
Das Währungspaar GBP/USD verzeichnete einen recht deutlichen Anstieg, der den Beginn eines Aufwärtstrends markieren könnte. Der US‑Dollar konnte sich in der vergangenen Woche nicht stärken, obwohl es zwei neue Eskalationen im Nahen Osten gab und die Verhandlungen weiterhin ausgesetzt sind. Donald Trump hat bereits die Genehmigung widerrufen, die es Iran im Rahmen des Friedensabkommens erlaubte, Öl zu verkaufen, während Iran erneut die Straße von Hormus blockiert hat. Damit ist die Phase relativer Ruhe und der Verhandlungen de facto beendet. Derzeit gehen die Händler nicht davon aus, dass sich der Konflikt zu einem erneuten Krieg ausweitet, da ähnliche Situationen in der Vergangenheit wiederholt aufgetreten sind. Jedes Mal sind die Parteien schließlich an den Verhandlungstisch zurückgekehrt. Der Markt reagierte nicht auf die erneuten geopolitischen Spannungen, was meines Erachtens gerechtfertigt war. Heute erhielten die Bullen jedoch unerwarteten Rückenwind, nachdem die US‑Inflation auf 3,5 % gefallen ist. Zur Erinnerung: Im Vormonat lag der Wert noch bei 4,2 %, sodass der jüngste Wert deutlich niedriger ausfällt. Wichtiger noch ist, dass die Federal Reserve nun möglicherweise ihre abwartende Haltung verlängern und im September auf eine Straffung der Geldpolitik verzichten kann. Bis dahin dürfte klarer sein, in welcher Phase sich der Konflikt im Nahen Osten befindet, wohin sich die Öl‑ und Gaspreise entwickeln und wie die Inflation auf das neue Energie‑ und geopolitische Umfeld reagiert. Daher bin ich nicht überzeugt, dass die Fed zwangsläufig zur geldpolitischen Straffung schreiten wird.
Es ist zudem erwähnenswert, dass der Markt zunächst davon ausgegangen war, dass die US‑Inflation weiter steigen würde, sofern das FOMC nicht eingreift. Später ließen die Risiken weiterer Preissteigerungen nach, als der Ölpreis auf 70 US‑Dollar pro Barrel zurückging. In dieser Woche stieg Öl jedoch auf 87 US‑Dollar, und die Folgen der jüngsten Eskalation im Nahen Osten, zusammen mit der Blockade der Straße von Hormus, könnten die Preise weiter nach oben treiben. Entfalten sich die Ereignisse im pessimistischsten Szenario, könnte Öl auf das Niveau von 100–120 US‑Dollar zurückkehren. In diesem Fall würden sich alle Hoffnungen auf eine nachlassende Inflation in den Vereinigten Staaten oder der Eurozone schnell zerschlagen. Der Markt müsste seine Erwartungen in Bezug auf die Geldpolitik sowohl der EZB als auch der Fed erneut überdenken.
Der technische Ausblick ließ einen Anstieg in Richtung der Marke von 1,3322 erwarten, was exakt eingetreten ist. Der Kurs räumte zunächst die Liquidität unter dem Verlaufstief vom 6. April und anschließend unter dem Tief vom 31. März ab. Daher gab es triftige Gründe, mit weiteren Gewinnen des Pfunds zu rechnen. Angesichts der Tatsache, dass dem US‑Dollar weiterhin überzeugende Treiber für einen langfristigen Aufwärtstrend fehlen, während er 2026 bereits beeindruckende Zuwächse verzeichnet hat, halte ich es für unwahrscheinlich, dass die Bären die Kontrolle zurückerlangen. In der vergangenen Woche bildete sich zudem die bullische Imbalance 23, auf die der Kurs bereits zweimal reagiert hat. Die bärische Imbalance 21 hingegen wurde ungültig. Daher rechne ich entweder mit einer Fortsetzung des Aufwärtsimpulses des Pfunds oder mit dem Entstehen neuer bullischer Signale, gefolgt von einer weiteren Aufwärtsbewegung nach einer korrektiven Gegenbewegung.
Der Markt bleibt derzeit äußerst vorsichtig in Bezug auf die Vereinbarung zwischen Iran und den Vereinigten Staaten, und die jüngsten Entwicklungen haben gezeigt, dass diese Vorsicht vollauf berechtigt ist. Feuergefechte in der Nähe der Straße von Hormus ereignen sich trotz des vor einigen Wochen unterzeichneten Memorandums weiterhin regelmäßig. Die Fed hatte zuvor eine starke Rally des US‑Dollars ausgelöst, doch ich sehe nach wie vor nicht, was den Bären ermöglichen sollte, ihren Vorteil weiter auszubauen. Können allein die Erwartungen einer geldpolitischen Straffung durch das FOMC wirklich anhaltende Dollar‑Gewinne stützen?
Die Konjunkturdaten vom Dienstag unterstützten sowohl das britische Pfund als auch die Bullen. Der Inflationsbericht fiel schwächer aus, als die Händler erwartet hatten, was zu einem Rückgang des US‑Dollars führte und die Bären zum Rückzug zwang. Für heute ist zudem eine Rede von Kevin Warsh angesetzt, der morgen erneut vor dem US‑Kongress auftreten wird.
Insgesamt lässt der breitere fundamentale Hintergrund mich weiterhin nichts anderes als einen langfristigen Rückgang des US‑Dollars erwarten. Selbst der Konflikt zwischen Iran und den Vereinigten Staaten hat an dieser Einschätzung nichts geändert. Auch die Möglichkeit von Zinserhöhungen der Federal Reserve im Jahr 2026 nicht. Die geopolitischen Spannungen haben den Markt vorübergehend an den Status des Dollars als sicheren Hafen erinnert, doch die intensivste Phase des Konflikts liegt bereits hinter uns. Die Fed beabsichtigt, die Zinsen 2026 anzuheben, was den Dollar stützt. Dabei sollte jedoch nicht vergessen werden, dass eine straffere Geldpolitik die US‑Wirtschaft bremsen und den Arbeitsmarkt schwächen wird. Kevin Warsh wurde von Donald Trump an die Spitze des FOMC berufen, um eine lockerere Geldpolitik zu verfolgen – etwas, das Jerome Powell nicht liefern wollte. Meiner Ansicht nach wird sich jede Straffung durch die Fed nicht zu einem lang anhaltenden Straffungszyklus entwickeln und dürfte kaum dauerhafte Auswirkungen haben. Daher gehe ich davon aus, dass jegliche Aufwertung des US‑Dollars eher vorübergehend als nachhaltig sein wird.
Wirtschaftskalender für die USA und das Vereinigte Königreich
- Vereinigte Staaten – Erzeugerpreisindex (12:30 UTC).
- Vereinigte Staaten – Rede des Vorsitzenden der Federal Reserve, Kevin Warsh (14:00 UTC).
Der Wirtschaftskalender für den 15. Juli enthält zwei geplante Ereignisse, von denen ich eines für wichtig halte. Daher könnte das wirtschaftliche Umfeld am Mittwoch die Marktstimmung beeinflussen.
GBP/USD-Prognose und Trading‑Tipps
Der langfristige Ausblick für das britische Pfund bleibt bullisch. Nach den Liquiditätssweeps unter den beiden jüngsten Swing‑Tiefs haben die Bullen die Initiative zurückgewonnen. Das Pfund könnte seinen Rückgang in Richtung der Marke für die Ungültigkeit des Aufwärtstrends bei 1,3007 zwar wieder aufnehmen, dafür wären jedoch neue bärische Signale erforderlich. Imbalance 21 ist bereits ungültig, sodass es derzeit keine klare Quelle für ein solches Signal gibt. Das bullische Szenario wird durch die beiden Liquiditätssweeps sowie die bullische Imbalance 23 gestützt. Der Markt hat bereits auf Imbalance 23 reagiert, und die nächsten Aufwärtsziele für das Pfund sind die Hochs vom 1. Mai und 27. Januar bei 1,3656 bzw. 1,3867.