Am Dienstag prallte das Währungspaar EUR/USD vom 61,8%-Fibonacci-Retracement-Niveau bei 1,1507 nach oben ab, drehte zugunsten des Euro und begann, in Richtung des 76,4%-Fibonacci-Retracement-Niveaus bei 1,1551 vorzurücken. Ein erneuter Abprall von diesem Niveau würde heute den US‑Dollar begünstigen und einen weiteren Rückgang in Richtung 1,1507 auslösen. Eine Konsolidierung oberhalb von 1,1551 würde es den Tradern ermöglichen, mit weiteren Zugewinnen in Richtung des nächsten 100,0%-Fibonacci-Retracement-Niveaus bei 1,1620 zu rechnen.

Die Wellenstruktur im Stundenchart ist in einen Aufwärtstrend übergegangen. Zwar hat die letzte abgeschlossene Abwärtswelle das vorherige Tief nach unten durchbrochen, doch die jüngste Aufwärtswelle hat zugleich das vorherige Hoch übertroffen. Geopolitische Entwicklungen haben die Hoffnung genährt, dass die Straße von Hormus noch in dieser Woche wieder geöffnet werden könnte. Iran, die Vereinigten Staaten und Oman verhandeln derzeit über die Kontrolle des Transits durch die Meerenge. Infolgedessen wirken geopolitische Faktoren momentan belastend für den Dollar, während die zuvor ausgeprägten, „hawkish“ geprägten Erwartungen des Marktes in Bezug auf die Geldpolitik des FOMC weiter nachlassen.
Der Nachrichtenfluss am Dienstag verschaffte den Bullen die Gelegenheit für einen moderaten Vorstoß, den sie erfolgreich genutzt haben. Der JOLTS-Bericht zu offenen Stellen auf dem US-Arbeitsmarkt fiel schwächer aus als vom Markt erwartet und setzte den US‑Dollar leicht unter Druck. Heute erklärte Donald Trump, dass eine Einigung zur Wiedereröffnung der Straße von Hormus zwischen Oman, Iran und den Vereinigten Staaten möglicherweise schon heute erzielt werden könnte, was die Attraktivität des Dollars als „sicherer Hafen“ zusätzlich belastet. Trotz der Erwartung, dass Öllieferungen wieder aufgenommen werden und die Energiepreise sinken dürften, verzeichnet der Dollar jedoch keinen starken Rückgang. Marktteilnehmer begegnen allen Ankündigungen über eine mögliche Einigung mit Vorsicht, insbesondere solchen, die persönlich von Donald Trump gemacht werden. Trader haben in der Vergangenheit bereits zahlreiche Abkommen erlebt, die angeblich „nur noch wenige Tage“ vor der Unterzeichnung standen. Daher steht der Dollar derzeit nicht im Fokus der Marktteilnehmer. Die Bullen setzen ihre Aufwärtsbewegung fort und hoffen auf zusätzliche Unterstützung durch die anstehenden Daten zum US-Arbeitsmarkt und zur Arbeitslosenquote.

Im 4-Stunden-Chart hat sich das Währungspaar oberhalb des absteigenden Trendkanals stabilisiert. Das deutet nicht nur auf eine bullische Korrektur hin, sondern auf den Beginn eines ausgewachsenen Aufwärtstrends. Die Konsolidierung oberhalb des 76,4%-Fibonacci-Retracement-Levels bei 1,1514 untermauert das Szenario einer weiteren Aufwärtsbewegung in Richtung des 61,8%-Fibonacci-Retracement-Levels bei 1,1578. Auf keinem Indikator sind derzeit neue Divergenzen zu erkennen.
Commitments of Traders (COT) Report:

In der jüngsten Berichtswoche schlossen institutionelle Händler 15.490 Long-Positionen und eröffneten 15.691 Short-Positionen. In den sieben Wochen im Februar und März verschwand der überwältigende Vorteil der Bullen infolge des Krieges unter Beteiligung des Iran. In den vergangenen achtzehn Wochen hat sich die Positionierung vor dem Hintergrund der wahrgenommenen Waffenruhe und der Markterwartung eines baldigen Konfliktendes jedoch wieder ausgeglichener entwickelt. Spekulative Trader halten derzeit etwa 205.000 Long-Positionen und 277.000 Short-Positionen. Die Bären gewinnen erneut die Oberhand.
Insgesamt halten große Marktteilnehmer weiterhin an einem positiven langfristigen Ausblick für den Euro fest. Selbstverständlich beeinflussen weltweite Ereignisse unterschiedlichster Art – an denen es in den vergangenen Jahren keinen Mangel gab – nach wie vor die Anlegerstimmung. Besonders im Fokus steht weiterhin die Lage im Nahen Osten, wo der Konflikt immer wieder zu enden scheint, nur um erneut aufzuflammen. Zunächst ignorierte der Markt die Waffenruhe, später schenkte er der Wiederaufnahme der Kampfhandlungen nur geringe Aufmerksamkeit. Infolgedessen ist die Geopolitik nicht länger der einzige Faktor, der die Richtung des Dollar bestimmt.
Wirtschaftskalender für die Vereinigten Staaten und die Eurozone:
Vereinigte Staaten
- ADP Employment Change (12:15 UTC)
- ISM Services PMI (14:00 UTC)
Der Wirtschaftskalender für den 5. August umfasst zwei Veröffentlichungen, die als wichtig eingestuft werden können. Der ADP-Bericht ist die erste zentrale Veröffentlichung zum US-Arbeitsmarkt vor den offiziellen Beschäftigungsdaten, während der ISM Services PMI für sich genommen bereits von großer Bedeutung ist. Daher könnten die Konjunkturdaten in der zweiten Hälfte der Handelssitzung am Mittwoch die Marktstimmung beeinflussen.
EUR/USD-Prognose und Trading-Tipps:
Long-Positionen könnten nach einem Rebound von 1,1507 im Stundenchart eröffnet werden, mit einem Ziel bei 1,1551. Dieses Ziel ist nun nahezu erreicht. Eine Konsolidierung oberhalb von 1,1551 würde das Halten von Long-Positionen mit einem Ziel bei 1,1620 rechtfertigen.
Short-Positionen können in Betracht gezogen werden, falls das Währungspaar im Stundenchart von 1,1551 nach unten abprallt, mit Abwärtszielen bei 1,1507 und 1,1472.
Die Fibonacci-Retracement-Gitter werden im Stundenchart von 1,1620 bis 1,1325 und im 4-Stunden-Chart von 1,1411 bis 1,1850 gezogen.