Am Dienstag zeigt das Euro‑Dollar‑Paar eine bärische Tendenz; jeglicher Optimismus, der in der vergangenen Woche noch vorherrschte, ist vollständig verflogen. Die Verkäufer haben die Initiative übernommen, auch wenn sie den Bereich der 1,17er‑Marke noch nicht verlassen haben. Dieser dient EUR/USD‑Händlern gewissermaßen als „Heimathafen“: In den vergangenen fünf Wochen hat das Paar den Freitagshandel stets innerhalb dieser Preisspanne beendet, was die Unentschlossenheit sowohl der Käufer als auch der Verkäufer widerspiegelt. Daher sind die Kursbewegungen am Dienstag ebenfalls im Kontext der etablierten „Seitwärtsphase“ zu betrachten. Solange die Verkäufer die Unterstützungsmarke bei 1,1690 (die Mittellinie des Bollinger‑Bands‑Indikators im W1‑Zeitfenster) nicht durchbrechen und sich nicht darunter behaupten, kann man nicht von einem sich entwickelnden, nachhaltigen Abwärtstrend sprechen. Folglich handelt es sich bei dem aktuellen Rückgang lediglich um eine Korrektur innerhalb der bestehenden Handelsspanne.
Unter den gegebenen Umständen überrascht daher weniger der Rückgang von EUR/USD als vielmehr dessen relativ begrenztes Ausmaß, zumal derzeit viele fundamentale Faktoren den Greenback begünstigen.

Ich möchte Sie daran erinnern, dass der Markt in der vergangenen Woche von Optimismus über die Aussichten auf eine Lösung des Konflikts im Nahen Osten bestimmt wurde. Bedeutende Medien veröffentlichten beruhigende Insiderinformationen, denen zufolge die USA und der Iran kurz davor stünden, ein Memorandum zu unterzeichnen, das eine Waffenruhe sichern, den Sanktionsdruck auf Teheran teilweise lockern und als Grundlage für einen umfassenderen Verhandlungsprozess dienen würde. Zudem kursierten in der Presse aktive Gerüchte, dass die Parteien bereits in dieser Woche zu einem persönlichen Format direkter Verhandlungen übergehen könnten, was als Signal für diplomatischen Fortschritt gewertet wurde.
In dieser Woche ist der Marktoptimismus jedoch verflogen, nachdem der US-Präsident den jüngsten Gegenentwurf Irans zurückgewiesen und ihn als „absolut inakzeptabel“ bezeichnet hat. In seinen Kommentaren zu den Verhandlungen erklärte Donald Trump, das seit dem 8. April geltende Waffenstillstandsregime liege „auf der Intensivstation“. Mit anderen Worten: Der Friedensprozess steht faktisch vor dem Zusammenbruch.
Zusätzlich Öl ins Feuer gossen Insider von Axios und CNN, die berichteten, der Präsident erwäge eine Wiederaufnahme aktiver Militäroperationen. Dabei gehe es nicht nur um die Begleitung von Schiffen durch die Straße von Hormus, sondern auch um mögliche Luftangriffe auf iranische Einrichtungen.
Teheran drohte seinerseits, als Reaktion auf etwaige neue US-Militärschläge die Urananreicherung auf 90 % zu erhöhen und damit faktisch waffenfähiges Niveau zu erreichen.
Vor diesem Hintergrund erklärte der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu, eine militärische Konfrontation mit dem Iran werde „nicht enden, solange das Land über Bestände an hochangereichertem Uran verfügt“.
Mit anderen Worten: Die geopolitischen Spannungen haben erneut zugenommen, während die Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran faktisch zum Stillstand gekommen sind.
Dennoch bleibt das Währungspaar EUR/USD trotz dieses düsteren fundamentalen Umfelds innerhalb der 1,17er-Region und hat nicht einmal das oben genannte Unterstützungsniveau bei 1,1690 getestet.
Meiner Ansicht nach bleiben die Händler vor dem anstehenden Besuch Trumps in China, der am 13. Mai beginnt, vorsichtig optimistisch. Der Markt hofft weiterhin, dass dieser Besuch die globale Agenda zumindest teilweise stabilisieren wird – in erster Linie durch eine mögliche Verlängerung des US‑China‑Handelswaffenstillstands sowie durch die Nutzung des Einflusses Pekings auf Teheran zur Deeskalation der Krise im Nahen Osten.
Dieser Optimismus ist jedoch äußerst fragil. Sollten die Verhandlungen in China keine greifbaren Ergebnisse bringen, wird der Markt beginnen, die Risiken eines erneuten Handelskriegs einzupreisen. Gleichzeitig könnte die US‑Rhetorik gegenüber dem Iran erneut deutlich aggressiver werden. In einem solchen Szenario würde der Dollar marktweit aufwerten, und das Währungspaar EUR/USD würde sich unterhalb der Unterstützung bei 1,1690 festsetzen.
Es ist jedoch auch ein alternatives Szenario möglich, in dem Washington und Peking ihre Bereitschaft zu weiteren Gesprächen demonstrieren und die Spannungen rund um den Iran allmählich nachlassen (unter anderem dank der Vermittlungsbemühungen Chinas). In diesem Fall könnte das Währungspaar EUR/USD wieder an die 1,18er-Region heranrücken und möglicherweise den Widerstand bei 1,1810 testen (die obere Linie des Bollinger-Bands-Indikators im D1‑Zeitfenster).
Die Lage bleibt spannend, und die Einsätze sind sehr hoch. Daher zögern Händler, umfangreiche Positionen zugunsten oder zulasten des Dollars zu eröffnen.
Marktteilnehmer ignorierten den am Dienstag veröffentlichten US‑CPI‑Bericht zum Verbraucherpreisanstieg weitgehend, obwohl nahezu alle Komponenten positive Ergebnisse zeigten (der gesamte Verbraucherpreisindex beschleunigte sich auf 3,8 % im Jahresvergleich, während der Kernindex auf 2,8 % im Jahresvergleich stieg). Dies zeigt, dass die geopolitische Agenda derzeit „eine Klasse für sich“ ist und makroökonomische Faktoren überlagert. In einer derart hohen Unsicherheit ist es am vernünftigsten, eine abwartende Haltung einzunehmen, da sich das Risiko-Gleichgewicht jederzeit zugunsten oder zulasten des Dollars verschieben kann.