Das Währungspaar EUR/USD steht erneut an einem Scheideweg, und es scheint, als hätten sich die Trader bereits entschieden. In dieser Woche reagierte der Kurs auf das jüngste bärische Ungleichgewicht 11. Die Reaktion war zwar präzise, jedoch unsicher und schwach – dennoch war es eine Reaktion. Damit wurde ein Verkaufssignal generiert. Selbst nach zwei kurzen Aufwärtsbewegungen von niedrigeren Niveaus fällt der Euro nun bereits den vierten Tag in Folge. Hauptgrund ist selbstverständlich die Geopolitik. Wäre die Lage im Nahen Osten nicht so abrupt eskaliert, hätten wir höchstwahrscheinlich eine Fortsetzung des Aufwärtstrends gesehen. Zur Erinnerung: Abgesehen von der Geopolitik gibt es keine besonders starken Gründe für eine Aufwertung der US-Währung. Doch allein die geopolitische Situation reicht völlig aus, damit Trader in großem Stil den Dollar kaufen.

Meiner Meinung ist es ohne eine neue Eskalation des Konflikts im Nahen Osten schwierig, dass der Dollar seinen Anstieg fortsetzt und dass die Bären ihre Offensive weiter vorantreiben. Die letzten Tage haben jedoch gezeigt, dass Händler mit der aktuellen Lage durchaus zufrieden sind und den Dollar weiterhin ohne Zögern kaufen. Die Situation im Nahen Osten eskaliert zwar nicht weiter, verbessert sich aber ganz sicher auch nicht. In dieser Woche wurde bekannt, dass der Iran sechs Tanker im Persischen Golf festgesetzt hat und damit seine Absicht bekräftigt, die Passage durch die Straße von Hormus so lange zu blockieren, wie er es für nötig hält. Natürlich könnte Donald Trump jetzt neue Angriffe auf den Iran starten, aber was würde das ändern? Amerikanische Raketen könnten den neuen Führer des Iran ausschalten, aber schon am nächsten Tag würde vermutlich jemand mit denselben antiamerikanischen Ansichten seinen Platz einnehmen.
In der vergangenen Woche wurde ein bärischer Imbalance 11 ausgebildet, und in dieser Woche wurde er abgearbeitet. Das Verkaufssignal entstand recht schnell unter dem Druck des geopolitischen Hintergrunds. Jetzt können die Bullen nur noch auf neue Liquidity Grabs aus den letzten drei Tiefs hoffen: 1,1508, 1,1470 und 1,1392. Doch wenn sich die geopolitische Lage nicht verbessert, könnte selbst das die Bullen nicht retten.
Das Chartbild signalisiert vorerst weiterhin eine Dominanz der Bullen. Der Aufwärtstrend ist technisch noch intakt, doch derzeit fehlt den Käufern die ausreichende Begründung für einen neuen Vorstoß. Damit der Euro wieder steigen kann, muss der Krieg im Iran abzuflauen beginnen und die Preise für Öl und Gas müssen nachgeben. Um neue Long-Positionen zu eröffnen, brauchen Trader entweder neue bullische Formationen oder zumindest einen Liquidity Grab der letzten drei bärischen Swings.
Der Nachrichtenhintergrund am Freitag hat nahezu jeden unterstützt – nur nicht den Dollar. Die US-Wirtschaft ist im vierten Quartal nicht um 1,4 %, sondern lediglich um 0,7 % gewachsen, und die dritte (endgültige) Schätzung könnte noch niedriger ausfallen. Der Anstieg der Auftragseingänge für langlebige Güter lag bei 0 %, während der Markt ein deutlich besseres Ergebnis erwartet hatte. Schon diese beiden Berichte allein hätten ausreichen sollen, um einen Rückgang des Dollars auszulösen. Doch die Bären setzen ihre Angriffe fort und ignorieren alles – mit Ausnahme der Geopolitik.
In den vergangenen Monaten hatten die Bullen reichlich Gründe für Angriffe, und selbst der Beginn des Krieges im Nahen Osten hat deren Zahl nicht verringert. Strukturell und im großen Bild hat sich die Politik von Donald Trump, die im vergangenen Jahr zu einem starken Rückgang des Dollars geführt hat, nicht verändert. Kurzfristig kann die US‑Währung aufgrund einer Flucht der Anleger aus Risikoanlagen steigen, aber dieser Faktor kann sie nicht dauerhaft stützen.
Gleichzeitig sind der dovishe Ausblick für die Geldpolitik des Federal Open Market Committee, Trumps Handelskrieg mit einem Großteil der Welt, die Schwäche des US-Arbeitsmarktes, zwei Government Shutdowns, die militärische Aggression der USA, das Strafverfahren gegen Jerome Powell, das nachlassende BIP‑Wachstum und andere für die Vereinigten Staaten ungünstige Entwicklungen durch den Konflikt mit dem Iran nicht einfach verschwunden.
Ich glaube weiterhin nicht an einen langfristigen Abwärtstrend. Der Dollar hat vom Markt eine vorübergehende Unterstützung erhalten, doch es ist alles andere als sicher, dass diese Situation lange anhält. Allerdings ist der Aufwärtstrend gebrochen, und das muss man anerkennen – auch wenn es bedauerlich ist. Es besteht nach wie vor eine Chance auf einen Liquidity Grab und eine Trendfortsetzung, doch die Geopolitik lastet weiterhin schwer auf dem Währungspaar EUR/USD und drückt es nach unten.
Wirtschaftskalender für die Vereinigten Staaten und die Eurozone
Vereinigte Staaten
- Veränderung der Industrieproduktion – 13:15 UTC
Am 16. März enthält der Wirtschaftskalender nur einen vergleichsweise unbedeutenden Termin, aber der Markt ignoriert derzeit die meisten Veröffentlichungen. Der Einfluss des Nachrichtenhintergrunds auf die Marktstimmung dürfte am Montag erneut äußerst schwach sein.
EUR/USD-Prognose und Händlerempfehlungen
Meiner Einschätzung nach befindet sich das Währungspaar nach wie vor im Prozess der Ausbildung eines Aufwärtstrends. Der Informationshintergrund hat sich vor zwei Wochen abrupt gedreht, doch der Trend selbst besteht weiterhin. Daher benötigen Trader nun neue Formationen und Signale, um kurzfristige Prognosen zu erstellen.
Sollten diese Signale bärisch sein (was wahrscheinlicher ist), ist es wichtig, sich vor Augen zu halten, dass der übergeordnete Trend weiterhin bullisch ist und der geopolitische Faktor in der Regel keinen langfristigen Einfluss hat.
Sollten bullische Signale auftreten (was deutlich vorzuziehen wäre), erhalten Trader die Möglichkeit, neue Kaufpositionen zu eröffnen, die mit dem Trend im Einklang stehen.
In dieser Woche wurde ein Verkaufssignal generiert, doch abzuschätzen, wie lange die Geopolitik die Bären noch unterstützen wird, ist nahezu unmöglich.