
Mit Mitte April 2026 notiert der Goldmarkt weiterhin nahe seiner historischen Höchststände: Händler und Investoren bewerten nach wie vor die Auswirkungen der Konfrontation zwischen den USA und Iran auf Energiepreise, Inflation und den Wechselkurs des US-Dollars. Vor diesem Hintergrund haben UBS-Analysten ihren Optimismus für das Edelmetall verstärkt und verknüpfen weiteres Aufwärtspotenzial mit anhaltender geopolitischer Unsicherheit sowie der Erwartung eines moderateren Zinspfads.
In einem aktuellen Analysebericht bekräftigte der UBS-Rohstoffanalyst Giovanni Staunovo seine Prognose. Dem Institut zufolge könnte der Goldpreis bis Ende 2026 in einer Spanne von 5.900 bis 6.200 US-Dollar je Feinunze liegen, was einem Anstieg von rund 20 % gegenüber dem aktuellen Niveau entsprechen würde.
Am Mittwoch wurde Gold nach einem kurzen Anstieg auf ein Monatshoch von 4.895 US-Dollar je Feinunze bei rund 4.839 US-Dollar gehandelt; anschließend gaben die Preise wieder nach. Grund dafür war eine neue Welle der Nachfrage nach risikoreicheren Anlagen sowie die Erwartung einer möglichen Wiederaufnahme von Friedensgesprächen zwischen den USA und Iran.
UBS hebt insbesondere hervor, dass die Entwicklung seit Beginn der US‑iranischen Militäroperation am 28. Februar weniger günstig verlaufen ist als erwartet: Gold konnte den Widerstand bei 5.200 US-Dollar nicht nachhaltig überwinden. Zum Vergleich erinnert die Bank an das vergangene Jahr, als der Anstieg 65 % betrug.
Auch wenn das Interesse an Absicherung weiterhin besteht, identifiziert UBS steigende Ölpreise als begrenzenden Faktor. Hohe Ölpreise verschärfen Inflationssorgen und stützen den US-Dollar, wodurch die Attraktivität von Gold als nicht verzinslichem Anlagegut sinkt.
Zugleich betont die Bank, dass Gold nicht nur auf unmittelbare Kampfhandlungen reagiert, sondern vor allem auf die breiteren wirtschaftlichen Folgen des Konflikts – Währungsabwertung, Haushaltsdefizite und ein nachlassendes Wachstum.
Der Leitzins steht im Zentrum der UBS-Prognosen: Die Bank rechnet bis September mit zwei Zinssenkungen um jeweils 25 Basispunkte. Nach der Logik von UBS dürfte dies zu einer Abschwächung des US-Dollars und zu sinkenden Realrenditen führen – ein „Rückenwind“ für Gold.
Der Optimismus von UBS deckt sich mit den Maßnahmen anderer großer Akteure. Die Privatbank HSBC berichtete von einer Umstrukturierung ihrer Portfolios: Sie hat insbesondere ihre Bestände an indischen Aktien reduziert und die Engagements in Gold, Kasse und Hedgefonds erhöht. Begründet wird dieser Schritt mit Risiken im Zusammenhang mit dem Krieg im Iran und hohen Ölpreisen (laut Bloomberg).
Patrick Ho, Chief Investment Officer für Nordasien bei HSBC Private Banking, bezeichnete Indien als den „verwundbarsten“ Schwellenmarkt in Asien, da das Land besonders sensibel auf Energiekosten reagiert.

Zuvor war das Research-Team von HSBC davon ausgegangen, dass der Goldpreis in der ersten Hälfte des Jahres 2026 aufgrund geopolitischer Risiken und Sorgen über Staatsverschuldung auf 5.000 US‑Dollar je Unze steigen würde. Die Bank warnte jedoch vor einer wahrscheinlichen Korrektur in der zweiten Jahreshälfte, falls sich die Spannungen zu lösen beginnen.
Die Stimmung am Markt wird weiterhin von den fragilen Interaktionen rund um die USA und den Iran bestimmt. Nach dem Abbruch der Friedensgespräche am 12. April legte der Dollar zu, und der Ölpreis stieg auf über 100 US‑Dollar je Barrel – vor dem Hintergrund der Vorbereitungen der US Navy auf eine mögliche Blockade der Straße von Hormus. Am selben Tag fiel der Spotpreis für Gold auf rund 4.717 US‑Dollar je Unze – den niedrigsten Stand seit dem 7. April. Der Rückgang als Reaktion auf Nachrichten aus der Diplomatie bestätigte, wie schnell Trader auf Veränderungen im Nachrichtenumfeld reagieren.
Giovanni Staunovo wies darauf hin, dass die anhaltenden Spannungen rund um den Iran und die Risiken in der Straße von Hormus die Preise nach oben treiben und die Volatilität an den Rohstoffmärkten, insbesondere am Ölmarkt, erhöhen. Selbst spätere Einigungen werden nach Einschätzung von UBS die grundlegenden Gründe für den Anstieg des Goldpreises nicht beseitigen.
Was das jetzt für den Markt bedeutet
Für Trader werden in den kommenden Wochen vor allem folgende Faktoren im Mittelpunkt stehen: die Entwicklung des Dollars und der Realzinsen (im Vorfeld der Entscheidungen der Fed), das Verhalten des Ölmarkts (als Indikator für Inflationsrisiken) sowie das Tempo der Veränderungen in der geopolitischen Agenda rund um den Iran und die Straße von Hormus. Unter diesen Bedingungen bleibt die von UBS genannte Spanne (5.900–6.200 US‑Dollar bis Ende 2026) ein zentraler Referenzwert für Goldhandelsstrategien.