
Die Wellenstruktur im 4-Stunden-Chart für EUR/USD hat sich verändert. Vom Abbruch des seit Januar letzten Jahres bestehenden Aufwärtstrendsegments (unterer Chart) kann zwar noch keine Rede sein, aber die Struktur wirkt nunmehr uneindeutig. In solchen Situationen ist es sinnvoll, auf einen niedrigeren Zeitrahmen (oberer Chart) zu wechseln und einfachere, kleinere Wellenstrukturen zu analysieren, um kurzfristige Prognosen zu erstellen, die für das Eröffnen von Positionen ausreichen. Wellenstrukturen können sehr komplex sein und mehrere Szenarien zulassen. Der einfachste Ansatz besteht darin, standardmäßige „Fünf-Drei“-Muster zu handeln.
Im obigen Chart lässt sich eine klassische fünfwellige Impulsstruktur mit einer erweiterten dritten Welle erkennen. Wenn diese Interpretation korrekt ist, ist die Struktur abgeschlossen, und es befindet sich nun eine korrektive Formation aus mindestens drei Wellen im Aufbau. Daher kann kurzfristig mit einem Kursanstieg gerechnet werden, allerdings nur im Rahmen einer Korrektur relativ zum vorherigen Trendsegment. Die jüngsten Wellenformationen passen bislang noch nicht vollständig zur übergeordneten Struktur, doch dies sollte sich mit der Zeit klären. Die Erholung des Euro könnte im Bereich von 1,1824 enden.
Das Währungspaar EUR/USD legte am Freitag um 35 Punkte zu. Im Tagesverlauf gab es keine wichtigen Nachrichten, und erst am Abend kündigte das iranische Außenministerium die Wiedereröffnung der Straße von Hormus an. Dieses Thema wird in gesonderten Analysen noch ausführlicher behandelt, doch vorerst lässt sich die Marktreaktion beurteilen. Überraschenderweise fiel diese eher verhalten aus. Die Ölpreise brachen zunächst stark ein, ebenso wie die Nachfrage nach dem sicheren Hafen US-Dollar. Allerdings verlor der Dollar nur etwa 50 Punkte und erholte sich innerhalb weniger Stunden wieder. Unterdessen signalisiert die aktuelle Wellenstruktur weiterhin die Bildung von mindestens einer weiteren Abwärtswelle.
Können wir angesichts der Wiedereröffnung der Straße von Hormus in der nächsten Woche mit einer Dollar-Stärkung rechnen? Meiner Ansicht nach ja – und das aus folgenden Gründen.
In den vergangenen Wochen sind der Euro und das Pfund deutlich gestiegen. Dies zeigt, dass die Nachfrage nach dem Dollar zurückgegangen ist, was bedeutet, dass der Markt bereits ein Deeskalationsszenario eingepreist hat. Ein solches Szenario impliziert nicht nur eine (zumindest vorübergehende) Waffenruhe im Nahen Osten, sondern auch die Wiederöffnung von Hormus. Ich gebe zu, dass ich nicht damit gerechnet hatte, dass die Meerenge bereits am Freitagabend oder sogar schon in der nächsten Woche wieder geöffnet wird. Allerdings hatten zu Jahresbeginn auch nur wenige einen Konflikt mit Iran erwartet. Zudem hat die zweite Verhandlungsrunde zwischen Iran und den Vereinigten Staaten noch nicht stattgefunden, und es wurde kein Friedensabkommen unterzeichnet. Daher könnte die Wiederöffnung der Straße von Hormus nur vorübergehender Natur sein. Von einer endgültigen Beilegung des Konflikts kann erst gesprochen werden, wenn Washington und Teheran sich in allen Schlüsselfragen geeinigt haben.
Allgemeine Schlussfolgerungen
Auf Grundlage dieser EUR/USD-Analyse bewegt sich das Instrument weiterhin in einem Aufwärtstrendsegment (unterer Chart) und kurzfristig innerhalb einer korrektiven Struktur. Die korrektive Wellenformation wirkt weitgehend abgeschlossen und könnte nur dann deutlich länger und komplexer werden, wenn ein stabiler und langfristiger Waffenstillstand zwischen Iran, den Vereinigten Staaten, Israel und allen anderen Ländern im Nahen Osten zustande kommt. Andernfalls könnte sich von den aktuellen Niveaus aus eine neue abwärtsgerichtete Wellenfolge – oder zumindest eine Korrekturwelle – ausbilden.
Auf einem kleineren Zeitrahmen ist das gesamte Aufwärtstrendsegment sichtbar. Die Wellenstruktur ist nicht völlig typisch, da die Korrekturwellen in ihrer Größe variieren. So ist zum Beispiel die Welle 2 der höheren Ordnung kleiner als die interne Welle 2 innerhalb der Welle 3. Solche Konstellationen kommen jedoch vor. Im Allgemeinen ist es besser, sich auf klare und gut nachvollziehbare Strukturen zu konzentrieren, anstatt starr an jeder einzelnen Wellennummerierung festzuhalten. Der Trend könnte sich in naher Zukunft umkehren.
Grundprinzipien meiner Analyse
- Wellenstrukturen sollten einfach und klar sein. Komplexe Strukturen sind schwer handelbar und ändern sich häufig.
- Wenn keine ausreichende Sicherheit hinsichtlich der Marktlage besteht, ist es besser, außerhalb des Marktes zu bleiben.
- Es gibt niemals 100%ige Gewissheit über die Marktrichtung. Verwenden Sie immer Stop-Loss-Orders.
- Die Wellenanalyse kann mit anderen Analyseformen und Handelsstrategien kombiniert werden.
