Die jüngste Korrektur des S&P 500 wurde im Wesentlichen von drei Faktoren getragen: Befürchtungen vor Stagflation, die Freisetzung von Kapital im Vorfeld des SpaceX-IPO sowie geopolitische Spannungen. Die US-Inflation beschleunigte sich auf 4,2 % – den höchsten Stand seit drei Jahren – und provokative Äußerungen von Präsident Trump, der dem Iran vorwarf, die USA wie „Deppen“ zu behandeln, gefolgt von Angriffen, sorgten dafür, dass Aktien bereits den vierten Handelstag in Folge Verluste verzeichneten. Für den Dow Jones war es der bislang schwächste Handelstag dieses Jahres.
Entwicklung der US-Aktienindizes

Nach Angaben von Absolute Strategy Research dauerte es für den S&P 500 15 Jahre (2000–2015), bis er nach dem Platzen der Dotcom-Blase inflationsbereinigt wieder auf seinen Ausgangswert zurückgekehrt war. Andere lange Erholungsphasen umfassen die Jahre 1929–1956 und 1965–1991.
Es würde viele Jahre dauern, die derzeit stark erhöhten Gewinnmultiplikatoren zu rechtfertigen, falls sich die Fundamentaldaten wieder auf ihre langfristigen Durchschnittswerte einpendeln. Zusammengenommen stützen diese Faktoren die Sorge vor einer Blase und die berechtigte Befürchtung eines stagflationären Szenarios.
Dynamik des Kurs-Gewinn-Verhältnisses

Die Erwartungen an einen SpaceX-Börsengang im Volumen von 75 Mrd. US-Dollar haben den Abwärtstrend zusätzlich befeuert. Anleger bauen Cash-Positionen auf, was kurzfristigen Liquiditätsdruck erzeugt und Abverkäufe bei Big Tech auslöst.
Der dritte bärische Faktor sind geopolitische Risiken. Der Abschuss eines US-Hubschraubers führte zu massiven US-Luftangriffen auf Iran. Trump kritisierte Teheran öffentlich dafür, die Verhandlungen zu blockieren. Die Eskalation hat die globale Risikobereitschaft geschmälert und zum Rückgang des S&P 500 beigetragen. Die Marktpsychologie schlug von FOMO — fear of missing out (Angst, etwas zu verpassen) — zu FOL (fear of losing, Angst zu verlieren) um, sodass eine Korrektur in diesem Kontext nachvollziehbar ist.
Allerdings müssen diese bärischen Auslöser nicht unbedingt von langer Dauer sein. Der SpaceX-Börsengang steht kurz bevor. Die USA haben ihre Angriffe eingestellt, und falls Iran nicht mit Gegenmaßnahmen reagiert, könnten die Verhandlungen wieder aufgenommen werden. Schließlich war der jüngste Inflationsbericht aus den USA nicht so negativ, wie die Schlagzeilen vermuten ließen.

Die Jahresdaten entsprachen in etwa dem Bloomberg-Konsens, und die monatlichen Zahlen zeigten im Mai im Vergleich zu April eine Abschwächung. Diese Werte könnten auf einen Höhepunkt der Verbraucherpreisinflation hindeuten, die sich bereits bei den Preisen für Öl und Benzin abschwächt. Die wahrscheinliche Folge wäre, dass die Fed im Jahr 2026 von weiteren Straffungen absieht – ein positives Signal für US-Aktienindizes. Ist es Zeit, die Kursschwäche zum Einstieg zu nutzen?
Aus technischer Sicht hat der S&P 500 auf dem Tageschart eine Inside-Bar-Formation ausgebildet, was auf Unsicherheit hindeutet. Ein Anstieg zurück an die Obergrenze dieser Inside-Bar im Bereich von 7.400 wäre ein Signal, um Käufe wieder aufzunehmen. Aggressive Trader können bei einer bestätigten Stabilisierung oberhalb des Pivot-Levels bei 7.300 Long-Positionen aufbauen.