Am Montag setzte das Währungspaar EUR/USD seine Abwärtsbewegung fort, nachdem es vom 127,2%-Retracement-Niveau bei 1,1700 abgeprallt war, und näherte sich dem 100,0%-Retracement-Niveau bei 1,1620. Ein Rebound von 1,1620 würde den Euro begünstigen und auf eine Wiederaufnahme des Anstiegs in Richtung 1,1700 hindeuten. Eine Konsolidierung unterhalb von 1,1620 würde es Tradern ermöglichen, mit einem weiteren Rückgang in Richtung des nächsten Fibonacci-Niveaus von 76,4% bei 1,1551 zu rechnen.

Die Wellensituation im Stundenchart bleibt „bullish“. Die letzte abgeschlossene Abwärtswelle hat das vorherige Tief nicht durchbrochen, während die letzte Aufwärtswelle das vorherige Hoch überwunden hat. Die geopolitische Entwicklung bleibt durchgehend negativ: Zwischen Iran und den Vereinigten Staaten finden keine Verhandlungen statt, und die Blockade der Straße von Hormus besteht fort. Dennoch ist der Kurs der FOMC, der weiterhin höchst widersprüchlich bleibt, für den Dollar derzeit von größerer Bedeutung.
Am Montag fehlte ein fundamentaler Nachrichtenhintergrund. Es gab im Tagesverlauf weder Berichte noch Ereignisse. Dies hat die Trader jedoch nicht besonders gestört. Die Bullen legten eine Pause in ihren Angriffen ein, während die Bären diese Verschnaufpause nutzten und den Wechselkurs nach und nach nach unten drückten. Die Bären haben im Moment allerdings nur geringe Perspektiven. Sie könnten morgen zum Zug kommen, falls die US-Konjunkturdaten stärker ausfallen als in den vergangenen zwei Monaten. Im Fokus der Trader stehen dabei insbesondere der BIP-Bericht und der PCE-Preisindex. Ersterer wird zeigen, wie stark sich die US-Wirtschaft im zweiten Quartal gemäß der zweiten Schätzung verlangsamt hat, während Letzterer aufzeigen wird, wie stark die Preise für Kernkonsumausgaben im Juli gestiegen sind. Persönlich halte ich den PCE-Index nicht für besonders wichtig, zudem hinkt er in der Regel der Gesamt- und Kerninflation hinterher. Der Markt kennt die Inflationsdaten für Juli bereits, daher dürfte der PCE-Index die grundlegenden Einschätzungen der Trader kaum verändern. Die Inflation in den Vereinigten Staaten verlangsamt sich, bewegt sich dabei jedoch im Rahmen einer akzeptablen Gegenbewegung, die durch die Pause im Konflikt zwischen den Vereinigten Staaten und Iran im Juni und Juli verursacht wurde. Der Konflikt ist im August wieder aufgeflammt, die Ölpreise sind gestiegen, sodass für diesen Monat auch mit einem Anstieg der Gesamtinflation zu rechnen ist.

Im 4-Stunden-Chart hat sich das Währungspaar oberhalb des 61,8%-Retracement-Levels bei 1,1649 stabilisiert. Damit könnte die Aufwärtsbewegung des Euro in Richtung des nächsten Fibonacci-Levels bei 76,4% bzw. 1,1726 anhalten. Der aufwärts gerichtete Trendkanal signalisiert einen ausgeprägten „bullischen“ Aufwärtstrend. Mit einer Stärkung des US-Dollars ist erst zu rechnen, wenn der Kurs unterhalb des Kanals schließt. Aktuell sind keine neuen Divergenzen zu erkennen, jedoch ist der RSI-Indikator in den überkauften Bereich (über 80) vorgedrungen, was auf eine mögliche korrektive Gegenbewegung hindeutet.
Commitments of Traders (COT) Report:

In der letzten Berichtswoche schlossen professionelle Händler 945 Long-Positionen und 1.876 Short-Positionen. Innerhalb von sieben Wochen im Februar und März verschwand der überwältigende Vorteil der Bullen infolge des Krieges im Iran, während sich die Situation in den vergangenen einundzwanzig Wochen angesichts der angeblichen Waffenruhe und der Markterwartungen auf ein Kriegsende etwas ausgeglichener gestaltet. Die Gesamtzahl der von Spekulanten gehaltenen Long-Positionen liegt derzeit bei 196.000, während die Zahl der Short-Positionen bei 255.000 liegt. Die Bären übernehmen damit wieder die Führungsrolle.
Insgesamt zeigen die großen Marktteilnehmer langfristig weiterhin ein deutlich höheres Interesse am Euro. Zweifellos wirken sich die verschiedensten Ereignisse weltweit – an denen es in den letzten Jahren nicht gemangelt hat – auf die Anlegerstimmung aus. Der Markt beobachtet derzeit insbesondere die Lage im Nahen Osten sehr genau, wo der Krieg scheinbar endet, nur um dann wieder aufzuflammen. Zunächst ignorierte der Markt die Waffenruhe, danach ignorierte er die Wiederaufnahme der Kampfhandlungen. Damit bestimmt die Geopolitik das Schicksal des Dollars nicht mehr allein.
Wirtschaftskalender für die Vereinigten Staaten und die Europäische Union:
- Deutschland – endgültige BIP-Zahl für das zweite Quartal (06:00 UTC).
- Deutschland – Ifo-Geschäftsklimaindex (08:00 UTC).
- USA – wöchentlicher ADP-Arbeitsmarktbericht (12:15 UTC).
- USA – CP Consumer Confidence Index (14:00 UTC).
- USA – Verkäufe neuer Häuser (14:00 UTC).
Am 25. August enthält der Wirtschaftskalender fünf Termine, von denen ich keinen als besonders wichtig einstufen würde. Der Einfluss des konjunkturellen Umfelds auf die Marktstimmung wird am Dienstag äußerst gering oder gar nicht spürbar sein.
EUR/USD-Prognose und Trading-Ideen:
Käufe des Währungspaares sind möglich, wenn es sich im Stundenchart oberhalb von 1,1700 behauptet oder von 1,1620 nach oben abprallt. Verkaufstrades waren nach einem Abprall von 1,1700 im Stundenchart mit einem Ziel bei 1,1620 möglich. Diese Positionen können heute offen gehalten werden.
Die Fibonacci-Raster werden im Stundenchart von 1,1620–1,1325 und im 4-Stunden-Chart von 1,1849–1,1325 gezogen.