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FX.co ★ EUR/USD. EZB-Sitzung im Juli: Ausblick

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Analysen:::2026-07-22T22:46:39

EUR/USD. EZB-Sitzung im Juli: Ausblick

Am Donnerstag, den 23. Juli, wird die Europäische Zentralbank ihre nächste Sitzung abhalten, nach der voraussichtlich alle geldpolitischen Parameter unverändert bleiben. Dies ist das Basisszenario und zugleich das am meisten erwartete Szenario, das bereits eingepreist ist. Daher richtet sich die Hauptaufmerksamkeit der Trader auf die begleitende Erklärung und die Pressekonferenz mit Christine Lagarde.

EUR/USD. EZB-Sitzung im Juli: Ausblick

Auf den ersten Blick würden die jüngsten makroökonomischen Daten eigentlich für einen dovishen Kurs der EZB sprechen. So hat sich die Inflation im Euroraum im Juni von 3,2 % im Mai auf 2,8 % im Jahresvergleich verlangsamt. Auch die wirtschaftliche Aktivität in der Region bleibt schwach: Das BIP-Wachstum der Eurozone wird nur auf 0,2 % geschätzt, und die Wachstumsaussichten verschlechtern sich weiter. Noch vor wenigen Wochen erlaubten diese Faktoren den Märkten, für die zweite Jahreshälfte mit einer möglichen Zinssenkung zu rechnen.

Die Lage hat sich jedoch nach einer neuen Eskalationsrunde im Nahen Osten deutlich verändert. Der starke Anstieg der Ölpreise im vergangenen Monat hat die EZB erneut vor das Problem einer potenziellen zweiten Welle inflationsbedingter Belastungen gestellt. Für die europäische Volkswirtschaft, die in hohem Maße von Energieimporten abhängig ist, bedeutet ein Anstieg der Ölpreise nicht nur eine höhere Gesamtinflation, sondern auch das Risiko erneut steigender Produktionskosten, Transportausgaben und Dienstleistungspreise. Aus diesem Grund haben viele Mitglieder des EZB-Rats in den vergangenen Wochen ihren Ton sichtbar verschärft.

Ein weiteres „Warnsignal“ für die Notenbank ist die Hartnäckigkeit der Kerninflation. Trotz der Verlangsamung beim Gesamt-CPI bleiben die inländischen Preisspannungen aufgrund des Lohnwachstums und eines relativ robusten Arbeitsmarktes recht stark. Für die EZB sind diese Komponenten zentral und in hohem Maße ausschlaggebend, da sie langfristige Inflationsprozesse widerspiegeln und nicht nur vorübergehende Schwankungen der Energiepreise.

Das EZB-Treffen im Juli wird daher kaum als „dovish“ einzustufen sein. Das wahrscheinlichste Szenario ist eine „hawkishe Pause“. Das bedeutet, dass die Notenbank alle Parameter der Geldpolitik unverändert lässt, dabei jedoch eine relativ harte Rhetorik wählt. Konkret wird Lagarde bekräftigen, dass die EZB „vollständig datenabhängig“ bleibt, sich zu keinerlei Schritten im Voraus verpflichtet und „bereit ist, im Falle einer Verschlechterung des Inflationsausblicks entschlossen zu handeln“. Im Kern handelt es sich um einen Standardsatz an Formulierungen, den Lagarde bereits mehrfach verwendet hat. Vor dem Hintergrund des schnellen Anstiegs der Ölpreise könnten diese Standardformulierungen jedoch neue Bedeutung gewinnen, da die Risiken einer neuen Welle inflationsbedingter Spannungen deutlich zugenommen haben.

Zugleich wird Lagarde voraussichtlich vermeiden, beim September-Treffen einen möglichen Zinsschritt nach oben anzudeuten, um die Ausgewogenheit ihrer Kommunikation zu wahren.

Auch die großen Investmentbanken gehen überwiegend davon aus, dass das wahrscheinlichste Ergebnis der Juli-Sitzung ein Szenario einer „hawkishen Pause“ sein wird.

So erwarten etwa die Analysten von ING, dass die EZB die Zinsen unverändert lässt, Lagardes Auftritt aber klar hawkish geprägt sein wird. Ihrer Ansicht nach wird eine Zinserhöhung im September zum Basisszenario, sofern die Ölpreise auf dem aktuellen Niveau verharren oder mittelfristig weiter steigen.

Ökonomen von Citigroup rechnen ebenfalls nicht mit einer Veränderung der Zinsen im Juli, halten aber einen Zinsschritt bis Jahresende für möglich, falls die hohen Energiepreise in ein anhaltendes Plus bei Kerninflation und Löhnen umzuschlagen beginnen.

Eine ähnliche Haltung vertreten Analysten von Bank of America. Das Institut ist der Auffassung, dass die Erholung der Energiepreise die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im September deutlich erhöht. Langfristig gehen die Experten von BoA jedoch weiterhin davon aus, dass die Inflation zum Zielwert von 2 % zurückkehrt und sich die Geldpolitik schrittweise lockert.

Insgesamt erwarten laut einer Reuters-Umfrage rund 70 % der Ökonomen bis Ende des Jahres noch eine weitere Zinserhöhung der EZB, wobei der September am häufigsten als wahrscheinlichster Monat genannt wird. Zugleich ist nahezu ein Drittel der befragten Experten der Meinung, dass die Beschleunigung der Inflation im Juni sich als vorübergehend erweisen könnte, sodass die EZB tatsächlich auf zusätzliche Straffung verzichten könnte.

Damit dürften die formalen Ergebnisse der Juli-Sitzung eher neutral ausfallen, während die begleitende Erklärung und die Rhetorik Lagardes spürbar straffer sein werden, als noch vor einem Monat erwartet wurde. Die jüngsten makroökonomischen Daten könnten zwar durchaus einen weicheren Ton rechtfertigen; der erneute Anstieg der Ölpreise und die erhöhten Inflationsrisiken werden die EZB jedoch daran hindern, auch nur anzudeuten, dass eine baldige Lockerung der Geldpolitik bevorstehen könnte.

Die Reaktion des Euro hängt davon ab, wie „hawkish“ sich Lagardes Ton letztlich gestaltet. Der Markt dürfte die üblichen vagen Formulierungen, wonach weitere Entscheidungen von den eingehenden Daten abhängen, weitgehend ignorieren. Schon ein theoretischer Hinweis auf die Möglichkeit einer Zinserhöhung in absehbarer Zeit würde dem Euro jedoch spürbaren Rückhalt geben und damit auch den Käufern von EUR/USD. In diesem Fall dürfte das Währungspaar die obere Begrenzung der etablierten Handelsspanne von 1,1410–1,1470 testen, die der oberen Linie der Bollinger-Bänder-Indikators im D1-Zeitrahmen entspricht.

Analyst InstaForex
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