
Am Freitag, kurz vor dem Wochenende, legte der Goldpreis (XAU/USD) zu, überschritt die Marke von 4.890 USD und stieg um mehr als 1,50 %, womit er sich der 50‑Tage-SMA näherte. Der Markt wurde durch Anzeichen einer Deeskalation der Spannungen zwischen den USA und Iran nach der Wiedereröffnung der Straße von Hormus gestützt, was den globalen Inflationsdruck verringerte. Gleichzeitig geriet der Energiesektor unter Druck: Die Preise für WTI-Rohöl fielen um mehr als 9 %, und der US-Dollar erreichte ein neues Sechs-Wochen-Tief.

Die Schwäche des Dollars verstärkte sich nach Aussagen aus dem Iran und fiel mit steigenden Erwartungen auf eine Entspannung der geopolitischen Spannungen zusammen. Die Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen ging ebenfalls zurück und erreichte mit einem Rückgang um 7 Basispunkte auf 4,246 % ihren niedrigsten Stand seit Mitte März.

Der Rückgang der Ölpreise stützt Gold und verstärkt die Erwartungen einer möglichen Fed-Lockerung im Jahr 2026.
Die Lage im Nahen Osten bleibt ein zentraler Treiber für die Marktteilnehmer, die auf jedes Signal einer möglichen Beilegung des Konflikts aktiv reagieren. Ein Nachrichtenimpuls war die auf X veröffentlichte Erklärung des iranischen Außenministers Abbas Araghchi, laut der die Straße von Hormus für den Rest der zehntägigen Waffenruhe zwischen Israel und Libanon für die Handelsschifffahrt offen ist, wie Reuters berichtete. Im Anschluss erklärte Donald Trump: „Der Iran hat gerade angekündigt, dass die iranische Meerenge vollständig offen und bereit für die Passage ist.“
Trotz der positiven Signale erklärte jedoch ein hochrangiger iranischer Beamter gegenüber Reuters, dass zwischen Teheran und Washington weiterhin ernsthafte Meinungsverschiedenheiten bestehen, unter anderem in Bezug auf das Atomprogramm. Er betonte, dass der fortgesetzte Betrieb der Straße von Hormus direkt von den Bedingungen einer möglichen Waffenruhe zwischen Iran und den USA abhänge.
Vor diesem Hintergrund setzte WTI-Rohöl seine Talfahrt fort. Der Rückgang der Energiepreise führte dazu, dass Marktteilnehmer laut Daten von LSEG Workspace bis zum Jahresende etwa 14 Basispunkte Fed-Lockerung einpreisten.
Vertreter der Federal Reserve zeigen unterschiedliche Herangehensweisen. Christopher Waller vertritt eine eher restriktive (hawkish) Position und erklärte, dass die Zinsen auf dem aktuellen Niveau bleiben sollten, falls sich Inflation und Lage am Arbeitsmarkt verschlechtern. Demgegenüber äußerte sich die Präsidentin der San Francisco Fed, Mary Daly, deutlich lockerer (dovish): Die aktuelle Geldpolitik sei „leicht restriktiv“, und der neutrale Zinssatz liege in der Nähe von 3 %. Sie hält eine Beibehaltung des aktuellen Niveaus für möglich, merkte jedoch an, dass ein Anstieg der Inflation eine Straffung erforderlich machen könnte, während eine rasche Lösung des Konflikts mit dem Iran Voraussetzungen für die Diskussion über Zinssenkungen schaffen würde.
Aus technischer Sicht ist es Gold nicht gelungen, die Marke von 4.900 US-Dollar oder den 50-Tage-SMA zu durchbrechen, und es bleibt in der bisherigen Handelsspanne. Die Oszillatoren senden gemischte Signale, wobei der Relative-Stärke-Index (RSI) in den positiven Bereich vorgedrungen ist, was darauf hindeutet, dass nun die Bullen den Markt dominieren. Um das runde Niveau von 5.000 US-Dollar ins Visier zu nehmen, müssen die Bullen den Widerstand bei 4.900 US-Dollar oder den 50-Tage-SMA überwinden. Im Falle eines Rückgangs findet Gold zunächst Unterstützung am runden Niveau von 4.800 US-Dollar, anschließend an der 14-Tage-EMA bei rund 4.075 US-Dollar; die letzten Nachfragezonen bilden der 100-Tage-SMA und der 20-Tage-SMA. Danach würden die Bären die Kontrolle über den Markt übernehmen.