
Das Währungspaar EUR/USD setzte am Mittwoch seinen zähen Rückgang mit minimaler Volatilität fort. Es wirkt, als würde der Markt im Moment jemandem einen Gefallen tun. Man kann das Eröffnen neuer Positionen nicht komplett einstellen, aber man möchte zugleich nur ungern neue Trades eingehen. Also bewegt sich der Markt eher pro forma, damit man später nicht sagen kann, er sei völlig stehen geblieben. Doch den Volatilitätsindikator kann man nicht täuschen. Wenn sich das Paar an einem Tag nur 40 Pips vom Tief zum Hoch bewegt und sich das Tag für Tag wiederholt, drängt sich eine eindeutige Schlussfolgerung auf: Die Bereitschaft der Trader, aktiv zu handeln, ist derzeit gering. Die Frage ist nur, warum.
Die Antwort ist im Grunde schmerzhaft einfach. Es gibt eine Fülle von Faktoren, die theoretisch die Marktstimmung beeinflussen, und man kann nicht mit Sicherheit sagen, welche davon für Trader tatsächlich relevant sind und welche nicht. Nehmen wir eines der zentralen Themen des Jahres 2026 – die Geopolitik. Im Nahen Osten donnern erneut die Waffen, Raketen werden abgefeuert, und die Rhetorik der Führungen des Iran und der USA ist von Drohungen geprägt. Das deutet auf eine neue Eskalation hin, die theoretisch den als sicher geltenden Dollar stützen könnte. Gleichzeitig wissen die Marktteilnehmer aber genau, dass Iran und die USA heute im Kriegszustand sind und es morgen schon zu einem Waffenstillstand oder einer Pause kommen kann. Heute droht Trump, Iran zu zerstören; morgen verkündet er, ein Deal stehe kurz bevor. Außerdem ist der Anstieg des Dollars in Phasen geopolitischer Turbulenzen nicht einfach nur eine Folge des Konflikts selbst, sondern vielmehr der Tatsache geschuldet, dass Kapital aus der Region flieht und seine Eigentümer versuchen, Vermögenswerte in die liquideste Währung der Welt – den Dollar – umzuschichten. Man muss sich also fragen, welcher Kapitalbesitzer aus dem Nahen Osten noch nicht geflohen ist. Das verringert die besondere Sicherheitsprämie des Dollars.
Betrachten wir die Geldpolitik der Federal Reserve – das Ganze wird dadurch noch unübersichtlicher. Kevin Warsh hat wiederholt gewarnt, dass die aktuelle Inflation inakzeptabel sei, und die Märkte deuten seine Aussagen immer wieder als Vorboten künftiger Straffungen. Schaut man sich jedoch die Makrodaten an, kommen erhebliche Zweifel an einer Zinserhöhung vor Jahresende auf. Die Nonfarm-Payrolls-Berichte enttäuschen weiterhin, die Wirtschaft kühlt sich ab, die Inflation lässt nach. Weshalb sollte die Fed also die Zinsen anheben, zumal Fed-Chef Kevin Warsh von Donald Trump ernannt wurde, der wiederholt niedrigere Zinsen gefordert hat? Die Widersprüche bleiben zahlreich. Der Markt schwankt beständig zwischen der Erwartung einer Straffung und der Erwartung, dass alles beim Alten bleibt.
Man darf zudem die Entscheidung des US-Finanzministeriums nicht vergessen, die Rückkäufe von Staatsanleihen zu erhöhen. De facto handelt es sich dabei um eine Form der quantitativen Lockerung – wenn auch ohne das Drucken zusätzlicher Dollar – die in jedem Fall eine Lockerung darstellt. Das Finanzministerium lockert also, während die Fed strafft? Bedeutet das, dass die Fed die Zinsen doch nicht anhebt? Und falls die Fed doch nicht strafft – was ist dann mit der Inflation, die im August und September wieder anziehen könnte?

Die durchschnittliche Volatilität des Währungspaares EUR/USD in den letzten 5 Handelstagen beträgt zum 3. September 46 Pips und wird als „mittel“ eingestuft. Wir erwarten am Donnerstag eine Bewegung des Paares in einer Spanne zwischen 1,1546 und 1,1638. Der obere Kanal der linearen Regression hat nach oben gedreht, was auf den Beginn eines Aufwärtstrends hindeutet. Der CCI-Indikator ist in den überverkauften Bereich eingetreten und warnt damit vor einem möglichen Ende der Korrektur.
Nächste Unterstützungsniveaus:
S1 – 1,1536
S2 – 1,1475
S3 – 1,1414
Nächste Widerstandsniveaus:
R1 – 1,1597
R2 – 1,1658
R3 – 1,1719
Handelsempfehlungen:
Das Währungspaar EUR/USD setzt seinen Aufwärtstrend im 4‑Stunden‑Chart fort, was den Beginn einer neuen Etappe eines übergeordneten Aufwärtstrends auf höheren Zeitebenen markieren könnte. Das übergeordnete fundamentale Umfeld für den Dollar bleibt negativ, doch im Jahr 2026 sorgten zunächst die Geopolitik und anschließend der falkenhafte Kurs der Fed für starke Unterstützung der US‑Währung. Derzeit wirken diese Faktoren jedoch nicht mehr unterstützend für den Dollar. Bei einem Kurs unterhalb des gleitenden Durchschnitts sind vor dem Hintergrund der Korrektur Short‑Positionen mit Zielen bei 1,1546 und 1,1536 in Betracht zu ziehen. Oberhalb der Linie des gleitenden Durchschnitts bleiben Long‑Positionen mit Kurszielen bei 1,1658 und 1,1719 relevant.
Erläuterungen zu den Abbildungen:
- Lineare Regressionskanäle helfen, den aktuellen Trend zu bestimmen. Zeigen beide in dieselbe Richtung, ist der Trend stark.
- Die Linie des gleitenden Durchschnitts (Einstellungen 20,0, geglättet) definiert die kurzfristige Tendenz und die Richtung, in die gehandelt werden sollte.
- Murray‑Level sind Zielmarken für Bewegungen und Korrekturen.
- Volatilitätsniveaus (rote Linien) zeigen auf Basis der aktuellen Volatilität den voraussichtlichen Preiskanal für die nächsten 24 Stunden an.
- Der CCI‑Indikator — ein Eintritt in den überverkauften Bereich (unter -250) oder den überkauften Bereich (über +250) signalisiert eine sich nähernde Trendwende.