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FX.co ★ EUR/USD. Hallo September: ISM, JOLTS, ADP, NFP und das „Echo“ von Jackson Hole

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Analysen:::2026-08-31T07:42:03

EUR/USD. Hallo September: ISM, JOLTS, ADP, NFP und das „Echo“ von Jackson Hole

Die neue Woche verspricht erkenntnisreich und dementsprechend volatil zu werden. Diese Volatilität ergibt sich nicht nur aus dem prall gefüllten Wirtschaftskalender, sondern auch aus dem besonderen „Echo“ der Rede von Kevin Warsh in Jackson Hole. Seine Rhetorik lässt sich im Kern aus verschiedenen Blickwinkeln interpretieren: Einerseits machte der Fed-Vorsitzende unmissverständlich klar, dass der Kampf gegen die Inflation noch nicht vorbei ist, andererseits ließ er die Tür für Entscheidungen offen, die sich an den eingehenden Konjunkturdaten orientieren würden.

EUR/USD. Hallo September: ISM, JOLTS, ADP, NFP und das „Echo“ von Jackson Hole

Es ist wichtig festzuhalten, dass die meisten Marktteilnehmer Warshs Rede als „hawkish“ einstuften (zu erkennen an der Dynamik des Dollars am Freitag). Tatsächlich erklärte der Fed Chair, dass die aktuelle Inflation in den USA weiterhin zu hoch sei, was bedeutet, dass die Frage einer weiteren Straffung der Geldpolitik auf der Agenda bleibt. Angesichts des anhaltend erhöhten Inflationsdrucks wirkt dieses Signal durchaus logisch: Der Kern-PCE-Index verharrte im Juli auf dem Juni-Niveau von 3,3 % im Jahresvergleich und liegt damit deutlich über dem Ziel der Fed.

Meiner Ansicht nach wurde dabei jedoch Warshs zentrale Botschaft etwas überdeckt – nämlich, dass weitere Entscheidungen der amerikanischen Notenbank in erster Linie von den eingehenden makroökonomischen Daten abhängen werden. In diesem Zusammenhang ist die Inflation zwar ein wichtiger, aber nicht der einzige Parameter. Man sollte sich daran erinnern, dass der US-Arbeitsmarkt Anzeichen einer Abkühlung zeigt, während sich das Wachstumstempo der amerikanischen Wirtschaft im zweiten Quartal auf 1,5 % im Jahresvergleich verlangsamte, nach einem Zuwachs von 2,1 % im ersten Quartal. Sollten die Veröffentlichungen in dieser Woche eine nach der anderen im roten Bereich liegen, wird Warshs Haltung „primär auf die Makrodaten zu schauen“ eine neue Bedeutung bekommen – eine, die sich gegen den Dollar richten könnte.

Deshalb wird die erste Septemberwoche für das Währungspaar EUR/USD von großer Bedeutung sein, da in den kommenden Tagen die ISM-Indizes für das Verarbeitende Gewerbe und den Dienstleistungssektor, der JOLTS-Bericht sowie die ADP-Daten veröffentlicht werden. Abschließend folgen die Non-Farm Payrolls für August. Im Grunde steht der Dollar damit vor mehreren aufeinanderfolgenden Tests, wobei der letzte potenziell ausschlaggebend sein könnte.

ISM-Indizes

Die erste ernsthafte Bewährungsprobe für die US-Währung werden die ISM-Indizes sein. Am Dienstag, dem 1. September, wird in den USA der ISM-Index für das Verarbeitende Gewerbe im August veröffentlicht. Im Juli ist dieser Indikator überraschend auf 55,6 Punkte gestiegen und hat damit ein neues Jahreshoch markiert, sodass selbst ein leichter Rückgang noch nicht auf eine Verschlechterung der Lage hindeutet. Die aktuelle Prognose geht von einem minimalen Rückgang auf 55,2 Punkte aus.

In der aktuellen Konstellation ist allerdings nicht nur die „Überschriftzahl“ an sich entscheidend, sondern auch ihre innere Struktur. Im Fokus des Marktes werden insbesondere die Beschäftigungskomponente, die Entwicklung der neuen Aufträge sowie der Preisindex stehen. Letzterer lag im Juli bei 71,1 Punkten und damit deutlich oberhalb der neutralen Marke von 50 Punkten, was auf anhaltenden Preisdruck hindeutet. Ein starker ISM-Wert in Verbindung mit einer hohen Preis-Komponente könnte daher die „hawkishen“ Erwartungen erneut verstärken und dem Greenback zusätzliche Unterstützung liefern. Sollte die Inflationskomponente hingegen entgegen den Prognosen deutlich zurückgehen, geriete der Dollar unter Druck – selbst dann, wenn die Überschriftzahl den Erwartungen entspricht.

Am Donnerstag wird dann der ISM-Index für den Dienstleistungssektor veröffentlicht. Auch hier rechnet der Konsens nicht mit einer deutlichen Verschlechterung: Die Prognose liegt bei etwa 54,1–54,4 Punkten gegenüber 54,1 im Juli.

Mit anderen Worten: Das Basisszenario der Prognosen deutet darauf hin, dass sich die US-Wirtschaft weiterhin in einer Zone stabilen Wachstums befindet. Sollten jedoch beide Indizes deutlich unter den Erwartungen liegen (also näher an die „rote Linie“ von 50 Punkten heranrücken), bekäme der Markt das erste ernsthafte Argument dafür, dass die US-Wirtschaft tatsächlich beginnt, an Dynamik zu verlieren. Dies wäre eine direkte Bestätigung des zweiten Teils von Warshs „Freitagsbotschaft“.

Arbeitsmarkt: der wichtigste Test für den Greenback

Ein noch bedeutenderer Block an Makrodaten in der kommenden Woche betrifft den Zustand des amerikanischen Arbeitsmarktes.

Die erste wichtige Veröffentlichung ist der JOLTS-Bericht für Juli, der eine Einschätzung der Arbeitskräftenachfrage und der Stabilität des Arbeitsmarktes liefert. Im Juni lag die Zahl der offenen Stellen bei 7,36 Millionen, nach 7,54 Millionen im Vormonat. Diesmal wird ein weiterer Rückgang auf etwa 7,33 Millionen erwartet. Sollte die tatsächliche Zahl tatsächlich sinken, wäre dies ein Hinweis auf eine allmähliche Abkühlung der Arbeitskräftenachfrage. Besondere Aufmerksamkeit gilt der Zahl der Einstellungen und Entlassungen sowie der Dynamik freiwilliger Kündigungen. Aus der Kombination dieser Komponenten lässt sich besser ableiten, wie stabil der Arbeitsmarkt insgesamt noch ist.

Am Mittwoch folgt dann der ADP-Bericht, der häufig als „Vorläufer“ der Non-Farm Payrolls betrachtet wird. Dem vorherigen Bericht zufolge schuf der US-Privatsektor im Juli lediglich 44.000 neue Stellen, was auf ein eher bescheidenes Einstellungsniveau hindeutet. Die Prognosen gehen davon aus, dass ADP im Juli einen schwachen Wert von 47.000 ausweisen wird. Jeder Wert, der deutlich unter diesen Erwartungen liegt, dürfte den Druck auf den Dollar vor dem wichtigsten Makroereignis der Woche – dem NFP-Bericht für August – verstärken.

Die anstehenden Non-Farm Payrolls könnten das fundamentale Bild für das Währungspaar EUR/USD tatsächlich deutlich „umfärben“. Zur Erinnerung: Im Juli hat die US-Wirtschaft überraschend 23.000 Stellen verloren, anstatt – wie erwartet – rund 85.000 neue Stellen zu schaffen. Nach Einschätzung der meisten Analysten wurden im August lediglich 58.000 Stellen geschaffen (ein sehr moderater Beschäftigungsaufbau). Gleichzeitig soll die Arbeitslosenquote auf dem Juni-Niveau von 4,1 % verharren.

Die Arbeitslosenquote darf jedoch nicht losgelöst von der Entwicklung der Erwerbsquote betrachtet werden, die im Juli auf 61,4 % zurückgegangen ist. Bleibt die Arbeitslosenquote im August zwar bei 4,1 %, sinkt der Anteil der erwerbsfähigen Bevölkerung aber erneut, dürfte der Dollar unter Druck geraten. Das würde bedeuten, dass das niedrige Arbeitslosenniveau nur durch einen weiteren Rückgang des Arbeitskräfteangebots aufrechterhalten wird: US-Bürger verlassen aus unterschiedlichen Gründen den Arbeitsmarkt und werden in der Folge nicht mehr als arbeitslos gezählt. Genau dieser Mechanismus war im Juli zu beobachten, weshalb die Arbeitslosenquote auf dem Vormonatsniveau blieb.

Daher wird es im Freitagsbericht nicht nur auf die Höhe der Arbeitslosenquote an sich ankommen, sondern auch auf die Faktoren, die ihre Veränderung oder Stabilität erklären. Steigen Beschäftigung und Erwerbsquote, während die Arbeitslosenquote stabil bleibt, wäre dies ein klar positives Signal für den Dollar. Bleibt die Arbeitslosigkeit hingegen nur deshalb niedrig, weil das Arbeitskräfteangebot weiter schrumpft (bei gleichzeitig schwachem Beschäftigungszuwachs), gerät der Greenback erneut – und recht deutlich – unter Druck.

Fazit

Mit seiner vielbeachteten Rede in Jackson Hole hat Warsh das letzte Wort im Grunde den Makrodaten überlassen. Zwar hat er die Inflation als Problem benannt, zugleich aber auch die Abhängigkeit der weiteren Politik von anderen zentralen Konjunkturindikatoren hervorgehoben. Schwache Makrodaten können daher nicht nur die „hawkishe“ Wirkung vom Freitag neutralisieren, sondern sie sogar vollständig ins Gegenteil verkehren. Sollten ISM, JOLTS, ADP und vor allem die Non-Farm Payrolls auf eine weitere Abkühlung des Arbeitsmarktes hindeuten, wird der Fokus des Marktes schnell von der Perspektive weiterer Zinserhöhungen hin zu den Risiken einer Verlangsamung des US-Wirtschaftswachstums umschwenken. Für das Währungspaar EUR/USD wäre dies ein gewichtiges Argument für eine Erholung nach dem scharfen Rückgang vom Freitag.

Aus technischer Sicht ist es dem Paar am Freitag nicht gelungen, die Unterstützungsmarke von 1,1580 nachhaltig zu durchbrechen. Diese entspricht auf dem D1-Chart der Mittellinie des Bollinger-Bands-Indikators und zugleich der Mittellinie der BB auf dem W1-Chart. Sollten die Bullen dieses Unterstützungsniveau verteidigen, ist eine Rückkehr in die Spanne von 1,1640–1,1680 wahrscheinlich, in der sich das Paar nahezu die gesamte vergangene Woche (bis Freitag) bewegt hat. Ein überzeugender Durchbruch unter 1,1580 hingegen würde den Weg zur nächsten Unterstützung bei 1,1530 (der Obergrenze der Kumo-Wolke auf D1) und langfristig zur psychologisch wichtigen Marke von 1,1500 eröffnen.

Analyst InstaForex
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