
Der Goldmarkt erlebt einen der dramatischsten Rückgänge des letzten Jahrzehnts. Vor dem Hintergrund einer starken Preiskorrektur suchen Investoren und Händler nach einer Erklärung – und eine wurde bereits im Januar geäußert. Die CEO von ARK Invest, Cathie Wood, machte damals eine laute Behauptung: Nicht künstliche Intelligenz, sondern Gold ist der am meisten "überhitzte" Vermögenswert im heutigen Markt. Ihre Worte erhalten jetzt eine ernüchternde Bestätigung.
Am Montag fiel Gold auf $4.544 pro Unze und verlor mehr als $1.000 von seinem Rekordhoch von $5.594,82, das am 30. Januar verzeichnet wurde. Ein besonders heftiger Ausverkauf fand am Freitag statt: Der Preis fiel in einer Sitzung um fast 10%, der steilste Ein-Tages-Verlust seit 1983. Silber folgte und brach um etwa 31% ein – sein schlechtester Tag seit dem Crash der Hunt-Brüder im Jahr 1980.
Cathie Wood rechtfertigte ihre Warnung mit einer Analyse der Fundamentaldaten. Laut ARK Invest liegt die Marktkapitalisierung von Gold derzeit bei etwa 170% der US M2-Geldmenge – ein historisch hohes Niveau, das zuletzt während der Großen Depression 1934 und leicht über dem Höchststand von 1980 gesehen wurde. Solche Niveaus, argumentiert Wood, signalisieren spekulative Überhitzung.
"Es ist sehr wahrscheinlich, dass Gold auf einen Rückgang zusteuert," schrieb Cathie Wood Ende Januar auf X. "Parabolische Rallyes enden normalerweise mit ebenso schnellen Einbrüchen. Unserer Ansicht nach befindet sich die Blase heute nicht in der KI, sondern im Gold."
Auch die Währungspolitik war ein Katalysator. Ein Auslöser für den Rückgang der Edelmetallpreise war ein stärkerer Dollar, nachdem Präsident Donald Trump Kevin Warsh als Fed-Chef nominiert hatte – eine Figur, die mit einer strengen Geldpolitik in Verbindung gebracht wird. Diese Nominierung führte zu einer starken Dollar-Rallye, die den Druck auf Gold erhöhte.
Im Vergleich zu historischen Krisen betonte Wood, dass sich die aktuellen wirtschaftlichen Realitäten erheblich von den inflationären 1970er Jahren oder den deflationären 1930er Jahren unterscheiden. Die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen sind beispielsweise von etwa 5% Ende 2023 auf etwa 4,2% gesunken – was darauf hindeutet, dass sich die finanziellen Bedingungen eher entspannen als verschärfen.
Unterstützt wird diese Sichtweise von Robin Brooks, dem ehemaligen Chefvolkswirt des Institute of International Finance, der feststellte, dass die jüngste Goldrallye "weitgehend durch Einzelhandelseinkäufe getrieben" wurde und nicht mit aktiven Käufen durch Zentralbanken einherging – ein Bild, das durch IWF-Daten untermauert wird.

Trotzdem sind die Ansichten am Markt geteilt. Woods Einfluss auf die Anlegerstimmung ist beträchtlich, aber nicht alle sind bereit, das mehrjährige Bullenmarkt für Gold als beendet zu erklären. J.P. Morgan prognostiziert beispielsweise, dass Gold bis zum Jahresende auf 6.300 US-Dollar pro Unze steigen könnte, während Analysten bei CMC Markets den aktuellen Rückgang als eine "normale Korrektur nach einer beeindruckenden Rallye" bezeichnen und raten, ihn nicht als Zusammenbruch zu behandeln.
Für Händler bieten die aktuellen Kursrückgänge einzigartige Möglichkeiten. Starke Volatilität schafft Bedingungen sowohl für kurzfristige Short-Trades als auch für den Kauf von Erholungen. Die Analyse fundamentaler Treiber wie die Veränderung der Fed-Politik und der Pfad des Dollars können dazu beitragen, präzisere Strategien zu entwickeln.
Schließlich könnten langfristige Investoren trotz des aktuellen Drucks die Korrektur als Möglichkeit sehen, Positionen deutlich unter den jüngsten Höchstständen aufzubauen. Der Schlüssel liegt jedoch in einer umsichtigen Berechnung und der Abhängigkeit von Makrosignalen und nicht von Emotionen. Nur so lässt sich das Marktrauschen von echten Investitionsmöglichkeiten trennen.