Am Dienstag setzte das Währungspaar EUR/USD seine Talfahrt in Richtung des 38,2%-Korrekturniveaus bei 1,1666 fort, und der Abwärtsdruck hält am Mittwoch an. Ein Abprall von diesem Niveau würde den Euro stützen und für einen Anstieg in Richtung des Fibonacci-Niveaus von 50,0% bei 1,1745 sprechen. Eine Konsolidierung unterhalb von 1,1666 würde die Wahrscheinlichkeit eines weiteren Rückgangs des Euro in Richtung des nächsten Korrekturniveaus von 23,6% bei 1,1568 erhöhen.

Die Wellenstruktur im Stundenchart gibt derzeit keinen Anlass zur Sorge. Die letzte abgeschlossene Aufwärtswelle hat sechs vorherige Hochs durchbrochen, während die jüngste Abwärtswelle nicht in die Nähe des vorherigen Tiefs kam. Ein vorübergehender Waffenstillstand zwischen Iran und den Vereinigten Staaten hat die Bullen unterstützt und ihnen ermöglicht, eine starke Aufwärtswelle auszubilden. Somit ist der Trend derzeit „bullisch“. In naher Zukunft könnte sich das geopolitische Umfeld jedoch wieder verschlechtern, was den Bären mehr Stärke und Selbstvertrauen verleihen würde. Um den „bullischen“ Trend zu brechen, wären nun allerdings zwei Abwärtswellen oder ein Durchbruch unter das Tief vom 6. April erforderlich.
Am Dienstag war der Nachrichtenfluss erneut sehr schwach – im Grunde genommen nicht vorhanden. Händler konnten lediglich den wöchentlichen ADP-Bericht zur Kenntnis nehmen, dem zufolge die Zahl der neuen Stellen um 39.000 gestiegen ist, was ungefähr dem Niveau der Vorwoche entspricht. Allerdings gilt dieser Bericht als derart „wichtig“, dass das U.S. Bureau of Statistics nicht einmal Prognosen dazu veröffentlicht. Insgesamt zeigte der Markt keinerlei Interesse an dieser Veröffentlichung. Gleiches lässt sich über den Bericht zum US-Verbrauchervertrauen sagen, das auf 92,8 Punkte gestiegen ist. Heute endet jedoch die zweitägige Sitzung des FOMC zur Geldpolitik in den USA, und der Markt hat seine Aufmerksamkeit vollständig auf dieses Ereignis verlagert. Obwohl die Marktteilnehmer keine Änderungen an den geldpolitischen Parametern erwarten, wird die Sitzung dennoch als wichtig eingestuft – nicht wegen großer Erwartungen, sondern weil es die letzte Sitzung des amtierenden Vorsitzenden Jerome Powell sein wird. Es ist äußerst unwahrscheinlich, dass Powell bei seiner abschließenden Sitzung markige Ankündigungen zu künftigen politischen Kursänderungen machen wird. Am wahrscheinlichsten ist, dass er sein Amt in Ruhe niederlegt und die Führung der Fed sowie die Festlegung des künftigen Kurses dem neuen Präsidenten, Kevin Warsh, überlässt. Daher rechne ich heute Abend nicht mit nennenswerten Turbulenzen am Markt.

Im 4-Stunden-Chart hat das Währungspaar zugunsten des Euro gedreht und sich über dem Fibonacci-Niveau von 61,8 % – 1,1706 stabilisiert. Damit kann sich der Aufwärtstrend in Richtung des nächsten Korrekturniveaus von 50,0 % – 1,1778 fortsetzen. Ein Rückfall unter 1,1706 würde den US-Dollar begünstigen und eine Wiederaufnahme der Abwärtsbewegung in Richtung des Korrekturniveaus von 76,4 % – 1,1617 unterstützen. Aktuell sind auf keinem der Indikatoren neue Divergenzen zu erkennen.
Commitments of Traders (COT)-Bericht:

In der letzten Berichtswoche eröffneten professionelle Händler 2.768 Long-Positionen und schlossen 12.538 Short-Positionen. Über einen Zeitraum von sieben Wochen war der gesamte Vorteil der Bullen verschwunden, doch die letzten zwei Wochen zeigen, dass die Bullen ihre Offensive wieder aufgenommen haben. Die Gesamtzahl der von Spekulanten gehaltenen Long-Positionen liegt nun bei 217.000, während sich die Short-Positionen auf 176.000 belaufen. Die Lücke vergrößert sich damit erneut zugunsten des Euro.
Insgesamt zeigen die Großanleger langfristig weiterhin ein starkes Interesse am Euro. Natürlich beeinflussen verschiedene globale Ereignisse – an denen es in den letzten Jahren nicht gemangelt hat – die Stimmung der Investoren weiter. Insbesondere richtet sich die Aufmerksamkeit der Märkte nach wie vor auf den Nahen Osten, wo der Krieg nur unterbrochen, aber nicht beendet ist. Daher werden sich in naher Zukunft die Wechselkurse von Euro und Dollar weniger an der Geldpolitik der Fed oder der EZB oder an Konjunkturdaten orientieren, sondern in erster Linie an den Entwicklungen im Krieg im Iran.
Konjunkturkalender für die USA und die Eurozone:
- Deutschland – Verbraucherpreisindex (12:00 UTC)
- USA – Baugenehmigungen (12:30 UTC)
- USA – Aufträge langlebiger Wirtschaftsgüter (12:30 UTC)
- USA – Verkäufe neuer Häuser (12:30 UTC)
- USA – Zinsentscheid des FOMC (18:00 UTC)
- USA – Pressekonferenz mit Jerome Powell (18:30 UTC)
Am 29. April enthält der Wirtschaftskalender eine Reihe von Veröffentlichungen, wobei die Fed-Sitzung besonders hervorsticht. Der Einfluss des Nachrichtenumfelds auf die Marktstimmung könnte am Mittwoch deutlich ausfallen, vor allem jedoch in der zweiten Tageshälfte.
EUR/USD-Prognose und Handelsempfehlungen:
Verkäufe des Währungspaares waren nach einem Rückprall vom Niveau 1,1745 im Stundenchart mit einem Kursziel bei 1,1666 möglich. Diese Positionen können mindestens bis zur Fed-Sitzung offen gehalten werden. Schließt der Kurs unter 1,1666, können Positionen mit einem Ziel bei 1,1568 weiter gehalten werden. Käufe empfehle ich bei einem Rückprall von 1,1666 mit einem Ziel bei 1,1745.
Die Fibonacci-Niveaus werden im Stundenchart ausgehend von 1,2082–1,1410 und im 4-Stunden-Chart ausgehend von 1,1474–1,2082 konstruiert.