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FX.co ★ USD/JPY: Warum wird der Yen stärker?

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Analysen:::2026-02-10T22:33:43

USD/JPY: Warum wird der Yen stärker?

Das Währungspaar USD/JPY fällt bereits den zweiten Tag in Folge, und das nicht nur wegen der generellen Schwäche der US‑Währung. Der Yen wertet am gesamten Markt auf, wie die Cross-Paare mit dem japanischen Yen (GBP/JPY, EUR/JPY, AUD/JPY) zeigen.

USD/JPY: Warum wird der Yen stärker?

Auf den ersten Blick wirkt das Verhalten des Yen unlogisch. Nach den vorgezogenen Neuwahlen, die erst kürzlich stattgefunden haben, hat die amtierende Premierministerin Sanae Takaichi ihre Macht gefestigt, indem sie im Unterhaus des Parlaments eine verfassungsändernde Mehrheit errungen hat. Die regierende Liberal Democratic Party of Japan sicherte sich 316 der 465 Sitze und erhielt damit ein Mandat für Reformen und andere, auch wirtschaftspolitische, Entscheidungen.

Bekanntermaßen ist Takaichi eine Befürworterin der sogenannten „Abenomics“, die auf der Ankurbelung der Wirtschaft (durch expansive Staatsausgaben), einer lockeren Geldpolitik und strukturellen Reformen basieren. Daher ist der Erdrutschsieg der LDP grundsätzlich ein negatives Signal für die japanische Währung. Im Wahlkampf hatte Takaichi versprochen, die 8‑prozentige Verbrauchssteuer auf Lebensmittel und Getränke vorübergehend abzuschaffen. Diese Maßnahme würde die Staatskasse spürbar belasten: Vorläufigen Schätzungen zufolge würde dem Haushalt dadurch jährlich rund 5 Billionen Yen entgehen (etwa 32 Milliarden US‑Dollar).

Zudem ist die Abschaffung der Verbrauchssteuer nicht der einzige Baustein der „Sana-Economics“. Dazu zählen unter anderem niedrigere Treibstoffpreise, Subventionen für Strom- und Gasrechnungen sowie eine Aufstockung der Mittel für Krankenhäuser, Kliniken und andere soziale Einrichtungen.

Es drängt sich die logische Frage auf: Wer bezahlt dieses großzügige „Bankett“? Die meisten Analysten sind der Ansicht, dass derart massive zusätzliche Ausgaben die Emission neuer Staatsanleihen erforderlich machen werden – mit allen daraus resultierenden Folgen. Eine Ausweitung der Kreditaufnahme bedeutet ein höheres Angebot an Staatspapieren, was Druck auf deren Renditen ausübt. Damit der Markt diese neuen Emissionen „verdauen“ kann, wird die Bank of Japan jegliche weitere Normalisierung der Geldpolitik aufgeben müssen. Anders ausgedrückt: Sie wird sich auf unabsehbare Zeit in eine abwartende Haltung begeben.

Hinzu kommt, dass das Vertrauen in die fiskalische Tragfähigkeit gelitten hat, da Japan bereits jetzt einen Rekordstand der Staatsverschuldung aufweist (die Schuldenquote liegt bei 260 % des BIP).

Aus diesem Grund reagierte der Yen zunächst negativ auf die Ergebnisse der vorgezogenen Parlamentswahlen – zu Beginn der asiatischen Sitzung am Montag markierte das Währungspaar USD/JPY mit 157,67 ein knappes Dreiwochenhoch.

Spätere Kommentare von Takaichi beruhigten jedoch die Märkte und ermöglichten es den Verkäufern im USD/JPY, die Initiative zu übernehmen – zumal der US‑Dollar gleichzeitig unter Druck stand.

Nach Aussage der japanischen Regierungschefin sollen die Steuersenkungen „aus alternativen Finanzierungsquellen“ bestritten werden, deren Nutzung nicht zu einem zusätzlichen Anstieg der Staatsverschuldung führen werde.

Worum geht es dabei konkret? Die Einzelheiten bleiben vage, da bislang keine belastbaren Informationen vorliegen. Die Formulierung zu den alternativen Finanzierungsquellen ist nach wie vor überwiegend deklaratorischer Natur. Takaichi zufolge werde sie sich „den Kopf zerbrechen“, um rasch ein zweijähriges Moratorium für die Verbrauchssteuer zu erreichen. Wie die Premierministerin jedoch anmerkte, wird der Entwurf zur Abschaffung der Steuer frühestens im Sommer, voraussichtlich im Juni, vorgelegt werden.

Solche beschwichtigenden Signale haben die japanische Währung gestützt, doch meiner Ansicht nach wird der Yen sich darauf nicht lange „ausruhen“ können.

Erstens wird Takaichi zwangsläufig eine lockere Fiskalpolitik umsetzen – nun ohne Rücksicht auf die Meinung der Koalitionspartner, da die LDP jetzt über die absolute Mehrheit verfügt.

Zweitens stellt die Abschaffung der 8‑prozentigen Steuer auf Lebensmittel de facto einen strukturellen Minusposten bei den Haushaltseinnahmen dar, und der Begriff „alternative Quellen“ ist inhaltlich derzeit kaum ausgefüllt. Die japanischen Behörden könnten auf außerbudgetäre Mechanismen zurückgreifen (Nutzung von Sonderkonten, quasi-staatlichen Fonds und Programmen unter Beteiligung staatlicher Banken), doch die daraus entstehenden Verpflichtungen verschwinden dadurch nicht. Die zukünftigen Verpflichtungen bleiben bestehen, und die Risiken lasten letztlich auf dem Staat und mittelbar auf der BoJ.

All dies ist jedoch, wie man so schön sagt, „Musik der Zukunft“, während der Markt heute auf die beruhigende Rhetorik von Takaichi reagiert, die den Yen auf breiter Front stärkt. Im Paar mit dem Dollar wird der Abwärtsimpuls zusätzlich durch die generelle Schwäche der US‑Währung verstärkt. Der DXY fällt vor dem Hintergrund schwacher Arbeitsmarktdaten (die ADP-, JOLTS- und Unemployment Claims‑Berichte der vergangenen Woche fielen allesamt enttäuschend aus) und steigender Erwartungen an eine künftig eher lockere Fed‑Politik. Diese Kombination versetzt die Verkäufer von USD/JPY in die Lage, neue Preisbereiche zu testen und sich den Grenzen der 153er‑Marke zu nähern.

Sollten die offiziellen US‑Arbeitsmarktdaten (Veröffentlichung am Mittwoch) die US‑Währung nicht stützen, wird das Währungspaar USD/JPY seine Abwärtsbewegung fortsetzen – nicht nur wegen der Schwäche des Greenback, sondern auch aufgrund der Yen‑Stärke. Die nächstgelegene Unterstützungszone liegt bei 152,50 und entspricht der unteren Linie der Bollinger Bands im Tageschart.

Analyst InstaForex
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