Das Währungspaar EUR/USD setzte seinen Rückgang am Mittwoch fort, nachdem es sich vom Niveau bei 1,1786 erholt und unterhalb des 50,0%-Korrekturlevels bei 1,1745 konsolidiert hatte. Damit könnte die Abwärtsbewegung des Euro heute in Richtung des 38,2%-Korrekturlevels bei 1,1666 weitergehen. Ein erneuter Aufprall von 1,1666 würde den Euro stützen, den Aufwärtstrend intakt halten und weiteres Wachstum in Richtung der Niveaus bei 1,1745 und 1,1786 begünstigen.

Im Moment bleibt die Wellensituation im Stundenchart überschaubar. Die letzte abgeschlossene Aufwärtswelle hat das vorherige Hoch nur um wenige Punkte überschritten, während die jüngste Abwärtswelle bereits das vorherige Tief durchbrochen hat. Damit bleibt der Trend zwar bullish, ist aber sehr instabil – alle jüngsten Wellen sind in etwa gleich groß, und die Bewegung hat sich in eine Seitwärtsphase verlagert. Der vorübergehende Waffenstillstand zwischen Iran und den Vereinigten Staaten hat die Bullen unterstützt, doch jetzt, fünf Wochen später, lässt sich sagen, dass sich die Geopolitik eher in Richtung einer Fortsetzung des Konflikts entwickelt. Daher könnten die bullischen Angriffe begrenzt bleiben oder ganz zum Erliegen kommen.
Am Mittwoch erhielt der Dollar weiterhin Rückenwind durch positive Entwicklungen. Zur Erinnerung: Zu Beginn der Woche hing das Abkommen zwischen Iran und den Vereinigten Staaten (ebenso wie der vorübergehende Waffenstillstand) am seidenen Faden. Dann wies der US-Inflationsbericht nicht nur auf ein kräftiges Wachstum hin, sondern übertraf auch die Erwartungen der Händler. Gestern sprang der US-Erzeugerpreisindex um 1,4 % gegenüber dem Vormonat und um 6,0 % gegenüber dem Vorjahr und lag damit deutlich über den Prognosen. Die Inflation in den USA zieht an und stellt nun eine ernsthafte Bedrohung für die Wirtschaft dar.
Die Federal Reserve plant im Jahr 2026 keine Straffung der Geldpolitik. Im besten Fall könnte das FOMC bis zum Jahresende, im Dezember, eine einzige Zinserhöhung beschließen. Damit stehen faktisch keine Instrumente zur Verfügung, um die Inflation zu bremsen. Sollte die Straße von Hormus weiterhin blockiert bleiben, wird die Inflation zusammen mit den Öl- und Gaspreisen weiter steigen. In der Folge könnte die US-Wirtschaft anfangen, sich zu verlangsamen, der Einzelhandel und die Konsumausgaben könnten zurückgehen, und die realen Einkommen der Amerikaner könnten ebenfalls sinken. Letztlich könnte die Konjunktur deutlich stärker abkühlen als im vierten Quartal des vergangenen Jahres. Gleichzeitig dürfte die Fed die Zinsen wohl auch nicht senken, da dies zu einem noch schnelleren Anstieg der Verbraucherpreise führen würde.

Auf dem 4-Stunden-Chart prallte das Währungspaar erneut vom 50,0%-Korrekturlevel bei 1,1778 ab, drehte zugunsten des US-Dollars und fiel in Richtung des 61,8%-Fibonacci-Levels bei 1,1706. Ein erneuter Abprall von 1,1706 würde es Tradern ermöglichen, mit einer Wiederaufnahme des Aufwärtstrends in Richtung 1,1849 und 1,1938 zu rechnen, der sich ausgebildet hat, nachdem das Paar den abwärtsgerichteten Trendkanal verlassen hatte. Auf den Indikatoren sind derzeit keine neuen Divergenzen zu erkennen.
Commitments of Traders (COT) Report:

In der letzten Berichtswoche eröffneten professionelle Händler 383 Long-Positionen und 3.893 Short-Positionen. Innerhalb von sieben Wochen im Februar und März verschwand der überwältigende Vorteil der Bullen, während sich die Situation in den vergangenen sechs Wochen etwas stabilisiert hat. Die Gesamtzahl der von Spekulanten gehaltenen Long-Positionen beläuft sich nun auf 217.000, während die Short-Positionen 185.000 betragen. Die Lücke weitet sich erneut zugunsten des Euro aus.
Insgesamt zeigen die großen Marktteilnehmer langfristig weiterhin ein starkes Interesse am Euro. Natürlich beeinflussen verschiedene globale Ereignisse – an denen es in den vergangenen Jahren gewiss nicht gemangelt hat – weiterhin die Stimmung der Investoren. Insbesondere bleibt die Aufmerksamkeit der Märkte auf den Nahen Osten gerichtet, wo der Krieg lediglich unterbrochen, aber nicht beendet wurde. Daher werden sich die Wechselkurse von Euro und US-Dollar in naher Zukunft weniger an der Geldpolitik der Fed oder der EZB und an Konjunkturdaten orientieren, sondern stärker an den Entwicklungen im Iran.
Wirtschaftskalender für die USA und die Eurozone:
- Eurozone – Rede der EZB-Präsidentin Christine Lagarde (09:15 UTC)
- USA – Veränderung der Einzelhandelsumsätze (12:30 UTC)
- USA – Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung (12:30 UTC)
Der Wirtschaftskalender für den 14. Mai umfasst drei Ereignisse, von denen keines voraussichtlich für besonderes Aufsehen sorgen wird. Daher dürfte der Einfluss des Nachrichtenumfelds auf die Marktstimmung am Donnerstag eher gering bleiben.
EUR/USD-Prognose und Handelsempfehlungen:
Verkaufsmöglichkeiten boten sich nach dem Rückprall von 1,1786 und nach der Konsolidierung unter 1,1745 im Stundenchart mit einem Ziel bei 1,1666. Diese Positionen können auch heute noch offen gehalten werden.
Neue Kaufpositionen würde ich nach einer Konsolidierung oberhalb von 1,1745 mit Zielen bei 1,1786 und 1,1824 empfehlen oder nach einem Rückprall von 1,1666.
Die Fibonacci-Gitter basieren im Stundenchart auf 1,2082–1,1410 und im 4-Stunden-Chart auf 1,1474–1,2082.