Nach einem leichten Anstieg ist es dem Währungspaar EUR/USD erneut nicht gelungen, seine Aufwärtsbewegung fortzusetzen. Dieses Mal wurden die Bullen durch die Sitzung der Federal Reserve, die erneute Eskalation im Nahen Osten und ein bärisches Ungleichgewicht (12) ausgebremst. Gestern reagierte der Kurs auf dieses Muster, die Ergebnisse der Fed-Sitzung unterstützten die Bären, und neue Angriffe auf die Ölinfrastruktur im Nahen Osten könnten die Nachfrage der Trader nach sicheren Währungen und Anlagen erneut erhöhen. Es scheint, als spräche wieder einmal alles für den US‑Dollar, so wie in den vergangenen Monaten. Meiner Ansicht nach bleibt die Situation jedoch uneindeutig. Geopolitik ist ein sehr komplexer Faktor, der seine stützende Wirkung jederzeit verlieren kann. Weltweit kommt es ständig zu Konflikten, doch die Währungspaare werden die meiste Zeit nicht von der Geopolitik getrieben. Wenn man den Faktor des Krieges im Iran ausklammert, bin ich fast sicher, dass die aktuelle Stärkung des US‑Dollars nicht stattgefunden hätte.

Gestern ist ein neues Verkaufssignal entstanden, das – vor dem Hintergrund des Bruchs des Aufwärtstrends – den Euro deutlich unter die Marke von 1,1400 drücken könnte. An dieses Szenario kann ich jedoch nur glauben, wenn die Geopolitik weiterhin massiv die Bären unterstützt. Wie ich bereits erwähnt habe, würde dies nicht nur eine anhaltend angespannte Lage im Nahen Osten erfordern, sondern eine weitere Eskalation. Die Ölpreise müssten weiter steigen, mehr Länder müssten in den Konflikt hineingezogen werden, und die Volkswirtschaften der entwickelten Länder müssten spürbar leiden. Zudem müsste sich der Konflikt über viele Monate hinziehen. Zuvor hatte ich gesagt, dass es keine klaren Voraussetzungen für ein solches Szenario gebe, doch aus dem Nahen Osten kommen weiterhin negative Nachrichten, die Ölpreise steigen weiter, und die Länder beginnen, auf strategische Öl- und Gasreserven zurückzugreifen. Daher ist ein anhaltender Rückgang des EUR/USD-Paares inzwischen kein unwahrscheinliches Szenario mehr.
Derzeit gibt es keine neuen Formationen für das Eröffnen von Positionen. Daher sollten Händler mit Short-Positionen die Marktstimmung und die Reaktionen auf Ereignisse genau beobachten. Wenn die Bären aus irgendeinem Grund aufhören, den Markt trotz günstiger Rahmenbedingungen nach unten zu drücken, wäre dies ein Hinweis darauf, dass der Einfluss der Geopolitik nachlässt. In diesem Fall könnten die Bullen die Initiative übernehmen, das bärische Ungleichgewicht (12) würde hinfällig, und ich würde den Aufwärtstrend weiterhin als intakt betrachten.
Die Chartstruktur zeigt nach wie vor eine Dominanz der Bullen. Der Aufwärtstrend ist technisch noch intakt, doch die Bullen befinden sich angesichts des sich rasant wandelnden Nachrichtenflusses momentan in einer schwierigen Lage. Um neue Long-Positionen zu eröffnen, werden neue bullische Formationen benötigt oder zumindest ein Liquidity Sweep der letzten beiden bärischen Swings. Ein Liquidity Sweep ist allerdings kein eigenständiges Muster und kann nicht als direktes Handelssignal genutzt werden.
Am Donnerstag hätte der Nachrichtenhintergrund die Bullen unterstützen können, da auch die Europäische Zentralbank beschlossen hat, die Zinsen unverändert zu lassen, und ihre ernsthafte Besorgnis über einen möglichen – und tatsächlich sehr wahrscheinlichen – Anstieg der Verbraucherpreise geäußert hat. Da die EZB-Zinsen bereits auf einem sehr niedrigen Niveau liegen und die Inflation wieder steigen könnte, hält der europäische Währungshüter Zinserhöhungen im Jahr 2026 für möglich. Der Euro hat diesen bullischen Faktor heute jedoch ignoriert. Die Bären behalten die volle Kontrolle über den Markt.
Es gibt nach wie vor viele Gründe für ein Handeln der Bullen, und selbst der Ausbruch des Krieges im Nahen Osten hat diese nicht beseitigt. Strukturell und in der Gesamtbetrachtung hat sich an Trumps Politik – die im vergangenen Jahr zu einer deutlichen Schwächung des Dollars geführt hat – nichts geändert. Kurzfristig kann der US-Dollar aufgrund einer Flucht der Anleger aus Risikoanlagen zulegen, doch dieser Faktor kann ihn nicht dauerhaft stützen. Weitere starke stützende Faktoren für die US‑Währung sind nicht erkennbar.
Ich glaube weiterhin nicht an einen nachhaltigen Abwärtstrend. Der Dollar hat vom Markt vorübergehende Unterstützung erhalten, doch es ist unklar, wie lange diese Situation anhält. Der Aufwärtstrend ist jedoch gebrochen, und das muss man anerkennen. Es besteht weiterhin die Chance auf einen Liquidity Sweep und eine Wiederaufnahme des Trends, doch die Geopolitik lastet unverändert schwer auf dem EUR/USD‑Paar.
Wirtschaftskalender für die USA und die Eurozone:
- Deutschland – Erzeugerpreisindex (07:00 UTC)
Am 20. März steht im Wirtschaftskalender nur ein unbedeutender Termin. Der Nachrichtenhintergrund dürfte die Marktstimmung am Freitag kaum beeinflussen.
EUR/USD-Prognose und Handelsempfehlungen:
Aus meiner Sicht befindet sich das Paar weiterhin in der Ausbildung eines Aufwärtstrends. Der Nachrichtenhintergrund hat sich vor zwei Wochen schlagartig gedreht, doch der Trend kann noch nicht als vollständig aufgehoben oder beendet gelten. Daher benötigen Händler neue Muster und Signale, um kurzfristige Prognosen erstellen zu können.
Im Moment könnten die Bären ein Signal aus dem Ungleichgewicht (12) erhalten, und da der Aufwärtstrend kurz vor dem Bruch steht, sollte dieses Signal ernst genommen werden. Die Bullen können derweil nur auf einen Liquidity Sweep unterhalb der Tiefs bei 1,1470 und 1,1392, die Aufhebung des Ungleichgewichts (12) sowie die anschließende Ausbildung bullischer Muster und neuer Kaufsignale hoffen.