Das Währungspaar EUR/USD handelt nun bereits seit sieben Tagen in Folge seitwärts. Das Nachrichtenumfeld war in dieser Woche zwar tatsächlich schwach, was Konjunkturdaten betrifft, doch gleichzeitig ist allen klar, dass Wechselkursbewegungen von mehr beeinflusst werden als nur von makroökonomischen Berichten. Meiner Ansicht nach hat sich in dieser Woche die Wahrscheinlichkeit einer US-Militäraktion im Iran deutlich erhöht. Gestern endete eine weitere Verhandlungsrunde zwischen Teheran und Washington ergebnislos. Wie die Medien berichteten, liegen die Positionen der beiden Mächte so weit auseinander wie ein Auto und ein Hubschrauber. Doch selbst dieses bedeutende geopolitische Ereignis hat die Händler nicht zu einer aktiveren Handelsweise bewegt.

Zur Erinnerung: Der Kurs ist zum zweiten Mal in die bullische Imbalance-Zone 12 eingetreten, was Hoffnung auf eine zweite Reaktion und eine Wiederaufnahme des Aufwärtstrends weckt. Welche Schlussfolgerung lässt sich jedoch aus den vergangenen sieben Tagen ziehen, wenn der Kurs die ganze Zeit innerhalb der Imbalance geblieben ist, ohne Anzeichen dafür zu zeigen, weder ein Kaufsignal zu bilden noch die Imbalance selbst zu invalidieren? Damit bleibt EUR/USD in einem Schwebezustand. Wird die Imbalance letztlich invalidiert, übernehmen die Bären vorübergehend die Offensive, doch der übergeordnete Aufwärtstrend bliebe intakt. Kommt es hingegen zu einer Reaktion aus der Imbalance 12, dürfte die Aufwärtsbewegung wieder aufgenommen werden – was unter den aktuellen Umständen meines Erachtens das logischste Szenario ist.
Die jüngste bullische Imbalance 12 hätte bereits mehrfach invalidiert werden können. Da aber bislang keine Reaktion auf dieses Muster erfolgte, gab es keinen Anlass, neue Long-Positionen zu eröffnen. Grundsätzlich bleibt das Szenario eines Liquidity-Grabs unterhalb des Tiefs vom 6. Februar möglich, doch selbst dieses Szenario ist derzeit äußerst zweifelhaft. Liquidity-Grabs laufen typischerweise scharf und schnell ab, während wir nun schon seit sieben Tagen eine Seitwärtsrange beobachten.
Die Chartstruktur signalisiert weiterhin eine Dominanz der Bullen. Der Aufwärtstrend ist nach wie vor intakt. Aktuell steht das Währungspaar zwar kurz davor, das bullische Szenario für eine Weile zurückzustellen, doch eine Invalidation der Imbalance 12 ist bislang nicht erfolgt. In jedem Fall gibt es keine bärischen Muster, von denen aus Trader Short-Positionen eröffnen könnten. Und wie bereits erwähnt: Der Trend ist bullisch. Daher erscheint Kaufen nach wie vor sinnvoller als Verkaufen.
Das Nachrichtenumfeld am Freitag war äußerst schwach – sowohl in den Schlagzeilen als auch inhaltlich. Die Arbeitslosenquote in Deutschland lag im Januar bei 6,3 % und entsprach damit den Erwartungen. Die Zahl der Arbeitslosen stieg um 1.000 gegenüber einer Prognose von +2.000. Die Inflation in Deutschland verlangsamte sich auf 1,9 %, während Trader mit einem etwas höheren Wert gerechnet hatten. Wie bereits angemerkt, fanden diese Veröffentlichungen – wie alle vorherigen in dieser Woche – jedoch kaum Beachtung bei den Marktteilnehmern.
Die Bullen hatten in den vergangenen sechs bis sieben Monaten reichlich Gründe für einen erneuten Vorstoß, und ihre Zahl nimmt von Woche zu Woche nicht ab. Dazu zählen der in jedem Fall dovishe Ausblick des Federal Open Market Committee (FOMC) für die Geldpolitik, die generelle Politik von Donald Trump (die sich zuletzt nicht geändert hat), die Konfrontation zwischen den USA und China (in der lediglich ein vorübergehender Waffenstillstand erreicht wurde), Proteste amerikanischer Bürger gegen Trump unter dem Motto „No Kings“, Schwäche am Arbeitsmarkt, der Regierungsstillstand im Herbst (der anderthalb Monate andauerte), der Shutdown im Februar, die militärische Aggression der USA gegenüber bestimmten Staaten, die Strafverfahren gegen Powell, die „Greenland confusion“ sowie die sich verschlechternden Beziehungen zu Kanada und Südkorea. Daher wäre ein weiterer Anstieg des Währungspaares aus meiner Sicht völlig schlüssig.
Ich glaube weiterhin nicht an einen bärischen Trend. Das Informationsumfeld bleibt äußerst schwierig zugunsten des Dollars zu interpretieren, und ich versuche das auch nicht. Die blaue Linie markiert das Kursniveau, unterhalb dessen der Aufwärtstrend als abgeschlossen gelten kann. Die Bären müssten den Kurs etwa 280 Punkte nach unten drücken, um dieses Niveau zu erreichen – angesichts des aktuellen Nachrichtenumfelds und der Chartstruktur, in der kein einziges bärisches Muster vorhanden ist, erscheint dies nach wie vor eine sehr anspruchsvolle Aufgabe. Das nächstliegende Aufwärtsziel für den Euro war die bärische Imbalance bei 1,1976–1,2092 im Wochenchart, die im Juni 2021 entstanden ist. Dieses Muster wurde inzwischen vollständig gefüllt. Darüber lassen sich zwei Levels ausmachen: 1,2348 und 1,2564. Diese Marken stellen zwei Hochs im Monatschart dar.
Nachrichtenkalender für die USA und die Europäische Union:
- Europäische Union – Veränderung der deutschen Einzelhandelsumsätze (07:00 UTC).
- Vereinigte Staaten – ISM Manufacturing PMI (15:00 UTC).
Am 2. März umfasst der Wirtschaftskalender zwei Termine, von denen lediglich der ISM-Index von Bedeutung ist. Der Einfluss des Nachrichtenumfelds auf die Marktstimmung könnte sich am Montag in der zweiten Tageshälfte bemerkbar machen.
EUR/USD Prognose und Trading-Empfehlungen:
Meiner Einschätzung nach befindet sich das Paar weiterhin in der Aufbauphase eines Aufwärtstrends. Obwohl das Informationsumfeld die Bullen weiterhin unterstützt, haben die Bären in den vergangenen Monaten regelmäßig Angriffe gestartet. Dennoch sehe ich keine realistischen Gründe für den Beginn eines bärischen Trends.
Aus den Imbalances 1, 2, 4, 5, 3, 8 und 9 boten sich Tradern Kaufgelegenheiten im Euro. In allen Fällen kam es zu einem gewissen Anstieg, und der Aufwärtstrend ist bestehen geblieben. In den vergangenen Wochen entsprach die Bewegung zwar nicht unbedingt den Wunschvorstellungen, doch über einen Liquidity-Grab innerhalb der Imbalance 12 könnte sich weiterhin ein bullisches Signal mit erneuter Aufwärtsbewegung ausbilden.