weiteren Anflug von Besorgnis über die Aussichten von "hartem" Brexit. Nach mehr als zwei Jahren hat sich das fundamentale Bild für das Paar nicht geändert: am Horizont zeichnet sich wiederum ein chaotischer Brexit ab, und das Pfund folgt der Panik der Händler.
Die Abwertung der britischen Währung in Verbindung mit dem Dollar war vorhersehbar. Eine recht gute Statistik aus den USA vor dem Hintergrund der pessimistischen britischen Aussichten verstärkte den südlichen Trend und löste den raschen Rückgang des Pfunds auf mehrjährige Tiefstände aus. Das Währungspaar gpb/usd ist auf die nächste Unterstützungsstufe von 1,2405 (die unterste Zeile des Bollinger-Band-Indikators) aufgestiegen. Das Paar pulsierte durch sie, konnte jedoch im Bereich der 23. Ziffer keinen Fuß fassen. Jetzt bewegt sich der Preis im Rahmen des korrektiven Rückgangs natürlich zurück.

Anscheinend ist dies nicht der letzte Angriff auf den 23. Wert. Aber zuerst analysieren wir die Gründe für den raschen Niedergang der Briten. Die Kombination von zwei fundamentalen Faktoren senkte den Kurs von gbp/usd. Erstens, wurde in den USA ein recht guter Bericht über Einzelhandelsumsätze veröffentlicht. Der Gesamtwert sowie der Wert ohne Pkw-Verkäufe ist im Juni um 0,4% (mit einem prognostizierten Rückgang auf 0,1%) gewachsen. Ohne Berücksichtigung der Auto- und Kraftstoffverkauf wächst der Indikator schon zwei Monate hintereinander und hat schon von 0,7% erreicht. Vor dem Hintergrund des Wachstums der makroökonomischen Schlüsselindikatoren (Nonfarma, Inflation) haben diese Zahlen den Dollar erheblich gestützt.Vor dem Hintergrund des Wachstums der makroökonomischen Schlüsselindikatoren (Nonfarm, Inflation) haben diese Zahlen den Dollar erheblich gestützt. Der Greenback ist auf dem gesamten Markt im Preis gestiegen. Aber die markanteste Wachstumsdynamik wurde beim Paar Gbp/USD beobachtet.
Dies ist darauf zurückzuführen, dass gleichzeitig mit der Veröffentlichung der amerikanischen Daten die Debatten zwischen Boris Johnson und Jeremy Hunt in Großbritannien stattfanden. Einerseits äußerten Politiker die schon bekannte Rhetoriken, darunter auch die Aussichten für einen Brexit. Aber die Traders konzentrierten sich jedoch auf ihre Kommentare über die irische Grenze. Ich stelle fest, dass die Frage der irischen Grenze das Haupthindernis war. Diese verhinderte die Genehmigung des Deals unter der Herrschaft von Theresa May. Und heute wiederholt sich die Situation. Sowohl Johnson als auch Hunt haben tatsächlich ein Ultimatum geäußert: entweder macht die Europäische Union Zugeständnisse, oder der Brexit wird dem "harten" Szenario folgen, ohne den Deal zu machen.
Hier sei daran erinnert, dass Teresa May Anfang dieses Jahres den Abschluss eines gesonderten Abkommens zwischen Großbritannien und Irland vorgeschlagen hat. In diesem Dokument könnten die Parteien die Einzelheiten und Bedingungen der besonderen Grenzregelung zu Nordirland festigen. Im Großen und Ganzen ging es um die gesetzlichen Garantien der EU, die so lange in den Wänden des britischen Parlaments gesprochen wurden. Aber diese Idee von May wurde nicht zum Leben erweckt: das Projekt von diesem Dokument fand weder im britischen Parlament noch in Brüssel oder in Belfast Unterstützung.
Jetzt ist die Position der britischen Politiker viel härter. Insbesondere Johnson, der nächste Woche höchstwahrscheinlich das Amt des Premierministers innehaben wird, hat erklärt, dass es an der irischen Grenze keine besonderen Bedingungen geben wird. Er lehnte auch den Versicherungsplan (den berüchtigten "Backstop") kategorisch ab und betonte, dass die fünfjährige Übergangsfrist im Wesentlichen nichts ändern wird. Johnson appellierte, nach "neuen Optionen" zu suchen, schloss aber die Genehmigung der transparenten Grenze aus. Im Allgemeinen kritisierte er Bekstop schon zuvor und weiste darauf hin, dass dieser Mechanismus Großbritannien tatsächlich mit EU-Handelsstandards verbindet. Jetzt Johnson als ein halber britischer Regierungschef bekräftigte seine Position.
Für Brüssel wiederum ist die Frage der irischen Grenze von gleicher strategischer Bedeutung. Ursula von der Layen, die übrigens gestern zur Präsidentin der Europäischen Kommission gewählt wurde, bekräftigte die kategorische Position ihres Vorgängers. Laut Ursula, unterliegt der Text des Abkommens zwischen London und Brüssel keiner Überarbeitung, und jetzt "ist der Ball auf britischer Seite". Angesichts dieser Rhetorik wird es für die britische Seite schwierig sein, die EU davon zu überzeugen, den Verhandlungsprozess wieder aufzunehmen. Umso mehr werden die Europäer die Idee einer transparenten Grenze zu Nordirland nicht aufgeben und auch die anderen Anforderungen von Boris Johnson nicht erfüllen.

All dies deutet darauf hin, dass die politische Konfrontation zwischen London und Brüssel in naher Zukunft erheblich zunehmen wird. Laut der britischen Presse waren die jüngsten Verhandlungen zwischen Vertretern Großbritanniens und der EU fast feindselig. Die britische Seite versuchte, ihre europäischen Kollegen davon zu überzeugen, dass das bestehende Abkommen politisch nicht lebensfähig ist: es wird weder von den Abgeordneten des Unterhauses noch von Premierminister Boris Johnson unterstützt. Die Vertreter von Brüssel zeigten daraufhin ihre Ratlosigkeit und wiederholten, dass es keine erneute Überprüfung der Transaktion geben wird.
Bis das britische Parlament ins Spiel nicht kommt, wird sich die Situation also nur verschlechtern. Johnson wird seine Rhetorik verschärfen. Und Brüssel wird wiederum die zuvor geäußerte Position verteidigen. Die Wahrscheinlichkeit der Umsetzung von"hartem" Brexit steigt mit jedem Tag und übt einen erheblichen Druck auf das Pfund aus. Alle anderen fundamentalen Faktoren werden eine untergeordnete Rolle spielen. Technologisch gesehen liegt das Paar nahe dem untersten Level des Bollinger Bands-Indikators auf dem Tages-Chart (1,2405). Wenn die Bären dieses Ziel erreichen, wird der nächste Unterstützungslevel bei 1,2350 (dies ist das Fazit der Bollinger Bands, die bereits auf dem Wochenchart stehen.) liegen.