
Die Aktienmärkte in ganz Asien sind am Donnerstag eingebrochen, nachdem es gleichzeitig zu einer Zunahme der Angriffe auf Energieanlagen im Persischen Golf und zu Aussagen zweier großer Zentralbanken gekommen war, die zusicherten, die Leitzinsen unverändert zu lassen.
Diese Ereignisse trieben den Ölpreis auf neue Höchststände und verstärkten die Unsicherheit für Trader, die Versorgungs- und Risikofragen gegen die Signale der US‑amerikanischen und japanischen Geldpolitik abwägen müssen.
Brent-Rohöl stieg im Morgenhandel laut Economic Times über 112 US‑Dollar je Barrel, nachdem es rund um den Golf zu einer Reihe von Angriffen auf Energieanlagen gekommen war.
Israel und Iran gaben sich gegenseitig die Schuld: Iran erklärte, Israel habe das Gasfeld South Pars angegriffen und im Gegenzug offenbar Raketen in Richtung Katar und Saudi-Arabien abgefeuert.
Teheran erklärte Energieinfrastruktur im gesamten Golf zu legitimen Zielen, und das staatliche Energieunternehmen Katars meldete erhebliche Schäden in der Industriestadt Ras Laffan – einem der weltweit größten LNG‑Verarbeitungsstandorte.
Der Haupttreiber für die höheren Preise ist die Störung der Schifffahrt durch die Straße von Hormus, über die rund ein Fünftel der weltweiten Ölströme abgewickelt wird.
Die Zahl der kommerziellen Schiffspassagen ist von durchschnittlich etwa 138 Durchfahrten pro Tag vor Ausbruch des Konflikts am 28. Februar auf nahezu null gefallen, berichtet Newsweek unter Berufung auf das von den USA betriebene Joint Maritime Information Centre.
Die Internationale Energieagentur bezeichnete die aktuelle Krise als die größte Unterbrechung der Ölversorgung, die jemals verzeichnet wurde, und prognostiziert, dass das weltweite Angebot im März um etwa 8 Millionen Barrel pro Tag sinken könnte.
Reaktion der Zentralbanken
Die US‑Notenbank Federal Reserve beließ am Mittwoch den Leitzins in einer 11:1‑Abstimmung bei 3,50 %–3,75 % und legte damit die zweite Pause im Jahr 2026 ein.
Chair Jerome Powell räumte ein, dass sich die Fed in einer „schwierigen Lage“ befinde, da sie inflationsbedingten Druck – verstärkt durch den Iran‑Konflikt und Zölle – gegen einen sich abkühlenden Arbeitsmarkt abwägen müsse.
Aktualisierte Prognosen der Fed sehen weiterhin eine Zinssenkung in diesem Jahr vor, doch Powell warnte, dass bei ausbleibenden Fortschritten bei der Inflation „keine Zinssenkungen“ zu erwarten seien.
Es gab eine Gegenstimme: Fed-Gouverneur Steven Miran, von Präsident Trump ernannt, stimmte für eine Senkung um 25 Basispunkte und schloss sich damit Trumps öffentlichen Forderungen nach rascher Lockerung an.
Wenige Stunden später beließ die Bank of Japan ihren kurzfristigen Leitzins bei 0,75 % – dem höchsten Stand seit 1995. Eine Reuters‑Umfrage deutet nun darauf hin, dass die BOJ mit der nächsten Anhebung auf 1 % bis Ende Juni warten dürfte.
Marktbewegungen und Reaktion der Investoren
Der Nikkei 225 fiel im Vorfeld der BOJ‑Entscheidung um rund 2,4 %, und ein breiterer Aktienindex für die asiatisch-pazifische Region verlor mehr als 1,3 %. Chinas Shanghai Composite gab um 1,37 % nach.
Der Ausverkauf in Asien folgte auf Kursrückgänge an den US‑Börsen: S&P 500 und Nasdaq 100 verloren am Mittwoch jeweils rund 1,4 %.
Für Trader erhöht diese Kombination von Schocks – ein sprunghafter Anstieg des Brent-Preises und Unsicherheit bezüglich der Geldpolitik – die Volatilität an den Energie- und Finanzmärkten, treibt die Risikoaufschläge nach oben und verstärkt die Korrelationen zwischen Ölpreisen, Rohstoffwährungen und Energiewerten.
Wichtige Punkte für Trader
- Ölangebot: Ein Rückgang des Angebots um 8 Millionen Barrel pro Tag und ein faktischer Stillstand des Transits durch die Straße von Hormus erhöhen das Risiko weiterer Preisanstiege und starker Preisschwankungen erheblich.
- Geopolitisches Risiko: Irans Erklärung, Energieinfrastruktur sei ein legitimes Ziel, und die Schäden in Ras Laffan bedeuten, dass die Gefahr neuer Angriffe hoch bleibt.
- Geldpolitik: Die Fed-Pause in Verbindung mit der fortbestehenden Prognose einer einzigen Zinssenkung in diesem Jahr und Powells Warnung bedeutet, dass der geldpolitische Kurs von Inflations- und Arbeitsmarktdaten abhängt – Zinssenkungen sind nicht garantiert, falls sich die Rahmenbedingungen verschlechtern.
- Marktkorrelationen: Steigende Ölpreise können Unternehmensmargen unter Druck setzen und die Inflation anheizen, während sie zugleich die Währungen von Exportnationen und Rohstoffsektoren stützen; Technologiewerte bleiben anfällig für höhere Zinsen und steigende Risikoaufschläge.
- Wichtige kurzfristige Indikatoren: Bewegung und Terminstruktur (Spreads) bei Brent, Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus, Berichte über Schäden an der Infrastruktur (Ras Laffan, South Pars), Signale von Fed und BOJ sowie die Reaktion von S&P und Nasdaq auf weitere geopolitische Nachrichten.
Die Kombination aus physischen Angebotsstörungen und vorsichtigen Pausen der wichtigsten Zentralbanken hat zu einer Mischung aus erhöhter Unsicherheit und gesteigerter Volatilität geführt.
Trader und institutionelle Investoren müssen die Geopolitik im Persischen Golf und neue Signale von Fed und BOJ parallel beobachten – diese Faktoren werden die Entwicklung der Vermögenspreise und die Volatilität in der nahen Zukunft maßgeblich bestimmen. Jerome Powell bleibt an der Spitze der Fed, bis ein Nachfolger ernannt wird; dies ist seine vorletzte Sitzung als Chairman.