Der Inflationsbericht für das zweite Quartal 2026, der am 20. Juli veröffentlicht wurde, hat die Erwartungen an eine weitere geldpolitische Straffung durch die Reserve Bank of New Zealand (RBNZ) deutlich verstärkt. Das wiederum stützt den neuseeländischen Dollar erheblich, zumal die Märkte nun damit rechnen, dass die US Fed ihre Leitzinsen unverändert lässt.
Die Inflationsdaten fielen höher als erwartet aus. Die jährliche Teuerungsrate stieg von 3,1 % im ersten Quartal auf 4,1 % und übertraf damit sowohl den Konsens der Volkswirte (4,0 %) als auch die eigene Prognose der RBNZ (3,9 %). Auf Quartalssicht erhöhten sich die Preise um 1,5 % gegenüber einer Prognose von 1,4 %.

Details des Berichts deuten darauf hin, dass der Inflationsdruck überwiegend von außen kommt. Der wichtigste Treiber waren die gestiegenen Treibstoffpreise im Zuge des Kriegs im Nahen Osten: Benzin verteuerte sich im Jahresvergleich um 27,5 %, Diesel sogar um 71,1 %. Ohne diesen Faktor hätte die jährliche Inflationsrate lediglich 2,9 % betragen.
Nach einer Phase der Abschwächung zeigt die neuseeländische Wirtschaft Anzeichen einer Erholung, unterstützt durch die zuvor erfolgte Lockerung der Geldpolitik. Der Aufschwung bleibt jedoch fragil, da sich die Binnennachfrage abschwächt, das Geschäftsklima sich eintrübt und der Energieschock negativ durchschlägt.
Die jüngste Inflationsveröffentlichung hat die Markterwartungen weiterer Zinserhöhungen gefestigt. Zur Erinnerung: Am 8. Juli hat die RBNZ den offiziellen Leitzins um 25 Basispunkte auf 2,50 % angehoben – die erste Anhebung seit drei Jahren – und ihre Bereitschaft signalisiert, weiter zu straffen; der Inflationsbericht hat diese Erwartungen zusätzlich untermauert. Händler preisen weitere Zinsschritte für Oktober oder Dezember 2026 sowie einen weiteren im Februar 2027 ein.
Die großen Banken unterscheiden sich beim Zeitpunkt und Ausmaß der Erhöhungen, sind sich aber in der grundsätzlichen Richtung einig. HSBC rechnet mit vierteljährlichen Schritten von 25 Basispunkten, wodurch der Zinssatz bis zum dritten Quartal 2027 auf 3,50 % steigen würde. Westpac erwartet ebenfalls Anhebungen im September und Dezember 2026, prognostiziert aber einen höheren Gipfel von 4,0 % bis September 2027. ANZ geht von zwei aufeinanderfolgenden Zinserhöhungen im September und Oktober aus.
Da die Inflation die Zielspanne von 1–3 % deutlich überschritten hat und derzeit auf einem Zwei-Jahres-Hoch liegt, ist die Wahrscheinlichkeit weiterer Straffungen durch die RBNZ hoch. Angesichts der fragilen Erholung dürfte die RBNZ jedoch vorsichtig vorgehen. In jedem Fall spricht das aktuelle fundamentale Umfeld für den neuseeländischen Dollar.
Die spekulativen Positionierungen im NZD haben sich in der Berichtswoche nur geringfügig verändert: Die Netto-Short-Position liegt bei -3,68 Milliarden US-Dollar, doch angesichts des Inflationsberichts rechnen wir damit, dass Short-Positionen in den kommenden Wochen reduziert werden. Der implizite Preis versucht, nach oben zu drehen.

Die jüngsten Inflationsdaten und der angepasste Zinsausblick verbessern das bullische Szenario für NZD/USD deutlich. Wir rechnen nicht mehr mit einem Rückgang auf 0,5621; ein wahrscheinlicheres Szenario ist nun eine Bewegung in Richtung des Maihochs bei 0,5988. Mögliche Hindernisse auf diesem Weg sind falkenhafte oder warnende Kommentare von RBNZ-Vertretern sowie eine Verschlechterung der geopolitischen Lage und der außenwirtschaftlichen Rahmenbedingungen.