Der Goldpreis könnte bis zum Jahresende auf 6.000 US-Dollar je Unze steigen, und das Gold-Silber-Verhältnis dürfte weiter zunehmen, da makroökonomische und geopolitische Risiken anhalten.

Laut einem Bericht von BNP Paribas SA könnte sich das Gold-Silber-Verhältnis, das zwar noch unter seinem Zwei-Jahres-Durchschnitt von rund 80 % liegt, deutlich ausweiten. „Wir gehen davon aus, dass sich die Spreizung zwischen den Preisen vergrößern könnte. Unserer Ansicht nach bietet Silber nicht denselben Grad an Risikoschutz wie Gold.“
Die Aussichten für den Goldmarkt erscheinen recht optimistisch, was vor allem auf zwei Schlüsselfaktoren zurückzuführen ist: das anhaltende Interesse der Zentralbanken und fortgesetzte Kapitalzuflüsse in goldgedeckte Exchange Traded Funds (ETFs). Die laufenden Käufe der Zentralbanken – insbesondere vor dem Hintergrund der überraschenden Ankündigung Polens im vergangenen Monat, zusätzlich 150 Tonnen des Edelmetalls zu erwerben, nachdem das Land bereits im Vorjahr zum größten Käufer geworden war – spiegeln eine strategische Neuausrichtung der Reservepolitik vieler Staaten wider. Dieser Schritt unterstreicht den Wunsch, Reserven zu diversifizieren und sich gegen Risiken abzusichern, die mit der Volatilität anderer Anlageklassen verbunden sind.
Parallel zu den institutionellen Käufen verzeichnen Gold-ETFs stetige Zuflüsse. Trotz eines kurzen Rückgangs während der jüngsten Marktkorrektur bleibt der übergeordnete Trend positiv. Das zeigt, dass Anleger trotz kurzfristiger Schwankungen weiterhin an das langfristige Wachstumspotenzial von Gold glauben. Die Nachfrage von Privatanlegern und kleineren institutionellen Investoren, die über ETFs Zugang zu Gold suchen, ergänzt die Aktivitäten der Zentralbanken und schafft damit ein solides Fundament zur Unterstützung der Preise.
Diese Kombination aus anhaltender Nachfrage großer Marktteilnehmer und dem fortdauernden Interesse einer breiten Investorenschaft bildet einen günstigen Rahmen für weitere Preissteigerungen von Gold in Richtung 6.000 US-Dollar je Unze.
Zahlreiche Banken und Vermögensverwalter, darunter Deutsche Bank AG und Goldman Sachs Group Inc., gehen ebenfalls davon aus, dass sich Gold dank dieser langfristigen Nachfragefaktoren erholen wird. Als Beleg für die stabile offizielle Nachfrage hat die People’s Bank of China ihr Goldkaufprogramm zudem im Januar bereits den 15. Monat in Folge verlängert.

In der Zwischenzeit hat Silber in den letzten Monaten aufgrund aktiver physischer Käufe, insbesondere in Asien, eine extreme Volatilität gezeigt. Allerdings sind nun Anzeichen einer Abschwächung am physischen Markt erkennbar, da Metalllieferungen in Europa und Asien eintreffen.
Was das aktuelle technische Bild für Gold angeht, müssen die Käufer zunächst den nächstgelegenen Widerstand bei 5051 USD zurückerobern. Dadurch könnten sie das Ziel von 5137 USD anvisieren, oberhalb dessen ein Durchbruch recht schwierig sein dürfte. Das weiter entfernte Ziel liegt bei rund 5223 USD. Kommt es zu einem Rückgang bei Gold, werden die Bären versuchen, die Kontrolle über das Niveau von 4975 USD zu übernehmen. Gelingt ihnen dies und wird diese Spanne nach unten durchbrochen, wäre dies ein schwerer Schlag für die Bullenpositionen und könnte Gold auf ein Tief von 4893 USD drücken, mit der Aussicht auf einen weiteren Rückgang bis 4835 USD.