Die Reserve Bank of Australia hält am Dienstag ihre Sitzung für den Monat August ab. Die überwiegende Mehrheit der Analysten geht davon aus, dass die Zentralbank alle geldpolitischen Parameter unverändert lässt, einschließlich des Leitzinses bei 4,35 %.

Ein „Abwarten-und-Sehen“-Ergebnis käme nicht überraschend. Nach drei aufeinanderfolgenden Zinserhöhungen legte die Zentralbank im Juni eine Pause ein, während neue Daten zur Inflation und zum australischen Arbeitsmarkt die Notwendigkeit einer weiteren Straffung der Geldpolitik verringert haben. Die Hauptfrage der Juli-Sitzung liegt daher woanders: Wird die Pause im August „dovish“ ausfallen? Wenn die RBA die anhaltenden Inflationsrisiken betont und sich auf die Probleme der Binnennachfrage und des Arbeitsmarktes konzentriert, wird der australische Dollar erheblich unter Druck geraten. Die Wahrscheinlichkeit eines solchen Szenarios ist angesichts des aktuellen makroökonomischen Umfelds recht hoch.
Das wichtigste Argument für eine Abschwächung der Rhetorik der RBA ist der Inflationsbericht für Juli aus Australien. Der vierteljährliche Verbraucherpreisindex (CPI) ist im zweiten Quartal dieses Jahres nur um 0,6 % gestiegen, nach einem Anstieg von 1,4 % im vorangegangenen Berichtszeitraum. Die jährliche Inflationsrate verlangsamte sich auf 4,0 % gegenüber zuvor 4,1 %. In diesem Zusammenhang sind auch die Kerninflationsdaten von Bedeutung: Der „trimmed mean“ stieg um 0,8 %, während die meisten Analysten mit einem stärkeren Anstieg von 0,9 % gerechnet hatten. Auf Jahressicht erhöhte sich der Kernindex um 3,6 %. Einerseits liegt dieser Wert weiterhin über der Zielspanne der RBA von 2–3 %, andererseits zeigt er nicht mehr das Tempo, das der Zentralbank zuvor Sorge bereitet hatte.
Erwähnenswert ist auch die Struktur der Verlangsamung der vierteljährlichen Inflation. Die Senkung der Mineralölsteuer spielte eine Schlüsselrolle bei der Dämpfung des CPI. Die Regierung hat die Verbrauchsteuer vorübergehend reduziert, was zusammen mit anderen Maßnahmen (wie der Freigabe von Reserven) dazu beigetragen hat, die Benzinpreise zu senken. Das ist wichtig, weil gerade der Energieschock im Zuge der sich zuspitzenden Konflikte im Nahen Osten zuvor das Risiko eines neuen Inflationsschubs dargestellt hatte. Nun wird Kraftstoff jedoch trotz der anhaltenden Spannungen zwischen den USA und Iran zu einer Quelle der Disinflation.
Zusätzlichen Druck auf den vierteljährlichen CPI-Wert übten inländische Transporttarife und Tourismusdienstleistungen aus.
Mit anderen Worten: Das Inflationsbild in Australien bleibt recht uneinheitlich. Die wichtigste Quelle des Preisdrucks ist der Wohnungssektor – die Preise in dieser Kategorie sind im Jahresvergleich um 6,8 % gestiegen (neue Wohnimmobilien um 5,8 %, Mieten um 3,6 %). Die Strompreise haben sich deutlich erhöht, um 22,4 %. Dabei gibt es jedoch eine wichtige Nuance: Ein derart sprunghafter Anstieg der Strompreise hängt mit dem Auslaufen staatlicher Subventionen zusammen, es handelt sich also nicht um einen klassischen, nachfrageseitig getriebenen Inflationsimpuls.
Ein weiteres Argument für eine „dovish“ Rhetorik der RBA ist die Lage am Arbeitsmarkt. Auch hier zeigt sich ein eher zwiespältiges Bild. Im Juni stieg die Beschäftigung um beachtliche 76.300 Personen. Auf den ersten Blick wirkt dies zwar wie ein starkes Ergebnis, doch das gilt nur formal, da rund zwei Drittel dieses Zuwachses auf Teilzeitstellen entfielen (47.000 Teilzeitstellen gegenüber 29.300 Vollzeitstellen). Die Arbeitslosenquote stieg auf 4,4 %, und die Zahl der Arbeitslosen nahm um 12.700 zu. Die gesamte Unterauslastung des Arbeitskräftepotenzials erreichte 10,9 %.
All dies deutet darauf hin, dass das Wachstum der „Headline“-Kennzahl den tatsächlichen Zustand des Arbeitsmarktes nicht widerspiegelt. Auch andere Indikatoren in diesem Bereich sprechen nicht für den Aussie. So sank insbesondere die Zahl der offenen Stellen um 2,1 % auf 329.000. Dies ist der erste vierteljährliche Rückgang seit Mitte des letzten Jahres, und die negative Dynamik wurde sowohl im privaten als auch im öffentlichen Sektor verzeichnet (am stärksten im Finanz-, Vermittlungs- und Gastgewerbesektor).
Zugleich blieb das Lohnwachstum im jüngsten verfügbaren Bericht (für das erste Quartal) mit 3,3 % im Jahresvergleich recht moderat. Neuere Daten (für das zweite Quartal) werden nach der RBA-Sitzung veröffentlicht, konkret am 19. August.
Aus meiner Sicht hat die RBA daher allen Grund, ein Szenario einer „dovish pause“ umzusetzen. Die Zentralbank wird kaum den Sieg über die Inflation verkünden: Der Kernindex liegt weiterhin über der Zielspanne, und die Inflation im Wohnungs- und Dienstleistungssektor erweist sich als hartnäckig. Die jüngsten Daten deuten jedoch darauf hin, dass sich die Effekte der bisherigen geldpolitischen Straffung allmählich bemerkbar machen: Der Inflationsdruck lässt nach, die Anspannung am Arbeitsmarkt nimmt ab, und die Zahl der offenen Stellen geht zurück. Damit könnte die RBA signalisieren, dass der aktuelle Leitzins bereits die notwendige „abkühlende“ Wirkung auf die Wirtschaft ausübt und weitere Erhöhungen nicht Teil ihres Basisszenarios sind. Eine solche Rhetorik könnte Druck auf den australischen Dollar und damit auf das Währungspaar AUD/USD ausüben.
Aus technischer Sicht bewegt sich das Paar zwischen der mittleren und der oberen Linie der Bollinger-Bänder im Vier-Stunden-Chart und oberhalb aller Linien des Ichimoku-Indikators. Vor diesem Hintergrund erscheint es sinnvoll, Short-Positionen erst dann in Betracht zu ziehen, wenn der Kurs unter das Unterstützungsniveau von 0,7060 fällt (wo die mittlere Linie der Bollinger-Bänder mit den Linien Tenkan-sen und Kijun-sen im H4-Zeitrahmen zusammenfällt). Das Hauptziel der Abwärtsbewegung liegt im Bereich von 0,7000 (die mittlere Linie der Bollinger-Bänder, die mit der Tenkan-sen-Linie im D1-Zeitrahmen zusammenfällt).