Die Ruhe vor dem Sturm ist nicht nur eine meteorologische Metapher, sondern eine treffende Beschreibung dessen, was sich am letzten Augusttag an den US-Aktienmärkten abspielte. Der S&P 500 schloss im Plus, doch 9 von 11 Sektoren beendeten den Tag im Minus, wobei Kommunikationsdienste und Versorger am stärksten unter Druck gerieten.
Entwicklung der Aktienindizes

Allerdings hat sich der August als der beste Monat für den S&P 500 seit 2021 erwiesen. Alle drei wichtigen Indizes beendeten den Monat erstmals seit Mai im Plus, während der Dow Jones seine beste Fünfmonatsphase seit November 2024 verzeichnete. Der technologieorientierte Nasdaq legte um rund 4% zu, doch dieses Wachstum wurde nicht von den bekannten Favoriten aus dem AI-Sektor angeführt. Stattdessen waren es Aktien von Softwareunternehmen, die den Aufschwung trugen. Eine Serie starker Quartalsberichte hat die dunkle Wolke, die das Segment das ganze Jahr über überschattet hatte, teilweise gelichtet. Besonders hervorzuheben ist Moderna, das innerhalb eines Monats um 156% zulegte – ein seltenes Beispiel dafür, dass Biotech den gesamten Technologiesektor übertrifft.
Dennoch erwies sich die Ruhe als trügerisch. Die Eskalation des Konflikts im Nahen Osten und ein Anstieg der Ölpreise um 3%, ausgelöst durch einen wechselseitigen Schlagabtausch zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran – den ersten seit einem Monat – sowie Donald Trumps Ankündigung neuer Angriffe, erinnerten den Markt daran, dass geopolitische Spannungen nicht um Erlaubnis bitten. Vor diesem Hintergrund avancierte der Energiesektor innerhalb des S&P 500 zum Wachstumsführer.
Tatsächlich verstärkt das Fehlen bedeutender makroökonomischer Daten die Anfälligkeit der Marktstimmung für Schlagzeilen. Der S&P 500 geht derzeit davon aus, dass eine umfassende militärische Eskalation eher unwahrscheinlich ist. Doch jede negative Nachricht von dieser Front könnte das fragile Gleichgewicht zerstören und eine weltweite Flucht aus Risikoanlagen auslösen.
Saisonale Dynamik des S&P 500

Historisch gesehen bleibt der September der schwächste Monat für US-Aktien, und die Liste der Risiken wächst weiter. Von Fragen zur Nachhaltigkeit der KI-Rallye bis hin zu den wahrscheinlichen Zinserhöhungen in einem anhaltenden Inflationsumfeld: Finanzminister Scott Bessent weigerte sich, die Entscheidung der Fed vorherzusagen, führte jedoch Argumente für eine Fortsetzung der Pause an und verwies dabei auf den Angebotsschock, der für sich genommen keine Straffung der Geldpolitik erfordere.
Unterdessen hat JP Morgan seine Einschätzung von „bullish“ auf „taktisch vorsichtig“ geändert. Falkenhafte Kommentare von Fed-Chef Kevin Warsh haben dazu geführt, dass der Markt nun mit einer höheren Wahrscheinlichkeit von Zinserhöhungen im weiteren Jahresverlauf rechnet. Nach Angaben der Bank enden Bullenmärkte typischerweise entweder mit einem Zinsanhebungszyklus oder einer Rezession. Während ein Abschwung in den kommenden Quartalen unwahrscheinlich erscheint, wird die Fed-Sitzung am 16. September nun als „Live-Meeting“ bezeichnet – das heißt, ihr Ausgang gilt nicht mehr als vorbestimmt.

Der Markt startet in den September mit Rekorden in der Hand und einer gewissen Unruhe im Fundament. Wird es ihm gelingen, beide Lasten zu tragen, ohne Verluste zu erleiden?
Technisch gesehen zeigt der tägliche S&P 500-Chart, dass die Risiken für die Aktivierung eines 1-2-3-Umkehrmusters steigen, was die Wahrscheinlichkeit einer deutlicheren Korrektur im Rahmen des Aufwärtstrends erhöhen würde. Ein Bruch der Unterstützung bei 7.635 wäre ein Signal, zuvor aufgebaute Short-Positionen zu verstärken.