EUR/USD konsolidiert sich weiter innerhalb der 1,14er-Marke und zeigt eine Seitwärtsbewegung. Der am Montag beobachtete Volatilitätsschub ist allmählich abgeklungen. Das Paar fiel um fast 50 Pips, konnte jedoch nicht unter dem Unterstützungsniveau bei 1,1410 schließen, das der Mittellinie der Bollinger-Bänder im D1-Zeitrahmen entspricht.
Diese phlegmatische Entwicklung von EUR/USD steht in deutlichem Kontrast zum Ausmaß der geopolitischen Ereignisse im Nahen Osten. Trotz anhaltender Schlagabtausche zwischen den USA und Iran sowie Drohungen der Huthi, die Bab al-Mandab-Straße zu blockieren, zeigt der Markt keine ausgeprägte Nachfrage nach dem Dollar als sicherem Hafen. Woran liegt das?
Meiner Ansicht nach erklärt sich diese verhaltene Kursentwicklung durch eine Kombination mehrerer fundamentaler Faktoren.

Ein wichtiger Indikator ist in diesem Zusammenhang der Ölmarkt, der sich ebenfalls der Panik entzieht und sehr zurückhaltend auf die Ereignisse reagiert. Gestern erreichte Brent in Reaktion auf eine aufsehenerregende Erklärung der Huthi ein lokales Fünf-Wochen-Hoch (mit einem Spitzenwert von 91,35 US-Dollar pro Barrel). Doch der Preis drehte fast unmittelbar nach unten – der Schlusskurs lag bei 88,75 US-Dollar. Auch heute zeigt Brent trotz fehlender klarer neuer Nachrichtenströme eine gedämpfte Stimmung.
Meiner Ansicht nach preist der Ölmarkt keine länger anhaltende Blockade wichtiger Seewege mehr ein, zumal Drohungen der Huthi, die Bab al-Mandab-Straße zu schließen, nichts Neues sind. Ähnliche Erklärungen gab es schon in früheren Jahren, unabhängig vom Konflikt zwischen den USA und Iran. Lokale Angriffe haben die Versicherungsprämien nach oben getrieben und die Logistik verlängert, aber ein vollständiger Stopp des Welthandels durch das Rote Meer ist nicht eingetreten. Mit anderen Worten: Marktteilnehmer kalkulieren derzeit kein Szenario einer groß angelegten Energiekrise ein. Zum Vergleich: Im Frühjahr stieg Brent in einer impulsiven Bewegung auf 110–120 US-Dollar pro Barrel als Reaktion auf die heiße Phase des Nahostkonflikts. Heute hingegen tut sich Rohöl schwer, sich überhaupt in der Nähe von 90 US-Dollar zu halten, obwohl es derzeit keine klaren Deeskalationssignale gibt.
Zweitens wird die Entwicklung des Greenback derzeit weniger von der Geopolitik als von den Erwartungen an die nächsten Schritte der Fed bestimmt, insbesondere nach den jüngsten US-CPI- und PPI-Daten. Während im Frühjahr der Status als sicherer Hafen die US-Währung bei Eskalationsspitzen fast automatisch stützte, werden die Dollarbewegungen inzwischen primär durch Erwartungen an die Geldpolitik gesteuert. Laut dem CME FedWatch Tool ist die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung auf der bevorstehenden Juli-Sitzung auf 12 % gefallen, während sie vor den Inflationsveröffentlichungen bei nahezu 40 % lag.
Ein dritter Grund für die verhaltene Reaktion von EUR/USD besteht darin, dass Marktteilnehmer die aktuelle Eskalation bislang als vorübergehendes Phänomen betrachten. Dies ist möglicherweise der entscheidende psychologische Faktor. Investoren bewerten weniger den Schlagabtausch selbst, sondern vor allem die Wahrscheinlichkeit weiterer Entwicklungen. Solange das Basisszenario eine Rückkehr auf diplomatische Kanäle bleibt, erscheinen langfristige Wetten auf einen starken Dollar riskant. In einem solchen Umfeld wird der Greenback hauptsächlich durch episodische Risk-off-Bewegungen und Safe-Haven-Flüsse gestützt, nicht durch eine nachhaltige Veränderung der Markterwartungen.
Aus diesem Grund haben die Märkte in den vergangenen Wochen ein einheitliches Reaktionsmuster auf geopolitische Schocks gezeigt: Zunächst lösen beunruhigende Nachrichten Dollargewinne aus, doch dieser Impuls erschöpft sich schnell, und die Händler richten ihre Aufmerksamkeit wieder auf die „übliche“ Agenda – Makrodaten, Kommentare von Fed/ECB, Zinsaussichten und dergleichen.
Der gestrige Handelstag ist in diesem Zusammenhang aufschlussreich. In Reaktion auf eine neue Eskalationswelle im Nahen Osten fiel das Währungspaar impulsiv um rund 50 Pips und spiegelte damit eine breitere Dollar-Stärke wider. Doch die Verkäufer konnten den Rückgang nicht ausbauen und den Kurs nicht unter der etablierten Spanne schließen: EUR/USD blieb innerhalb der 1,14er-Marke, in der das Paar nun schon die vierte Woche in Folge gehandelt wird.
Daher erscheint es mir weiterhin sinnvoll, Long-Positionen bei Rücksetzern der Notierungen nach Süden in Betracht zu ziehen. Ein zusätzliches Argument für dieses Szenario ist die in den globalen Medien wieder aufgeflammte Diskussion über mögliche Aussichten auf einen Waffenstillstand zwischen Washington und Teheran. Axios berichtet, dass Donald Trump derzeit zwei Optionen prüft: einen zehntägigen Waffenstillstand oder die Fortsetzung des Konflikts. Laut hochrangigen, von dem Medium zitierten Quellen haben Pakistan, Katar, Ägypten und andere Vermittler Iran und den USA eine zehntägige Aussetzung der Feindseligkeiten vorgeschlagen. Der Vorschlag sieht vor, dass in dieser Zeit die Schifffahrt durch die Straße von Hormus wiederhergestellt und versucht wird, sich auf längerfristige Regeln für die Durchfahrt von Schiffen zu einigen. Quellen von Axios zufolge prüft das Weiße Haus dieses Angebot „sehr sorgfältig“. Gleichzeitig haben die Vereinigten Staaten Dutzende von Kampfjets und Tankflugzeugen in die Region verlegt, um sich auf eine mögliche groß angelegte gemeinsame Operation mit Israel gegen Iran vorzubereiten.
Experten sind uneins über die Erfolgsaussichten dieser Initiative. Einige Analysten sind der Auffassung, Washington werde den Vorschlag ablehnen und den Druck auf Teheran lieber mit militärischen Mitteln weiter erhöhen. Andere wiederum glauben, Trump werde für einige Tage eine harte Linie als Reaktion auf US-Verluste beibehalten, dann aber bereit sein, den von den Vermittlern vorgelegten Waffenstillstandsvorschlag zu prüfen.
Damit wird der weitere Verlauf von EUR/USD maßgeblich davon abhängen, welches dieser Szenarien eintritt. Setzt sich die Entwicklung in Form einer begrenzten Eskalation fort, dürfte das Paar mit hoher Wahrscheinlichkeit weiterhin innerhalb der etablierten Spanne von 1,1410–1,1470 konsolidieren. Sollten Washington und Teheran hingegen tatsächlich auf einen zeitweiligen Waffenstillstand zusteuern (oder Verhandlungen über eine dauerhaftere Feuerpause aufnehmen), hätten die Käufer die Chance, nicht nur die obere Begrenzung dieser Spanne (also 1,1470) zu testen, sondern auch darüber zu schließen und sich in Richtung der 1,15er-Marke vorzuarbeiten.