Brent ist im Zuge der Eskalation zwischen den Houthi-Milizen und Saudi-Arabien im Roten Meer wieder über 80 US-Dollar je Barrel gestiegen, doch der Aufwärtstrend bei EUR/USD scheint unaufhaltsam. Der Euro legt zu in der Hoffnung auf ein neues Abkommen zwischen den USA und dem Iran zur Wiedereröffnung der Straße von Hormus. Donald Trump sagte, die Unterschriften könnten „heute oder morgen“ geleistet werden. Axios berichtet, dass es keine Gespräche über eine Transitgebühr gibt.
Das von Energieimporten abhängige Europa könnte aufatmen, wenn Brent wieder auf das Vorkrisenniveau zurückkehrt. Die Konjunktur würde sich weiter erholen, die Wachstumsdifferenz beim BIP gegenüber den USA würde sich verringern und eine solidere Grundlage für eine EUR/USD-Rally schaffen.
Europäische Konjunkturdynamik

Auf den ersten Blick wirkt ein schwächer werdender US‑Dollar unlogisch. Die Vereinigten Staaten stehen auf einem soliden Fundament: massive Investitionen in KI und Energieexporte sorgen für Rückenwind, die Renditen von Staatsanleihen sind hoch, und die Aktienindizes testen ihre Rekordstände – alles Faktoren, die Kapital in die USA ziehen und den Greenback stärken sollten. Zudem preist der Terminmarkt weiterhin eine mögliche Straffung der Fed ein und schließt zwei Zinserhöhungen im Jahr 2026 nicht aus.
Am Devisenmarkt zählt jedoch weniger die aktuelle Momentaufnahme als vielmehr die Dynamik. Die Wachstums- und Zinsdifferenzen zwischen den USA und dem Euroraum verringern sich. Die Chancen auf eine weitere Straffung durch die Fed sinken. Allein das reicht aus, damit EUR/USD allmählich weiter steigt. ANZ rechnet damit, dass der Dollar sich bis zum Jahresende weiter abschwächen wird, da sich die Makrodaten verschlechtern und die Wahrscheinlichkeit weiterer Straffungsschritte der Geldpolitik sinkt – auch wenn dieser Prozess nicht überstürzt verlaufen dürfte.
S&P 500, EuroStoxx 600 und EPS‑Entwicklung

Europäische Anlagen sind 2026 bereit, mit US?Assets zu konkurrieren. Der EuroStoxx 600 ist weniger stark in KI-bezogene Technologiewerte investiert, die US-Investoren derzeit abstoßen. In Verbindung mit einem Gewinnwachstum von 16 % im zweiten Quartal, fallenden Ölpreisen, positiven Signalen aus der Konjunktur im Euroraum und einer geringeren Wahrscheinlichkeit weiterer Zinserhöhungen durch die EZB wirken europäische Emittenten gut unterstützt. Kapitalzuflüsse aus den USA und Asien in die Region sorgen für Rückenwind für EUR/USD.

Trotz der robusten US-Konjunkturdaten, der Attraktivität amerikanischer Vermögenswerte und der Markterwartung weiterer Fed-Zinserhöhungen führen ein sich verringernder BIP‑Unterschied sowie Kapitalzuflüsse nach Europa dazu, dass der Dollar verstärkt verkauft wird.
Aus technischer Sicht versucht EUR/USD auf dem Tageschart, den Aufwärtstrend wieder aufzunehmen. Wir bevorzugen weiterhin eine Long-Strategie. Ein Ausbruch über den Widerstand bei 1,1555 wäre ein Signal, bestehende Long-Positionen aufzustocken.