Das Währungspaar Euro/US-Dollar hat die neue Handelswoche mit einer leichten Abwärtskorrektur begonnen und sich dabei vom Freitagshoch bei 1,1687 zurückgezogen. Der Abwärtsimpuls flaute jedoch schnell ab, und das Paar pendelt seither im mittleren Bereich der 1,16er-Zone.

Sowohl Käufer als auch Verkäufer agieren weiterhin vorsichtig vor dem Hintergrund der laufenden Verhandlungen zwischen den USA und Iran. Einerseits ist es den Unterhändlern trotz einer Reihe ermutigender Indiskretionen bislang nicht gelungen, eine Einigung zu erzielen; andererseits zeigt sich Präsident Donald Trump weiterhin optimistisch in Bezug auf den diplomatischen Prozess. Heute erklärte er, Iran wolle tatsächlich ein Abkommen.
Der geopolitische Faktor bleibt der zentrale Treiber für EUR/USD. Bleibt die Lage in der Schwebe, dürfte der Kurs mit hoher Wahrscheinlichkeit weiter in der Spanne von 1,1610–1,1680 pendeln. Ein diplomatischer Durchbruch würde die Nachfrage nach Risikoanlagen deutlich ankurbeln und Käufern ermöglichen, sich im Bereich von 1,17 zu positionieren. Sollten die Gespräche ins Stocken geraten und die Vereinigten Staaten militärische Aktionen wieder aufnehmen, dürfte das Währungspaar die Unterstützung bei 1,1560 testen (untere Bollinger-Band-Linie im D1-Chart).
Derzeit erscheint ein Eskalationsszenario als das am wenigsten wahrscheinliche Ergebnis. Der Marktkonsens geht davon aus, dass beide Seiten früher oder später einen Kompromiss finden werden, der den Konflikt beendet und die Schifffahrt durch die Straße von Hormus wiederherstellt. Händler blenden negative Schlagzeilen daher weitgehend aus und behalten eine vorsichtig konstruktive Haltung bei, die EUR/USD im Hintergrund stützt.
Konjunkturdaten sind etwas in den Hintergrund gerückt – allerdings nur vorübergehend. Die Juni-Sitzung der Federal Reserve (unter Vorsitz von Kevin Warsh) findet in zwei Wochen statt, und falls Washington und Teheran tatsächlich ein Memorandum of Understanding finalisieren, das den Weg zu einer umfassenden Einigung ebnet, wird sich die Aufmerksamkeit der Märkte rasch wieder auf die wichtigsten Makrodaten verlagern. Entsprechend sollten die anstehenden Veröffentlichungen nicht ignoriert werden; ihre Wirkung dürfte sich in naher Zukunft bemerkbar machen.
In der US-Handelssitzung am Montag wird der ISM-Index für das verarbeitende Gewerbe im Mai veröffentlicht. Das ist der erste Schwergewichtsindikator der Woche, da er die Entwicklung bei neuen Aufträgen, Beschäftigung und Preisen im Produzierenden Gewerbe abbildet. Seit Jahresbeginn liegt der ISM im expansiven Bereich über der 50-Punkte-Schwelle (52,6 im Januar, 52,4 im Februar sowie 52,7 im März und April) und damit in der Nähe der höchsten Stände seit 2024. Diese Entwicklung wurde durch eine robuste Binnennachfrage gestützt (der Subindex für neue Aufträge liegt durchweg über 53–54), durch steigende Investitionen in Technologie und Infrastruktur (Mittelzuflüsse in Verteidigung, Rechenzentren und KI) sowie durch Lieferkettenstörungen, die US-Unternehmen dazu veranlasst haben, Bestellungen ins Inland zu verlagern.
Die meisten Analysten erwarten für Mai einen weiteren Mehrmonatshöchststand des ISM-Index für das verarbeitende Gewerbe bei rund 53,3. Schon ein Wert im Rahmen des Konsens würde dem Dollar spürbaren Rückenwind verleihen.
Am Dienstag wird der JOLTS-Bericht veröffentlicht, der als Indikator für die Überhitzung am Arbeitsmarkt gilt. Der Konsens rechnet mit einem moderaten Rückgang der offenen Stellen auf 6,79 Millionen nach 6,86 Millionen im März. Für die Fed ist vor allem die Kombination aus „Openings + Hires + Separations“ entscheidend: Fallen die offenen Stellen schnell, während die Einstellungen schwach bleiben, gerät der Dollar unter Druck, weil die geldpolitischen Tauben an Einfluss gewinnen. Zeigt JOLTS hingegen einen moderaten Rückgang der offenen Stellen bei gleichzeitig niedriger Fluktuation (Separations), dürfte der Dollar trotz der weichen Schlagzeile widerstandsfähig bleiben.
Ebenfalls am Dienstag werden die vorläufigen Inflationsdaten für den Euroraum im Mai veröffentlicht. Der Konsens erwartet einen Anstieg der Gesamtinflation (CPI) auf 3,4 % gegenüber dem Vorjahr nach 3,0 % im Vormonat, während die Kerninflation nach einem Rückgang auf 2,2 % im April in etwa stabil bei rund 2,3 % gegenüber dem Vorjahr gesehen wird. Ein Ergebnis im „grünen Bereich“ würde Spekulationen über eine Zinserhöhung der EZB im Juni verstärken. Gleichzeitig ist die EZB durch das nachlassende Wachstum begrenzt, sodass ein positiver Überraschungseffekt wahrscheinlich nur zu einer kurzlebigen Euro-Rally führen würde, bevor der Markt den Fokus wieder auf US-Daten richtet, da die längerfristige geldpolitische Divergenz weiterhin zugunsten des Dollars spricht.
Am Mittwoch wird der US-ISM-Index für den Dienstleistungssektor veröffentlicht. Diese Veröffentlichung ist für EUR/USD von zentraler Bedeutung, da der Nicht-Verarbeitende Sektor mehr als 70 % der US-Wirtschaft ausmacht und die Widerstandskraft der Binnennachfrage unmittelbar widerspiegelt. Der ISM für Dienstleistungen befindet sich seit Juni vergangenen Jahres im Expansionsbereich, zeigt jedoch in den letzten zwei Monaten einen Abwärtstrend und fiel im April auf 53,6. Die meisten Prognosen gehen von einem leichten Anstieg auf 53,8 im Mai aus. Händler werden sich besonders auf die strukturellen Komponenten des Berichts konzentrieren, insbesondere auf neue Aufträge und Beschäftigung; ihre Widerstandsfähigkeit würde als Unterstützung für eine weiterhin straffe Rhetorik der Fed gewertet. Der Subindex „Prices paid“ – der im April auf ein Vierjahreshoch von 70,7 gestiegen ist – könnte bei einer weiteren Beschleunigung für erhöhte Volatilität sorgen.
Ebenfalls am Mittwoch erscheint der ADP-Bericht. Er ist ein wichtiger Frühindikator für die am Freitag anstehenden Nonfarm Payrolls, auch wenn die Korrelation nicht perfekt ist. Der Konsens erwartet einen Anstieg der privaten Beschäftigung um rund 116.000 Stellen, ein Tempo, das zur Fed-Erzählung eines „stabilen, aber nicht überhitzten“ Arbeitsmarkts passt. Der ADP-Wert würde den Dollar nur dann spürbar belasten, wenn er deutlich unter 100.000 liegen sollte.
Am Freitag schließlich werden die US-Nonfarm Payrolls (NFP) für Mai veröffentlicht – vermutlich die wichtigste Veröffentlichung der Woche für EUR/USD-Händler. Der Konsens rechnet mit einem Zuwachs von lediglich 95.000 Stellen außerhalb der Landwirtschaft, bei einer unveränderten Arbeitslosenquote von 4,3 Prozent. Ein derart niedriger Wert in der Überschrift dürfte ein Auslöser für erhöhte Volatilität in EUR/USD sein. Liegt der NFP-Wert im Rahmen der Erwartungen oder darunter und bestätigt damit eine Abschwächung am US-Arbeitsmarkt, würde der Dollar deutlich unter Druck geraten und das Währungspaar zulegen. Umgekehrt würde jede nennenswerte positive Überraschung (120.000 und mehr) den Dollar klar stützen, da die Markterwartungen derzeit eher gedämpft sind.
Aus technischer Sicht handelt EUR/USD im D1-Chart innerhalb der Ichimoku-Kumo-Wolke, zwischen der mittleren und der unteren Bollinger-Band-Linie sowie zwischen Tenkan-sen und Kijun-sen. All dies deutet auf anhaltende Unsicherheit hin. Das Paar dürfte voraussichtlich weiter die Grenzen der aktuellen Handelsspanne von 1,1610–1,1680 (untere und obere Bollinger-Linie im H4-Chart) austesten, bis mehr Klarheit über die Gespräche zwischen den USA und Iran herrscht. In der Zwischenzeit werden Händler die oben genannten Makrodaten vermutlich innerhalb dieses genannten Kurskorridors spielen.