
Die Wellenstruktur auf dem 4-Stunden-Chart des EUR/USD könnte sich zu einer komplexeren Formation entwickeln. Am 25. September letzten Jahres begann sich eine neue bärische Struktur abzuzeichnen, die ein impulsives Fünf-Wellen-Muster bildete. Vor drei Monaten begann ein korrektives Aufwärtsmuster, das aus mindestens drei Wellen bestehen sollte. Die Struktur der ersten Welle war relativ klar, daher erwarte ich weiterhin, dass die zweite Welle eine deutliche Form annimmt. Allerdings ist ihre Größe inzwischen so groß, dass das Risiko besteht, dass sich das Wellenlayout ernsthaft verändert.
Der fundamentale Hintergrund unterstützt weiterhin eher die Verkäufer als die Käufer, zumindest aus einer datengestützten Perspektive. Alle US-Berichte der letzten Monate haben eines gezeigt: Die Wirtschaft steht nicht vor ernsthaften Problemen und zeigt keine Anzeichen einer besorgniserregenden Verlangsamung. Dies könnte sich jedoch 2025 aufgrund von Donald Trumps Politik erheblich ändern. Die Fed könnte die Zinsen häufiger senken als erwartet, während Zölle und Gegenmaßnahmen das Wirtschaftswachstum schädigen könnten. Ohne die jüngsten Entwicklungen würde ich weiterhin mit 90%iger Wahrscheinlichkeit einen Rückgang des Euros erwarten. Aber es ist immer noch möglich.
Das EUR/USD-Paar fiel am Dienstag nur um wenige Dutzend Punkte—eine kleine Bewegung für einen angeblich starken Dollar. Gestern verlangsamte sich die Inflation in Deutschland auf 2,2% im Jahresvergleich. Heute verlangsamte sich die Inflation in der Eurozone ebenfalls auf 2,2%. Diese Berichte deuten darauf hin, dass es für die EZB keinen wirklichen Bedarf gibt, ihre geldpolitische Lockerung zu pausieren. Natürlich ist die EZB vorsichtig gegenüber Trumps Zöllen, deren Details heute oder morgen bekannt gegeben werden könnten. Ökonomen haben bereits berechnet, dass die Preise für fast alle Autos weltweit aufgrund der neuen US-Abgaben steigen werden—selbst die, die in den Vereinigten Staaten hergestellt werden. Das bedeutet steigende Preise und eine Beschleunigung der Inflation, insbesondere bei teuren Gütern. Daher sind die Ängste vor einem erneuten Anstieg der Verbraucherpreise gerechtfertigt—nicht nur in der EU, sondern auch in den USA und weltweit. Die große Frage ist: Wie stark wird die Inflation steigen, und welche anderen Zölle könnte Trump einführen?
Meiner Meinung nach jongliert der Markt derzeit mit einer überwältigenden Anzahl von Faktoren und möglichen zukünftigen wirtschaftlichen Veränderungen. Bei so viel Unsicherheit ist er nicht in Eile, neue Positionen einzugehen. Die Nachfrage nach dem Dollar nimmt langsam zu, aber das liegt wahrscheinlich daran, dass Gewinne aus im Laufe der letzten Monate akkumulierten Dollar-Shorts mitgenommen werden. Das Wellenbild deutet immer noch auf eine Fortsetzung des Abwärtstrends hin—aber um den Dollar zu kaufen, braucht der Markt klare Gründe. Und was könnten diese Gründe sein, wenn Trump ständig droht, Zölle erhebt, Forderungen stellt und Ultimaten ausspricht?
Dennoch möchte ich die Wellenzählung nicht völlig ignorieren, daher erwarte ich weiterhin einen Rückgang des Paares.
Allgemeine Schlussfolgerungen
Basierend auf dieser EUR/USD-Analyse komme ich zu dem Schluss, dass das Paar weiterhin an einem bärischen Trendsegment arbeitet—aber in naher Zukunft könnte es bullish werden. Ein neuer Aufwärtsschub im Euro würde die gesamte Wellenstruktur umgestalten. Da das Nachrichtenumfeld derzeit der Wellenzählung widerspricht, kann ich nicht empfehlen, das Paar zu verkaufen, auch wenn die aktuellen Niveaus extrem attraktiv für Short-Positionen erscheinen—wenn das Wellenmuster intakt bleibt. Alles wird davon abhängen, wie stark der Markt weiterhin auf Trumps Zollpolitik reagiert und welche zusätzlichen Zölle der republikanische Präsident einführen könnte.
Auf der höheren Wellenskala hat sich das Muster in eine impulsive Struktur verwandelt. Eine neue langfristige bärische Wellensequenz steht wahrscheinlich bevor, obwohl das Nachrichtenumfeld—insbesondere angetrieben durch Trump—die Markterwartungen vollständig auf den Kopf stellen könnte.
Wichtige Grundsätze meiner Analyse:
- Wellenstrukturen sollten einfach und klar sein. Komplexe Strukturen sind schwer zu handeln und führen oft zu Überarbeitungen.
- Bei Unsicherheit über die Marktbedingungen ist es besser, sich herauszuhalten.
- Es kann nie 100%ige Sicherheit in der Marktrichtung geben. Immer schützende Stop-Loss-Orders verwenden.
Die Wellenanalyse kann mit anderen Arten von Analysen und Handelsstrategien kombiniert werden.