Das Währungspaar EUR/USD bewegt sich weiterhin in einer engen Handelsspanne, begünstigt durch einen spärlich gefüllten Wirtschaftskalender und die anhaltende Unsicherheit rund um die Verhandlungen zwischen den USA und Iran. Die Amplitude der Kursschwankungen hat sich auf 20–40 Pips verengt, was auf eine Unentschlossenheit unter den Marktteilnehmern – sowohl Käufern als auch Verkäufern des Paares – hinweist. Der anfängliche Optimismusschub in Bezug auf eine „schnelle Einigung“ ist allmählich abgeklungen, dennoch rechnen die Marktteilnehmer weiterhin mit einem baldigen Abschluss eines Abkommens. Auf Grundlage der vorliegenden Signale erscheinen diese Erwartungen durchaus gerechtfertigt.

Der „Indikator des Optimismus“ ist hier eher der Ölmarkt als der Devisenmarkt. Der Preis für Brent-Rohöl zur Lieferung im Juli ist um mehr als 3 % auf 96,38 US‑Dollar pro Barrel gefallen. Der Preis für WTI (ebenfalls zur Lieferung im selben Monat) ist um fast vier Prozent (3,9 %) auf 90,25 US‑Dollar zurückgegangen. Ölhändler setzen weiterhin auf eine bevorstehende Wiedereröffnung der Straße von Hormus, zumal bereits die ersten Schiffe diese Transportader passiert haben. Laut Bloomberg haben in den vergangenen 24 Stunden mindestens zwei große Öltanker (nicht aus Iran) den Persischen Golf verlassen.
Dennoch haben es EUR/USD-Händler nicht eilig, umfangreiche Positionen zugunsten des Euro aufzubauen, da die Lage nach wie vor heikel ist. Beide Seiten enthalten sich offizieller Kommentare, sodass sich die Marktteilnehmer lediglich auf Insiderinformationen globaler Medien stützen können, die kaum über Gerüchte hinausgehen.
Fasst man alle eingehenden Informationen zusammen, ergibt sich folgendes Bild: Die Vereinigten Staaten und Iran haben in den vergangenen Tagen über Vermittler einen Entwurf für ein vorläufiges Abkommen diskutiert, das eine Übergangsphase von 60 Tagen vorsieht. Der Entwurf sieht gegenseitige Zugeständnisse vor. Teheran muss beispielsweise die Straße von Hormus vollständig öffnen, das Seegebiet von Minen räumen und darauf verzichten, Zölle auf Handelsschiffe zu erheben. Im Gegenzug müssen die USA die Seeblockade iranischer Häfen aufheben und Iran die Wiederaufnahme der Ölexporte gestatten. Darüber hinaus fordert Teheran unmittelbar nach Unterzeichnung des Abkommens die sofortige Freigabe der Hälfte seiner eingefrorenen Vermögenswerte; der verbleibende Teil soll innerhalb von 60 Tagen freigegeben werden (parallel zur Erfüllung der übrigen Vereinbarungsbedingungen).
Es ist jedoch wichtig zu präzisieren, dass diese Darstellung eine Zusammenfassung von Informationen westlicher Medien (insbesondere Axios und The Guardian) ist, während iranische Quellen teilweise abweichende Angaben veröffentlichen. So berichtet etwa der iranische Sender Press TV, Teheran habe seinerseits einen eigenen Entwurf eines Memorandum of Understanding mit den USA ausgearbeitet, der den Abzug amerikanischer Truppen von sämtlichen Stützpunkten in Irans Nachbarschaft sowie die sofortige Aufhebung der Seeblockade iranischer Häfen vorsieht. Erst nach Erfüllung dieser Bedingungen werde Teheran zusagen, die Schifffahrt durch die Straße von Hormus innerhalb eines Monats wieder auf das Vorkriegsniveau zu bringen. Selbst dann will Iran sich eine Rolle beim Management der Straße sichern – allerdings gemeinsam mit Oman und nicht im Alleingang.
Ob diese Informationen zutreffen oder Teil eines Informationsgefechts im Rahmen der diplomatischen Verhandlungen sind, ist unklar. Sollte Teheran jedoch tatsächlich auf solchen Bedingungen bestehen, könnte der Verhandlungsprozess erneut ins Stocken geraten und womöglich in einer Sackgasse enden, da diese Forderungen für Trump und damit für die Vereinigten Staaten offensichtlich inakzeptabel sind.
Mit anderen Worten: Die Lage bleibt spannend, und die Waage kann sowohl in Richtung Eskalation als auch in Richtung Deeskalation ausschlagen.
Unter dieser Unsicherheit ist die erhöhte Vorsicht der EUR/USD-Händler durchaus gerechtfertigt. Schließlich steht die weitere Entwicklung der geopolitischen Spannungen auf dem Spiel, die das Kräfteverhältnis zwischen der Nachfrage nach Risikoanlagen und dem sicheren Dollar beeinflussen und damit letztlich die Richtung der Bewegung des Währungspaares bestimmen wird.
Alle anderen fundamentalen Faktoren sind dabei nicht einmal zweitrangig, sondern eher drittrangig – zumal der Wirtschaftskalender dieser Woche für EUR/USD keine Fülle bedeutender Ereignisse bereithält. Mehr oder weniger wichtige Veröffentlichungen werden von den Marktteilnehmern schlicht ignoriert.
So wurde am Dienstag in den USA der vom Conference Board ermittelte Verbrauchervertrauensindex veröffentlicht, der sich im „grünen Bereich“ bewegte. Anstatt wie erwartet auf 91,9 zu fallen, lag der Wert bei 93,1. De facto zeigte der Index eine Abwärtstendenz, da er im Vergleich zum nach oben revidierten April-Wert (93,8) um 0,7 Punkte nachgab. Die Einschätzung der aktuellen Lage hat sich deutlich eingetrübt, was auf eine Abkühlung am Arbeitsmarkt zurückzuführen ist, während der Index der kurzfristigen Erwartungen in der Hoffnung auf friedliche Verhandlungen symbolisch zulegen konnte.
Trotz der „grünen“ Zahlen wurde die Veröffentlichung von den Händlern faktisch übergangen; ihre Aufmerksamkeit galt ausschließlich der geopolitischen Agenda.
Dies zeigt einmal mehr, dass das Währungspaar EUR/USD bis zur Klärung der Lage im Nahen Osten vermutlich innerhalb der Spanne von 1,1620–1,1660 schwanken wird (untere Grenze der Kumo-Wolke – obere Linie des Bollinger-Bänder-Indikators im H4-Zeitrahmen) und überwiegend an den Grenzen dieser Handelsspanne gespielt wird.