Die Märkte preisen alles ein. Kann man am S&P 500 ablesen, wer den Konflikt zwischen den USA und Iran gewinnen wird? US-Präsident Donald Trump hat schon lange den Sieg für sich reklamiert, doch Teheran kontrolliert weiterhin die Straße von Hormus, und eine Kapitulation ist in weiter Ferne. Dennoch macht die Outperformance des S&P 500 gegenüber seinen globalen Pendants deutlich, wessen Sieg die Märkte de facto einpreisen.
S&P 500 vs. globale MSCI-Dynamik

In den vergangenen zwei Monaten ist der S&P 500 um 16 % gestiegen – seine stärkste zweimonatige Rally seit 2020. Seit 1950 hat es nur vier Phasen mit einem derart schnellen Anstieg gegeben. Jedes Mal setzte der breite Index seinen Aufwärtstrend fort, mit einem durchschnittlichen Zuwachs bis Jahresende von rund 17 %.
Gleichzeitig verzeichnet der S&P 500 seine längste Gewinnserie seit 1985. Diese Entwicklung wird durch eine enorme Nachfrage nach Chip-Herstellern und beeindruckende Unternehmensergebnisse angetrieben. Daten von FactSet zeigen, dass die aggregierten Gewinne im ersten Quartal im Jahresvergleich um 28,6 % gestiegen sind. Sollte die Berichtssaison auf diesem Niveau enden, wäre dies das stärkste Quartal seit 2021.
Dynamik der Gewinnserie des S&P 500

In einem derart überschwänglich bullischen Umfeld scheuen sich Banken und Vermögensverwalter davor, von einer Blase zu sprechen oder düstere Prognosen abzugeben. Im Gegenteil: Goldman Sachs hat sein S&P-500-Jahresendziel von 7.600 auf 8.000 Punkte angehoben.
Die Rally wurde zudem durch taubenhaft wirkende Äußerungen einiger FOMC-Mitglieder befeuert. Fed-Gouverneurin Michelle Bowman sagte, ein Ende des Konflikts im Nahen Osten würde den Inflationsdruck verringern und die Auswirkungen der Auseinandersetzung auf das US-Wachstum dürften begrenzt bleiben. Diese Einschätzungen decken sich mit der Sicht des Weißen Hauses, wonach die Geopolitik nur zu einem vorübergehenden Inflationsanstieg führen werde, dem anschließend niedrigere Preise folgen könnten, was die Fed in Richtung einer Lockerung der Geldpolitik drängen würde.
Dennoch ist das Risiko einer erneuten Eskalation nicht gebannt. Während die USA und Iran an Formulierungen des Entwurfs eines Abkommens feilen, schießt Teheran US-Drohnen ab und wird seinerseits auf eigenem Territorium angegriffen – eindeutige Waffenstillstandsverletzungen, die beide Seiten öffentlich herunterspielen.

Meiner Ansicht nach kann der S&P 500 weiter steigen, falls der Konflikt im Nahen Osten gelöst wird. Ein geringeres geopolitisches Risiko würde den Inflationsdruck dämpfen und der Fed den Weg für einen Lockerungszyklus ebnen.
Aus technischer Sicht zeigt der tägliche S&P-500-Chart eine Doji-Kerze, die sich am Ende des Aufwärtstrends ausbildet. Ein Rückgang unter ihr Tief bei 7.560 würde das Risiko eines Umkehrmusters erhöhen. Rücksetzer sollten dennoch weiterhin genutzt werden, um Long-Positionen auszubauen, mit dem bereits genannten Ziel von 7.700.