Das Währungspaar Euro/US-Dollar tut sich schwer damit, eine klare Richtung zu finden. Am Freitag markierten die Händler ein Zweimonatshoch bei 1,1850. Doch am selben Tag verlor das Paar nahezu 100 Punkte und schloss am Freitag bei 1,1766. Ausschlaggebend dafür waren widersprüchliche geopolitische Signale.
Marktteilnehmer waren gezwungen, ihre Handelsentscheidungen vor dem Hintergrund widersprüchlicher Nachrichten zu treffen: Signale einer Annäherung zwischen den USA und Iran wechselten sich mit Anzeichen der Distanzierung ab. Die „offene“ Straße von Hormus hielt weniger als einen Tag an, bevor Teheran sie erneut schloss, nachdem Washington sich geweigert hatte, die Seeblockade der iranischen Häfen aufzuheben. Darüber hinaus wurden nach Angaben des indischen Außenministeriums zwei Öltanker unter indischer Flagge angegriffen, als sie versuchten, die Meerenge zu passieren.
All diese Ereignisse ließen die aufkeimenden Hoffnungen auf eine Stabilisierung zunichte werden und markierten einen deutlichen Rückschritt gegenüber den zuvor erzielten Fortschritten.

Auf der anderen Seite ist der Verhandlungsprozess noch im Gange. Die USA und Iran kommunizieren weiterhin über Vermittler und suchen nach Kompromisslösungen. Und obwohl bereits die Tatsache der Durchführung einer zweiten Verhandlungsrunde derzeit infrage steht, bleiben die Hoffnungen auf eine diplomatische Lösung bestehen.
Daher könnte sich die kommende Woche nach zwei Szenarien entwickeln.
Das erste Szenario ist eine Eskalation. Sollten die Parteien kein neues Datum für die Verhandlungen festlegen, die zweiwöchige Waffenruhe (die am 22. April ausläuft) nicht verlängern und folglich die militärischen Handlungen wieder aufnehmen, dürfte der als sicherer Hafen geltende US‑Dollar seine Position deutlich stärken – unabhängig von der Dynamik der makroökonomischen Indikatoren. In diesem Fall würde das Währungspaar EUR/USD in den Bereich der 1,16 zurückkehren und den Unterstützungsbereich bei 1,1600 anvisieren (die Untergrenze der Kumo-Wolke im D1‑Zeitfenster).
Ein alternatives Szenario ist jedoch nicht auszuschließen. Laut The Wall Street Journal wies Donald Trump sein Verhandlungsteam Ende März an, einen Weg zu finden, um einen Dialog mit Iran aufzunehmen und eine Einigung zu erzielen. Zudem werde der Konflikt im Nahen Osten nach Angaben der WSJ‑Quellen im Weißen Haus „zunehmend als politisch riskantes Projekt wahrgenommen“. Insider berichten, dass in der Trump‑Administration „die Stimmen lauter werden, dass der Krieg so schnell wie möglich beendet werden muss“.
Vor dem Hintergrund dieser inoffiziellen Signale lässt sich annehmen, dass sich die Parteien in den kommenden Tagen auf einen Termin für die zweite Verhandlungsrunde einigen und folglich die zweiwöchige Waffenruhe um weitere zwei Wochen verlängern. Laut Al Arabiya könnte ein neues Treffen der Delegationen insbesondere am 26. April in Islamabad stattfinden.
Sollte sich das Deeskalationsszenario bewahrheiten, dürfte die Risikobereitschaft am Markt erneut steigen, das Währungspaar EUR/USD in den Bereich um 1,18 zurückkehren und makroökonomische Daten wieder stärker in den Vordergrund rücken.
Es sei angemerkt, dass der Wirtschaftskalender für die kommende Woche nicht mit wichtigen Ereignissen für EUR/USD‑Trader gespickt ist. Dennoch könnten einige Veröffentlichungen für erhöhte Volatilität sorgen.
So werden am Dienstag, dem 21. April, die US‑Einzelhandelsumsätze für den März veröffentlicht. Im Vormonat Februar zeigte dieser Indikator eine positive Dynamik und stieg um 0,6 %. Im März dürfte der Aufwärtstrend anhalten: Laut vorläufigen Prognosen sollen die Gesamtumsätze um 1,4 % zulegen, und ohne Kfz‑Verkäufe um 1,3 %.
Am selben Tag (Dienstag) werden in Deutschland die ZEW‑Indizes veröffentlicht. Wie bekannt, handelt es sich dabei um eine Art „Stimmungsbarometer“ unter Finanzexperten hinsichtlich der Perspektiven der deutschen Wirtschaft und der Eurozone insgesamt. Im März fiel der Index der Konjunkturerwartungen in Deutschland deutlich von 58,3 auf -0,5 Punkte. Für April wird ebenfalls eine negative Entwicklung erwartet – bis auf -6,7 Punkte.
Der gesamteuropäische ZEW‑Index rutschte im März ebenfalls in den negativen Bereich ab. Und im April wird ein weiterer Rückgang von -8,5 auf -10,3 Punkte erwartet.
Unter den wichtigen Veröffentlichungen dieser Woche sind die PMI‑Indizes hervorzuheben, die am Donnerstag, dem 23. April, veröffentlicht werden. Insbesondere wird erwartet, dass der Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe in Deutschland von 52,2 auf 51,3 sinkt. Im Dienstleistungssektor wird ein Rückgang von 50,9 auf 50,4 prognostiziert. Bleiben diese Werte über der Marke von 50 Punkten, dürfte sich der Euro voraussichtlich „über Wasser halten“. Fallen die Indizes jedoch unerwartet in die Kontraktionszone, gerät die europäische Gemeinschaftswährung (und damit auch das Währungspaar EUR/USD) deutlich unter Druck – insbesondere, wenn der Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe in den USA Aufwärtsdynamik zeigt. Laut Prognosen bleibt dieser Indikator im Expansionsbereich und steigt von 52,3 auf 52,5.
Und schließlich werden am Freitag die IFO‑Indizes veröffentlicht. Im Unterschied zu den ZEW‑Indizes, die die Erwartungen von Finanzexperten widerspiegeln, basieren diese Kennzahlen auf Umfragen unter Vertretern der Realwirtschaft. Dadurch ermöglichen sie eine Einschätzung sowohl der aktuellen Geschäftslage als auch der Geschäftserwartungen. Gemäß vorläufigen Prognosen soll der Geschäftsklimaindex in Deutschland von 86,4 auf 85,6 sinken. Dies deutet auf einen moderaten Rückgang beim IFO vor dem Hintergrund eines schwachen ZEW hin. Es könnte darauf hindeuten, dass der Pessimismus an den Finanzmärkten der tatsächlichen Verschlechterung in der Realwirtschaft vorausläuft. Das bedeutet entweder, dass die Wirtschaft gegenüber negativen Nachrichten eine gewisse Widerstandsfähigkeit zeigt, oder dass es zu einem zeitlichen Nachlauf kommt – die Verschlechterung der Geschäftsstimmung könnte sich erst später manifestieren.
Damit dürfte die kommende Woche aus makroökonomischer Sicht eher informationsarm ausfallen. Die wichtigsten Veröffentlichungen werden wahrscheinlich eher die geopolitische Agenda „beleuchten“, die wiederum den Ton für das Marktgeschehen vorgibt. Insgesamt deutet alles darauf hin, dass die Richtung des Währungspaares EUR/USD vom Grad der Einigung zwischen den USA und Iran abhängen wird: Verlängern die Parteien die befristete Waffenruhe und einigen sich auf ein Datum für die zweite Verhandlungsrunde, dürfte das Paar in den Bereich um 1,18 zurückkehren und vermutlich den Widerstand bei 1,1840 testen (die obere Linie des Bollinger‑Bänder‑Indikators im D1‑Zeitfenster).
Sollten sich die weiteren Entwicklungen hingegen nach dem Eskalationsszenario vollziehen (Auslaufen der Waffenruhe, Abbruch der Verhandlungen, Wiederaufnahme der militärischen Handlungen), wäre der sichere Hafen US‑Dollar erneut „im Sattel“ und das Währungspaar EUR/USD würde in den Bereich um 1,16 zurückfallen – mit der Perspektive, die Unterstützung bei 1,1600 zu durchbrechen (die Untergrenze der Kumo‑Wolke im selben Zeitfenster).
Auf eine Klärung dieser Situation muss nicht lange gewartet werden – wie oben erwähnt, läuft die zweiwöchige Waffenruhe am Mittwoch, dem 22. April, aus. Die Lage bleibt spannend, sodass jegliche Handelsentscheidungen im Währungspaar EUR/USD (sowohl Long‑ als auch Short‑Positionen) gleichermaßen risikobehaftet sind.