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FX.co ★ EUR/USD Wöchentliche Vorschau: Der „Iran-Fall“, US-VPI, Einzelhandelsumsätze und der „Warsh-Faktor“

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Analysen:::2026-05-10T22:53:01

EUR/USD Wöchentliche Vorschau: Der „Iran-Fall“, US-VPI, Einzelhandelsumsätze und der „Warsh-Faktor“

Der „Iran-Fall“ und die Inflation in den USA sind zentrale fundamentale Themen, die in der kommenden Woche die Richtung des Währungspaars EUR/USD bestimmen werden. Zudem richten Händler ihr Augenmerk auf weitere makroökonomische Veröffentlichungen – die ZEW-Indizes, den Bericht zum BIP-Wachstum in der Eurozone und die Daten zu den Einzelhandelsumsätzen in den Vereinigten Staaten. Darüber hinaus wird der US‑Senat entscheidende Abstimmungen zur Bestätigung von Kevin Warsh als Chef der Federal Reserve durchführen.

EUR/USD Wöchentliche Vorschau: Der „Iran-Fall“, US-VPI, Einzelhandelsumsätze und der „Warsh-Faktor“

Montag

Die Inflationsdaten aus China werden den ersten wichtigen Impuls der Woche liefern. Am Montag veröffentlicht China den Verbraucherpreisindex (CPI), einen der zentralen Indikatoren für die Binnennachfrage in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt. Nach einem Anstieg auf 1,3 % im Februar (ein Zwei-Jahres-Hoch) schwächte sich der Wert im März auf 1,0 % ab und blieb damit hinter den Prognosen zurück.

Es zeichnet sich ab, dass der CPI im April ebenfalls einen Abwärtstrend aufweisen wird: Den meisten Expertenprognosen zufolge wird der Wert bei 0,9 % liegen – vor dem Hintergrund einer schleppenden Konsumnachfrage, der anhaltenden Immobilienkrise und persistenter deflationärer Tendenzen in mehreren Sektoren der chinesischen Wirtschaft. Zudem ist der saisonale Preissprung rund um das chinesische Neujahrsfest (Lunar New Year) im April in der Regel vollständig abgeklungen. Fällt der CPI in China unter 0,8 %, könnte ein solches Ergebnis den US‑Dollar indirekt stützen, indem es die Risikoaversion am Markt erhöht.

Dienstag

In der europäischen Sitzung am Dienstag veröffentlicht Deutschland die ZEW‑Indizes. Zur Erinnerung: Im April fiel der Index der Konjunkturerwartungen deutlich auf -17 Punkte und erreichte damit den niedrigsten Stand seit Ende 2022. Eine ähnliche Dynamik zeigte der Indikator für die Eurozone, der auf -20,4 Punkte zurückging. Die Gründe liegen auf der Hand: der anhaltende Konflikt im Nahen Osten, steigende Energiepreise und sich eintrübende Perspektiven für die europäische Industrie.

Die meisten Analysten gehen davon aus, dass sich die pessimistische Stimmung in diesem Monat weiter verstärken wird – vor dem Hintergrund hoher Energiepreise, schwacher Binnennachfrage und sinkenden Verbrauchervertrauens. Der deutsche ZEW‑Index der Konjunkturerwartungen wird bei -19,1 Punkten erwartet, der Eurozonen‑Index bei -21,6 Punkten. Eine gewisse Unterstützung für die Erwartungen könnte jedoch von der Robustheit des europäischen Arbeitsmarktes, der Hoffnung auf eine Lockerung der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank in der zweiten Jahreshälfte sowie der schrittweisen Anpassung der Unternehmen an externe Schocks ausgehen. Hinzu kommt der laufende diplomatische Prozess zwischen den USA und Iran. Daher ist eine moderate Erholung der Indizes nach dem Einbruch im April nicht auszuschließen. Sollten die ZEW‑Indizes in den positiven Bereich drehen, würde der Euro deutlich Rückenwind erhalten – insbesondere gegenüber dem US‑Dollar.

In der amerikanischen Handelssitzung am Dienstag erscheint dann die für EUR/USD‑Händler wichtigste Veröffentlichung der Woche: die CPI‑Daten für April. Dieser Bericht ist für den Markt besonders relevant, da das Thema Inflation im Zusammenhang mit den künftigen Schritten der Federal Reserve wieder stärker in den Fokus rückt. Zur Erinnerung: Der Bericht für März zeigte ein gemischtes Bild – der Gesamt‑CPI beschleunigte sich im Jahresvergleich auf 3,3 %, während der Kernindex (Core CPI) nur leicht von 2,5 % auf 2,6 % zulegte.

Vor diesem Hintergrund wird der Markt beurteilen, ob der Ausschlag im März nur vorübergehend war oder ob sich der Inflationsdruck in den USA verfestigt. Die besondere Aufmerksamkeit gilt dem Core CPI, da er die persistenteren Inflationsprozesse widerspiegelt. Sollte der Kerninflationswert in Richtung 3 % tendieren, würden die Märkte ihre Erwartungen an eine geldpolitische Lockerung in absehbarer Zeit vollständig aufgeben (derzeit liegt die Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung bis Ende dieses Jahres bei 10–15 %). In diesem Fall könnte das Währungspaar EUR/USD aufgrund einer sich ausweitenden Renditedifferenz zwischen den USA und der Eurozone unter Druck geraten.

Mittwoch

Am Mittwoch wird die zweite Schätzung des BIP der Eurozone für das erste Quartal veröffentlicht, die in der Regel als Präzisierung dient. Die zweite Schätzung ist vor allem deshalb wichtig, weil sie das ursprüngliche Bild der wirtschaftlichen Entwicklung bestätigt oder anpasst. Die Erstschätzung hatte lediglich ein schwaches Wachstum von 0,1 % gegenüber dem Vorquartal ergeben und damit faktisch auf eine wirtschaftliche Stagnation hingewiesen. Im Kontext der zweiten Schätzung richtet sich die Aufmerksamkeit des Marktes weniger auf das an sich schwache Wachstum (das bereits eingepreist ist), sondern auf mögliche Revisionen bei den BIP‑Komponenten. Beispielsweise auf Signale zur Binnennachfrage (ein Schlüsselfaktor für die Widerstandsfähigkeit der Eurozonen‑Wirtschaft) und/oder den Beitrag des Industriesektors (besonders sensibel gegenüber der externen Nachfrage und den Bedingungen des Welthandels). Spiegelt die zweite Schätzung – was wahrscheinlich ist – keine nennenswerten Anpassungen bei den Kernkomponenten wider, werden Händler die Veröffentlichung voraussichtlich weitgehend ignorieren.

In der US‑Sitzung am Mittwoch werden die Daten zum Producer Price Index (PPI) veröffentlicht, einem der wichtigsten vorlaufenden Indikatoren für den Inflationsdruck in der Kette „Produktion – Verbraucherpreise“. Im März beschleunigte sich der Gesamt‑PPI deutlich auf 4,0 % im Jahresvergleich. Der Kernindex verharrte jedoch auf dem Vormonatsniveau (3,8 % YoY) und signalisierte damit keinen klaren Trend zu einer weiteren Beschleunigung der Inflation.

Im Kern fungiert der PPI als „bestätigender“ Inflationsindikator, der die Marktreaktionen nach der CPI‑Veröffentlichung entweder verstärken oder abschwächen kann. Für sich genommen dürfte er kaum einen eigenständigen Trend für das Währungspaar EUR/USD auslösen, kann jedoch die Bewegung des US‑Dollars in die bereits eingeschlagene Richtung deutlich verstärken. Dies gilt insbesondere dann, wenn Core CPI und PPI im Gleichklang verlaufen – also übereinstimmend eine Beschleunigung oder Stagnation (bzw. Abschwächung) der Kerninflation signalisieren.

Donnerstag

Die wichtigste makroökonomische Veröffentlichung am Donnerstag werden die Daten zu den Einzelhandelsumsätzen sein. Bekanntlich handelt es sich dabei um einen der zentralen Indikatoren für die Konsumaktivität, die nach wie vor der wichtigste Wachstumstreiber der US‑Wirtschaft ist. Die gesamten Einzelhandelsumsätze stiegen im März um 1,7 % (die höchste Zuwachsrate seit März 2025), nachdem sie im Februar bereits um 0,7 % zugelegt hatten. Für April wird mit einer Verlangsamung des Wachstums auf 0,6 % gerechnet. Im Fokus der Händler wird jedoch vor allem die Entwicklung der sogenannten „Kontrollgruppe“ stehen (Einzelhandelsumsätze ohne Autos, Benzin und Baumaterialien). Diese Gruppe legte im März um 0,7 % zu (bei einer Prognose von 0,2 %). Sollte der Kernwert im April um mehr als 0,3–0,4 % zulegen, würde der US‑Dollar angesichts zunehmender „hawkisher“ Erwartungen deutlich unterstützt.

Ein weiterer wichtiger Bericht am Donnerstag sind die Daten zu den Unemployment Claims. Die wöchentlichen Daten zu den Erstanträgen und fortlaufenden Anträgen auf Arbeitslosenunterstützung zählen zu den zeitnächsten Indikatoren für die Lage am US‑Arbeitsmarkt; entsprechend können starke Ausschläge oder – insbesondere – die Ausbildung eines stabilen Trends erheblichen Einfluss auf EUR/USD haben. Zuletzt schwankten die Erstanträge zwischen 190.000 und 210.000 und verharren damit auf historisch niedrigen Niveaus. Die fortlaufenden Anträge bewegen sich im Bereich von 1,76–1,8 Millionen und liegen somit ebenfalls nahe Mehrmonatstiefs. Den Prognosen zufolge dürften die Werte in dieser Woche innerhalb der genannten Spannen bleiben. Für die Erstanträge wird mit einem Anstieg auf rund 206.000 gerechnet, für die fortlaufenden Anträge mit 1,78 Millionen. Solche Ergebnisse könnten dem US‑Dollar eine gewisse Grundunterstützung liefern, insbesondere falls die Erstanträge entgegen den Erwartungen unter die psychologisch wichtige Marke von 200.000 fallen.

Freitag

Der Wirtschaftskalender für Freitag ist vergleichsweise dünn. Interessant ist vor allem der Empire Manufacturing Index, der auf einer Umfrage unter Herstellern im Bezirk der New York Fed basiert. Dieser Indikator dient als wichtiger vorlaufender Signalgeber für den landesweiten ISM‑Index für das verarbeitende Gewerbe. In den vergangenen Monaten zeigte der Empire Manufacturing Index eine hohe Volatilität: Im März fiel er auf -0,2 Punkte, um im April dann auf 11 Punkte zu springen – den höchsten Stand seit November des Vorjahres. Die Verbesserung im April war allerdings ambivalent: Einem Anstieg bei Neuaufträgen und Auslieferungen standen zunehmender Preisdruck und sich verschlechternde Geschäftserwartungen gegenüber. Die meisten Analysten gehen davon aus, dass der Index im Mai zwar im positiven Bereich bleibt, sich aber auf 7 Punkte abschwächt. Ein solches Ergebnis könnte dem US‑Dollar eine gewisse (kurzfristige) Grundunterstützung verschaffen.

Zudem werden am Freitag in den USA die Daten zur Industrieproduktion veröffentlicht. Dabei handelt es sich um einen wichtigen makroökonomischen Indikator, der bei deutlichen Abweichungen von den Prognosen ebenfalls Einfluss auf das Währungspaar EUR/USD haben kann. Der US‑Industriesektor steht derzeit unter dem Einfluss mehrerer gegenläufiger Faktoren (schwache externe Nachfrage, hohes Zinsniveau, geopolitische Unsicherheit etc.). Im März ging die Industrieproduktion um 0,5 % zurück (das schlechteste Ergebnis seit Herbst 2024), während für April ein leichter Anstieg um 0,2 % erwartet wird. Für die Dollar‑Bullen ist entscheidend, dass dieser Indikator nach dem Einbruch im März wieder ein positives Vorzeichen aufweist.

Geopolitik + Warsh

Trotz der Bedeutung der makroökonomischen Veröffentlichungen wird die Stimmung an den Devisenmärkten weiterhin maßgeblich von geopolitischen Entwicklungen geprägt. Entsprechend werden Händler vor allem auf die Verhandlungen zwischen den USA und Iran achten. Laut Axios hat in Miami kürzlich ein Treffen zwischen US‑Außenminister Marco Rubio und dem Premierminister von Katar stattgefunden. Dabei wurde hervorgehoben, dass Doha derzeit hinter den Kulissen sehr aktiv ist und aufgrund seiner engen Kontakte zu Teheran eine wichtige Vermittlerrolle einnimmt. Insiderberichten zufolge stand das Treffen im Zeichen der Weiterentwicklung eines Memorandum of Understanding zur Beendigung des Krieges.

Darüber hinaus berichtet das Wall Street Journal, dass bereits in der kommenden Woche persönliche Gespräche zwischen den USA und Iran in Islamabad wiederaufgenommen werden könnten. Bestätigen sich diese Informationen, dürfte die Risikobereitschaft am Markt wieder zunehmen, was Käufern von EUR/USD die Chance geben würde, die Marke von 1,18 zu „erobern“. Umgekehrt würde eine Eskalation infolge eines stockenden diplomatischen Prozesses den sicheren Hafen US‑Dollar stützen.

Auch der „Warsh‑Faktor“ könnte das Währungspaar EUR/USD beeinflussen – allerdings nur, falls der Kongress die Abstimmung über seine Nominierung nicht fristgerecht durchführt. Am 11. Mai soll der Senat zunächst über ein Verfahrensvotum entscheiden (notwendig, um die Debatte zu beenden und zur Schlussabstimmung überzugehen), wonach bis zum Ende der Woche mit der endgültigen Bestätigung von Warsh als Vorsitzendem der Fed durch den gesamten Senat gerechnet wird. Die Wahrscheinlichkeit, dass dieses Szenario eintritt, liegt nahezu bei 100 %, weshalb die Marktteilnehmer die bloße Bestätigung seiner Ernennung voraussichtlich ignorieren dürften. Spürbare Auswirkungen auf den Markt sind vielmehr erst mit den ersten öffentlichen Äußerungen von Warsh in seiner Funktion als Fed‑Chef zu erwarten – doch das ist, wie man so sagt, eine ganz andere Geschichte.

Analyst InstaForex
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