
Die derzeitige Panik an den Märkten könnte übertrieben sein. Sollten sich die morgigen Zölle als weniger schädlich erweisen als erwartet, könnten wir eine kurze, aber heftige Erholung erleben, insbesondere im S&P 500. Jede Long-Position zu diesem Zeitpunkt wäre jedoch gegen den Trend und erfordert ein strenges Risikomanagement.
Während das erste Quartal zu Ende geht, steht der Aktienmarkt weiterhin unter immensem Druck. Investoren halten den Atem an und warten auf die morgige Ankündigung zu reziproken Zöllen, eine Entscheidung, die den Ton für den Beginn des zweiten Quartals setzen könnte. In einem solchen Klima der Angst öffnen sich oft Chancen für eine Erholung. Die Frage ist, wo man Unterstützung findet und wann man handeln sollte.
Aktuelle Situation: Kein sicherer Hafen für Indizes
Der S&P 500 handelt derzeit bei etwa 5.590 Punkten, während der Nasdaq 100 um 19.260 pendelt. Beide Indizes standen in den letzten Wochen nicht nur wegen geopolitischer und zollbedingter Sorgen unter Druck, sondern auch aufgrund einer strukturellen Schwächung der Nachfrage nach US-Aktien.
Der S&P 500 ist in den Bereich einer technischen Korrektur eingetreten und ist um 10 % von seinem Hochpunkt Mitte Februar gefallen. Der Nasdaq zeigt ähnliche Schwächeanzeichen.
Die CFTC-Daten bestätigen den Trend: Netto-Long-Positionen in beiden Indizes schrumpfen seit mehreren Wochen. Der Markt steht nicht nur wegen Zollbedenken, sondern auch aus Angst vor einer langfristigen Kapitalverschiebung hin zu europäischen Vermögenswerten unter Druck.
Für den S&P 500 liegt die nächste Unterstützung bei 5.535, dem lokalen Tief der letzten Woche und der unteren Grenze des aktuellen Kanals. Darunter befindet sich 5.480, was dem 38,2%-Fibonacci-Retracement der Rally seit Oktober entspricht.
Widerstandsniveaus liegen bei 5.650 und 5.705.

Bullishes Szenario: Wenn der S&P 500 es schafft, nach der Ankündigung der Zölle über 5.535 zu bleiben und eine bullishe Tageskerze bildet, könnte dies das erste Signal für einen Aufschwung in Richtung der 5.650–5.705-Marke sein.
Bearishes Szenario: Ein Rückgang unter 5.480 würde den Weg ebnen für einen Abstieg in die Zone 5.400–5.350, wo mittel- bis langfristige Unterstützungsniveaus vom Ende des letzten Jahres liegen.
Für den Nasdaq 100 liegt die nächste Unterstützung bei 19.120, einer Trendlinie, die sich seit Anfang Oktober erstreckt. Das nächste wichtige Niveau ist 18.800, welches Fibonacci-Unterstützung mit einem interessanten Bereich für institutionelle Investoren kombiniert.
Widerstand könnte bei 19.500 und 19.800 gefunden werden.
Einstiegspunkte: Für kurzfristige Händler, die auf eine Erholung setzen wollen, wird die Reaktion des Marktes auf 19.120 entscheidend sein. Wenn das Niveau hält und sich ein Umkehrmuster bildet, könnte dies eine Gelegenheit für eine kurzfristige Long-Position darstellen, die auf 19.500 abzielt.
Ein Rückfall unter 18.800 würde den Weg für einen vollwertigen Abwärtstrend öffnen, mit Zielen im Bereich von 18.000–18.200.
Fundamentale Perspektive: Risiko oder Chance?
Die zentrale Frage der Woche ist die morgige Zollerklärung. Es ist bekannt, dass die Vereinigten Staaten aggressive Maßnahmen ergreifen werden, doch das Ausmaß und die Reichweite der Zölle sind noch unklar. Sollte sich herausstellen, dass die neuen Zölle weniger streng sind als erwartet und einige Unternehmen, wie TSMC, Ausnahmen erhalten, könnte dies bereits am Mittwoch oder Donnerstag zum Katalysator für eine Marktwende werden.
Dies ist besonders relevant angesichts des derzeitigen Kapitulationszustands. Auch defensive Sektoren stehen unter Druck, Gold zieht sich nach jüngsten Gewinnen zurück und die Positionierung der Investoren bleibt stark reduziert.
Dennoch stellt der langfristige Trend weiterhin Herausforderungen für den Markt dar. Das Potenzial für anhaltende Kapitalabflüsse nach Europa, wachsende protektionistische Rhetorik und ein Mangel an internationalen Verbündeten könnten die US-Indizes auch im zweiten Quartal weiterhin belasten.