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FX.co ★ EUR/USD: Deutscher Pessimismus und Spannungen im Nahen Osten halten das Währungspaar in einer engen Handelsspanne

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Analysen:::2026-04-21T22:48:13

EUR/USD: Deutscher Pessimismus und Spannungen im Nahen Osten halten das Währungspaar in einer engen Handelsspanne

Das Währungspaar EUR/USD pendelt nun schon die zweite Woche in Folge um die 1,17er-Marke und spiegelt damit die Unentschlossenheit sowohl der Käufer als auch der Verkäufer wider. Am Mittwoch, dem 22. April, läuft die zweiwöchige Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran aus. Im Vorfeld dieses Ereignisses zögern die Marktteilnehmer, größere Positionen einzugehen – weder zugunsten noch zulasten des Dollars. Die aktuellen fundamentalen Ereignisse werden von den EUR/USD-Händlern innerhalb der Spanne um die 1,17er-Marke ausgespielt, mit wenig Enthusiasmus und, wie man so sagt, „ohne Feuer“.

So reagierten die Händler am Dienstag beispielsweise unerwartet zurückhaltend auf die schwachen ZEW-Daten, die eine deutliche Verschlechterung der deutschen Konjunkturerwartungen zeigten. Dennoch sollte dieser Bericht nicht vollständig ignoriert werden, da er auf zunehmenden Pessimismus hinsichtlich der Aussichten für die deutsche Wirtschaft und die Eurozone insgesamt hindeutet.

EUR/USD: Deutscher Pessimismus und Spannungen im Nahen Osten halten das Währungspaar in einer engen Handelsspanne

Mit Blick nach vorn ist festzuhalten, dass die veröffentlichten Daten deutlich schlechter ausfielen als selbst die pessimistischsten Prognosen – vor dem Hintergrund der anhaltenden Spannungen im Nahen Osten. Die wichtigsten Indikatoren verzeichneten einen starken Rückgang tief in den negativen Bereich.

So sank etwa der Index der Konjunkturerwartungen in Deutschland im April auf -17,2 Punkte, nachdem er im März bereits auf -0,5 Punkte gefallen war. Das ist der niedrigste Stand seit Ende 2022. Der Markt hatte hingegen nur mit einem moderateren Rückgang auf -5,8 gerechnet. Damit befindet sich der Indikator den zweiten Monat in Folge im negativen Bereich. Der deutsche Lageindex fiel auf -73,7 Punkte (Prognose: -70,5) nach 62,9 im Vormonat.

Die aggregierten ZEW-Indizes für die Eurozone spiegeln die Entwicklung in Deutschland wider, allerdings mit noch stärkerem Pessimismus. Der Stimmungsindex für die Wirtschaft in der Eurozone fiel im April auf -20,4 Punkte nach -8,5 im März. Bemerkenswert ist, dass die Prognose eine moderate Erholung (auf -3,6) nahegelegt hatte, sodass das tatsächliche Ergebnis umso enttäuschender ausfällt.

Darüber hinaus ist der Lageindex für die Eurozone auf -43,0 abgestürzt und damit in diesem Monat um 13 Punkte gefallen.

Die Struktur des veröffentlichten Berichts macht die verwundbarsten Bereiche der deutschen Industrie deutlich, insbesondere in exportorientierten Branchen: Metallurgie (Rückgang um 21 Punkte), Chemie und Pharma (Rückgang um 11 Punkte) sowie der Maschinenbau. Erstmals seit langer Zeit ist auch der Bausektor ins Negative gedreht (-3,8) – ein Hinweis darauf, dass eine Phase relativer Stabilität in diesem Bereich der Wirtschaft zu Ende geht. Die Automobilindustrie verbleibt in einer tiefen Depression (-44,2), auch wenn sich der Tempoverlust leicht verlangsamt hat (was jedoch keinen Anlass zu Optimismus bietet).

In einem Kommentar zu dem am Dienstag veröffentlichten Bericht stellte ein ZEW-Vertreter einen direkten Zusammenhang zwischen der Verschlechterung der Schlüsselindikatoren und den Folgen des Konflikts im Nahen Osten her: steigende Energierisiken, instabiler Außenhandel (sich verschlechternde weltweite Nachfrage) und steigende Ressourcenkosten. Das Hauptrisiko hat sich von steigenden Preisen hin zu einem langfristigen Mangel an Energieressourcen verlagert, was die Investitionstätigkeit untergräbt und die Wirksamkeit staatlicher Konjunkturmaßnahmen verringert.

In der Folge fielen die ZEW-Indizes für April stärker als erwartet aus, was sich negativ auf den Euro auswirkte. Nach der Veröffentlichung zog sich das Währungspaar EUR/USD von seinen Tageshochs (1,1792) zurück und fiel in Richtung der mittleren 1,17er-Region.

Die verhaltene Reaktion der Händler ist auf die geopolitische Lage zurückzuführen. Laut CNN ist die zweite Verhandlungsrunde zwischen den US‑ und iranischen Delegationen für Mittwoch (22. April) angesetzt. Teheran hat seine Teilnahme an diesen Gesprächen jedoch bislang nicht offiziell bestätigt.

Quellen von Axios berichten, dass sich die Meinungsverschiedenheiten innerhalb der iranischen Führung über eine Teilnahme an den Verhandlungen verschärft haben. Demnach setzen sich Vertreter der sogenannten „pragmatischen Konservativen“ (darunter der Sprecher des iranischen Parlaments und der Außenminister) dafür ein, den diplomatischen Kurs fortzusetzen, während die Führung der Islamischen Revolutionsgarde auf einer harten Linie besteht (keine Verhandlungen, solange die US‑Blockade iranischer Häfen nicht aufgehoben ist).

Dieser interne Konflikt ist der Hauptgrund dafür, dass Iran bislang noch nicht offiziell bestätigt hat, ob seine Delegation an dem Treffen am Mittwoch teilnehmen wird. Trump wiederum setzt auf verbalen Druck und verweist in sozialen Netzwerken auf zahlreiche Verstöße Irans gegen die Waffenruhe und droht mit der Wiederaufnahme der Kampfhandlungen. Teheran seinerseits sendet Signale seiner Verteidigungsbereitschaft und betont, man habe „neue Karten auf dem Schlachtfeld“.

Trotz der kriegerischen Rhetorik beider Seiten bleibt die Lage offen: frühere Erfahrungen legen nahe, dass eine Einigung buchstäblich in letzter Minute zustande kommen könnte. Die weitere Richtung des EUR/USD-Kurses hängt davon ab, wohin die Waage ausschlägt. Setzen sich die Parteien tatsächlich an den Verhandlungstisch und verlängern die temporäre Waffenruhe, dürfte die Risikobereitschaft am Markt wieder zunehmen; in diesem Fall könnte das Paar versuchen, in den Bereich der 1,18er-Region zurückzukehren. Der Widerstand liegt hier bei 1,1850 und entspricht der oberen Linie der Bollinger-Bänder im D1‑Zeitrahmen. Entwickeln sich die Ereignisse hingegen nach einem Eskalationsszenario, könnte das Paar in den Bereich der 1,16er-Region fallen, wo die Unterstützung bei 1,1650 verläuft (mittlere Linie der Bollinger-Bänder, die mit der Kijun-sen-Linie im D1‑Zeitrahmen zusammenfällt).

Analyst InstaForex
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