Das Währungspaar Euro/US-Dollar hat heute erneut den Bereich von 1,15 getestet, nachdem es sich gestern korrigierend bis auf 1,1655 erholt hatte. Wie erwartet konnten die EUR/USD-Käufer ihre Positionen gegenüber einem insgesamt festeren US-Dollar nicht behaupten. Der US Dollar Index drückt erneut in Richtung der 99-Punkte-Marke, da sich die geopolitischen Risiken verschärfen. Der Konflikt im Nahen Osten spitzt sich weiter zu und dürfte, so scheint es, länger andauern als zunächst angenommen. Düstere Enthüllungen einflussreicher US-Medien schüren zusätzlich die Spannungen und halten die Nervosität an den Märkten hoch.

Politico berichtet zum Beispiel, dass der Krieg im Nahen Osten bis in den Herbst andauern könnte. Dem Portal zufolge hat CENTCOM beim Pentagon zusätzliche Geheimdienstmitarbeiter angefordert, um die Militäroperation für mindestens 100 Tage zu unterstützen. Journalisten schließen daraus naheliegenderweise, dass der Einsatz deutlich länger dauern könnte als das zunächst von Donald Trump genannte Vier?Wochen?Fenster. Der Bericht legt zudem nahe, dass das Weiße Haus die weitreichenden Folgen des von ihm begonnenen Krieges nicht vollständig abgesehen hat.
Währenddessen beschleunigt sich die Eskalation weiter, und die geographische Ausdehnung des Konflikts nimmt zu. Gestern hat ein US?U?Boot im Indischen Ozean vor Sri Lanka eine iranische Fregatte versenkt – das erste Mal seit dem Zweiten Weltkrieg, dass ein US?U?Boot ein feindliches Schiff versenkt hat. Israel hat eine Bodenoffensive im Süden des Libanon begonnen und fliegt gleichzeitig massive Luftangriffe auf Beirut.
Iran reagiert mit Angriffen auf Israel, auf US?Militärbasen und auf regionale Ölinfrastruktur. Teheran hat außerdem gezielte Drohnenangriffe auf einige Tanker durchgeführt (bisher wurden zwei getroffene Schiffe gemeldet). Die iranischen Behörden haben damit gedroht, den Nuklearreaktor in Dimona in die Luft zu sprengen, falls Israel versuchen sollte, das Regime im Iran zu stürzen.
Kurz gesagt: Der Konflikt im Nahen Osten flaut nicht ab, er verschärft sich. Vor dem Hintergrund der jüngsten Ereignisse wirkt der Politico?Bericht über einen langen Krieg plausibel – zumal keine der Parteien (die USA, Israel oder Iran) bislang erkennbar bereit ist, öffentlich auf Diplomatie zu setzen. Führende Politiker geben weiterhin kämpferische Erklärungen ab, die auf eine Fortsetzung der Feindseligkeiten hindeuten.
Profiteur der Lage ist der „sichere Hafen“ US?Dollar – und das nicht nur wegen einer steigenden Risikoaversion. Ein kräftiger Anstieg der Energiepreise schürt Inflationserwartungen und dämpft die Hoffnung auf eine taubenhaft ausgerichtete Fed. Während die Märkte zu Beginn des Jahres eine Zinssenkung auf der Fed?Sitzung im März noch für möglich hielten, ist die Aussicht auf Senkungen im Juni inzwischen sehr unsicher geworden. Laut dem CME FedWatch Tool gehen die Märkte mittlerweile fast zu 100 % davon aus, dass die Fed ihre Politik auf den Frühjahrssitzungen unverändert lässt. Die Wahrscheinlichkeit, dass diese Pause bis in den Juni anhält, liegt bei rund 70 %. Noch vor zwei Wochen hatten Händler stattdessen eine 70%ige Chance auf eine Zinssenkung eingepreist.
Mit anderen Worten: Der Dollar hat gewissermaßen den Jackpot geknackt, da er sowohl von einer anhaltenden Nachfrage als „Defensiv?Asset“ als auch von schwindenden Erwartungen an eine lockere Geldpolitik profitiert. Zusätzlich liefern die in dieser Woche veröffentlichten US?ISM?Daten dem Greenback weiteren Rückenwind.
Der ISM?Index für das verarbeitende Gewerbe blieb im Februar mit 52,4 in der Expansionszone und damit praktisch unverändert gegenüber 52,6 im Januar. Gleichzeitig sprang der Preisunterindex auf 70,5 – den höchsten Stand seit Juni 2022 – und signalisiert damit einen deutlichen Anstieg des Inflationsdrucks parallel zur Beschleunigung des PPI (Headline und Kernrate).
Der gestrige ISM?Bericht für den Dienstleistungssektor rundete das Bild ab. Der ISM?Index für die Dienstleistungsaktivität kletterte im Februar ebenfalls in den Expansionsbereich und stieg auf 56,1 – den höchsten Wert seit Juli 2022 –, während die meisten Analysten mit einem leichten Rückgang auf etwa 53,5 gerechnet hatten.
Fast alle Subindizes lagen im grünen Bereich: Der Indikator für die Geschäftsaktivität stieg auf 59,9 (von 57,4), die neuen Aufträge auf 58,6 (was auf eine weitere Ausweitung des Gesamtindex hindeutet), die Beschäftigung auf 51,8 (ein unerwarteter Sprung in den Expansionsbereich) und die Exportaufträge auf 57,2 (ein explosionsartiger Anstieg von 45,0). Der Preisunterindex lag bei 63,0 und damit über der 60?Punkte?Schwelle. Zusammen mit den steigenden Ölpreisen schafft diese Kombination das Risiko einer zweiten Inflationswelle in den USA.
All dies deutet darauf hin, dass sich der Dienstleistungssektor – der rund 70 % der US?Wirtschaft ausmacht – rasch beschleunigt. Sollten die Nonfarm Payrolls die Erwartungen morgen ebenfalls übertreffen, dürfte der Dollar den Jackpot erneut knacken und breite Unterstützung am Markt erhalten.
Vor diesem Hintergrund spricht das aktuelle fundamentale Umfeld für EUR/USD nicht für eine Trendumkehr; korrigierende Aufwärtsbewegungen sind weiterhin eher als Gelegenheit zu betrachten, neue Short?Positionen zu eröffnen. Die Kursziele bleiben unverändert: 1,1600 und 1,1550 (die Unterkante der Bollinger Bands im H4?Chart).