Das Währungspaar EUR/USD befindet sich weiterhin in einer schwachen korrektiven Gegenbewegung. Bis zur „bullischen“ Imbalance 13 ist nur noch wenig Spielraum vorhanden, doch es ist wichtig, sich vor Augen zu halten, dass das Thema Verhandlungen nach wie vor der zentrale Faktor am Markt bleibt. Die Händler rechneten im Verlauf der gesamten Woche nahezu täglich mit Gesprächen zwischen Iran und den Vereinigten Staaten. Stattdessen erhielten sie jedoch nur negative Nachrichten, die eher auf die Unvermeidbarkeit einer erneuten Eskalation im Nahen Osten als auf einen dauerhaften Waffenstillstand hindeuteten. Erst heute wurde bekannt, dass die iranische Delegation möglicherweise am Freitagabend in Islamabad eintreffen wird. Es sei jedoch angemerkt, dass zur gleichen Zeit auch eine amerikanische Delegation unter der Leitung von J.D. Vance in Islamabad erwartet wird. Es wäre naheliegend, dass sich diese Delegationen treffen. Daher ist es noch zu früh, optimistisch in Bezug auf die geplanten Verhandlungen zu sein, da es bislang keine gesicherten Hinweise darauf gibt, dass sie tatsächlich stattfinden werden. Sollte sich morgen herausstellen, dass die Delegationen erneut kein Treffen zustande gebracht haben oder dass die zweite Verhandlungsrunde gescheitert ist, könnten die Bären am Montag ihre Angriffe wiederaufnehmen.

Unter den aktuellen Umständen können Trader nur abwarten, bis der Kurs auf das Ungleichgewicht 13 reagiert. Derzeit gibt es keine weiteren klaren Kaufzonen, und der Trend gilt weiterhin als „bullish“. Daher liegt der Fokus nach wie vor in erster Linie auf Kaufsignalen. Das letzte Kaufsignal aus dem Ungleichgewicht 12 hat perfekt funktioniert, der Euro legte um rund 270 Punkte zu. Aktuell sind keine bärischen Muster erkennbar, daher werden Verkaufssignale weder erwartet noch in Betracht gezogen.
Bemerkenswert ist, dass das gesamte Wachstum des US-Dollars in den vergangenen eineinhalb bis zwei Monaten ausschließlich von der Geopolitik getrieben wurde. Sobald sich die USA und Iran auf eine zweiwöchige Waffenruhe geeinigt hatten, zogen sich die Bären sofort zurück und die Bullen stiegen ein. Der Waffenstillstand bleibt derzeit brüchig, aber intakt, trotz der gescheiterten Verhandlungen am vergangenen Samstag und der abgesagten Gespräche am Montag, Dienstag und Mittwoch. Ich habe wiederholt betont, dass ich trotz des Bruchs wichtiger, trendbildender Tiefs nicht an ein Ende des Aufwärtstrends glaube. Die Kursbewegung der vergangenen zwei Monate könnte sich in einen Abwärtstrend verwandeln, falls sich die geopolitische Lage weiter verschlechtert. Häufig preisen die Märkte jedoch im Vorfeld das pessimistischste Szenario ein und versuchen, die extremsten Entwicklungen vorwegzunehmen. Daher ist es möglich, dass die Marktteilnehmer den geopolitischen Konflikt im Nahen Osten bereits vollständig eingepreist haben.
Das Gesamtbild auf dem Chart ist derzeit klar. Erstens zeigte der Kurs keine Reaktion auf das Ungleichgewicht 11. Zweitens reagierte er auf das Ungleichgewicht 12 und bildete ein Kaufsignal innerhalb eines Aufwärtstrends. Drittens hat sich ein neues bullishen Ungleichgewicht 13 herausgebildet, das eine interessante Zone für künftige Long-Trades sowie einen Unterstützungsbereich für den Euro darstellt.
Die Nachrichtenlage am Freitag war äußerst schwach, sodass die Trader die Veröffentlichungen aus Deutschland und den USA ohne Zögern ignorierten. Bereits am Donnerstag schenkten sie den PMI-Daten aus mehreren Ländern sowie den wichtigen Berichten zu Arbeitslosigkeit und Inflation im Vereinigten Königreich kaum Beachtung. Selbst wenn die Geopolitik derzeit also nicht der einzige Markttreiber ist, spielt sie weiterhin eine zentrale Rolle.
Es gibt nach wie vor zahlreiche Gründe, warum die Bullen auch im Jahr 2026 aktiv bleiben können, und selbst der Ausbruch des Konflikts im Nahen Osten hat diese nicht beseitigt. Strukturell und im großen Bild haben sich die von Trump verfolgten politischen Maßnahmen – die im vergangenen Jahr zu einem deutlichen Rückgang des Dollars geführt haben – nicht verändert. Kurzfristig kann die US-Währung infolge von Risikoaversion zwar gelegentlich an Stärke gewinnen, doch dieser Faktor setzt eine anhaltende Eskalation im Nahen Osten voraus, was nicht dauerhaft durchzuhalten ist. Schon zwei Wochen Pause haben ausgereicht, damit sich der Euro um 60 % erholt. Weitere starke, den Dollar stützende Faktoren sind nicht erkennbar. Ich halte weiterhin nicht an einem bärischen Trend fest. Der Dollar hat temporäre Unterstützung erhalten, doch was soll den Abwärtsimpuls langfristig tragen?
Wirtschaftskalender für die USA und die Eurozone:
- Deutschland – Verbraucherklimaindex (06:00 UTC)
Am 27. April weist der Wirtschaftskalender nur ein unbedeutendes Ereignis auf. Der Einfluss des Nachrichtenumfelds auf die Marktstimmung dürfte am Montag daher sehr gering bleiben.
EUR/USD-Prognose und Trading-Tipps:
Nach meiner Einschätzung befindet sich das Währungspaar weiterhin in der Phase der Ausbildung eines Aufwärtstrends. Der Nachrichtenhintergrund hat sich vor zwei Monaten zwar deutlich verändert, doch der Trend selbst kann weder als aufgehoben noch als abgeschlossen betrachtet werden. Daher können die Bullen ihren Vormarsch in der näheren Zukunft durchaus fortsetzen, sofern es nicht plötzlich zu einer erneuten Eskalation der geopolitischen Lage kommt.
Die Bullen hatten die Möglichkeit, auf Grundlage des Signals aus Ungleichgewicht 12 Long-Positionen zu eröffnen, und die Aufwärtsbewegung kann sich bis zu den Jahreshochs fortsetzen. Zudem hat sich ein neues Ungleichgewicht 13 gebildet, das schon bald ein weiteres Kaufsignal liefern könnte. Für einen ununterbrochenen Anstieg des Euro müsste der Konflikt im Nahen Osten in Richtung eines dauerhaften Friedens verlaufen, was derzeit nicht der Fall ist. Gleichzeitig fehlen den Bären jedoch neue Gründe für einen Angriff. Kurzfristig würde ich mich in erster Linie auf die technische Analyse stützen.