
Die Wellenstruktur im 4‑Stunden‑Chart für EUR/USD hat sich verändert. Vom Abbruch des seit Januar vergangenen Jahres laufenden Aufwärtstrendsegments (unterer Chart) kann zwar weiterhin keine Rede sein, doch die Wellenstruktur selbst wirkt derzeit recht uneindeutig. In solchen Situationen empfehle ich immer, auf einen niedrigeren Zeitrahmen (oberer Chart) zu wechseln und sich auf die einfachsten, kleineren Wellenstrukturen zu konzentrieren, um eine kurzfristige Prognose zu erstellen – was in der Regel für das Eröffnen von Positionen ausreicht. Wellenmuster können sehr komplex sein und mehrere Szenarien zulassen. Der einfachste Ansatz besteht darin, die standardmäßigen „Fünf-Drei“-Strukturen zu handeln.
Im obigen Chart lässt sich eine klassische fünfwellig-impulsive Struktur mit einer verlängerten dritten Welle erkennen. Wenn diese Interpretation korrekt ist, ist diese Struktur bereits abgeschlossen, und es ist nun mit der Ausbildung einer korrektiven Abfolge aus mindestens drei Wellen zu rechnen. Daher ist kurzfristig ein Anstieg der Notierungen des Instruments wahrscheinlich – allerdings im Rahmen einer Korrektur gegenüber dem jüngsten Trendsegment. Derzeit fügen sich die jüngsten Wellenformationen noch nicht gut in die übergeordnete Struktur ein, doch dies sollte sich mit der Zeit klären. In naher Zukunft könnte sich der Euro in Richtung 1,1666 und 1,1745 erholen.
Das Währungspaar EUR/USD ist am Mittwoch um 75 Basispunkte gestiegen und hat am Donnerstag weitere 20–30 Punkte hinzugewonnen. Insgesamt endete die Rally des Euro de facto bereits gestern, als klar wurde, dass die Waffenruhe innerhalb der ersten 24 Stunden gebrochen worden war. Derzeit ist schwer exakt zu bestimmen, wer sie verletzt hat. Tatsache ist jedoch: Israel, Iran, Libanon und andere Länder am Persischen Golf haben die Raketenangriffe wieder aufgenommen, und die Straße von Hormus ist erneut blockiert. Vor diesem Hintergrund haben die Ölpreise wieder zu steigen begonnen, und der Rückgang des Dollars kam abrupt zum Stillstand. Meiner Ansicht nach hofft der Markt zwar auf Frieden, ist unter den aktuellen Bedingungen jedoch nicht bereit, in größerem Umfang zu kaufen oder zu verkaufen. Die Unsicherheit ist einfach zu groß.
Während es geopolitisch etwas ruhiger zuging, veröffentlichte die USA ihre endgültige Schätzung des BIP für das vierte Quartal. Diese zeigte, dass die amerikanische Wirtschaft nur um 0,5 % gewachsen ist, wobei jede nachfolgende Schätzung niedriger ausfiel als die vorherige. Wie schon in den vergangenen zwei Monaten hat der Markt diesen Bericht weitgehend ignoriert. Morgen werden in den USA außerdem die Inflationsdaten für März veröffentlicht, und das Ergebnis ist nicht schwer zu erahnen. Die Inflation wird mit hoher Wahrscheinlichkeit auf über 3 % steigen, doch auch dieser Bericht könnte von den Marktteilnehmern eher übergangen werden. Trader warten entweder auf weitere Fortschritte in Richtung Frieden im Nahen Osten oder auf den vollständigen Zusammenbruch der Waffenruhe. Abhängig davon, welches Szenario eintritt, wird sich das Instrument entsprechend weiterbewegen. Die korrektive a‑b‑c‑Wellenstruktur wirkt derzeit abgeschlossen.
Allgemeine Schlussfolgerungen
Auf Basis der Analyse komme ich zu dem Schluss, dass sich EUR/USD weiterhin in einem Aufwärtstrendsegment (unterer Chart) befindet, während es sich kurzfristig in einer korrektiven Struktur bewegt. Die korrektive Wellenabfolge erscheint abgeschlossen und könnte sich nur dann zu einer komplexeren und ausgedehnteren Formation weiterentwickeln, wenn eine stabile Waffenruhe zwischen Iran, den USA, Israel und allen anderen Ländern im Nahen Osten zustande kommt. Andernfalls gehe ich davon aus, dass sich von den aktuellen Niveaus aus eine neue abwärtsgerichtete Wellenabfolge bilden könnte.
Im unteren Zeitrahmen ist das gesamte Aufwärtstrendsegment sichtbar. Die Wellenstruktur ist nicht ganz standardisiert, da die Korrekturwellen in ihrer Größe variieren. So ist beispielsweise die größere Welle 2 kleiner als die interne Welle 2 innerhalb der Welle 3. Solche Abweichungen kommen jedoch vor. Wichtig ist, sich auf die Identifikation klarer und verständlicher Strukturen zu konzentrieren, anstatt jede einzelne Welle zwanghaft zu beschriften. Der Trend könnte sich in naher Zukunft umkehren.
Grundprinzipien meiner Analyse:
- Wellenstrukturen sollten einfach und klar sein. Komplexe Strukturen sind schwer zu handeln und ändern sich häufig.
- Wenn Sie sich über die Marktlage unsicher sind, ist es besser, an der Seitenlinie zu bleiben.
- Absolute Sicherheit über die Marktrichtung ist unmöglich – verwenden Sie daher immer Stop-Loss-Orders.
- Wellenanalyse lässt sich mit anderen Analysemethoden und Handelsstrategien kombinieren.
