Euro und Pfund haben den Dollar den zweiten Tag in Folge übertroffen, und der Hauptgrund dafür lag nicht in der Eurozone, sondern in Tokio: Der Yen hat sich von 160 auf 155 je Dollar aufgewertet – fast 500 Pips – im Rahmen einer Währungsintervention, die offenbar mit den USA abgestimmt war. Es war diese Dollar-Schwäche quer über die Märkte, nicht europäische Konjunkturdaten, die sowohl den Euro als auch das Pfund nach oben getrieben hat.

Bemerkenswert ist, dass die Konjunkturdaten aus der Eurozone für sich genommen keine Unterstützung boten. Der Services-Index ging gegenüber Juli zurück, und der Composite PMI blieb laut endgültigen Daten von S&P Global mit 52,0 auf dem gleichen Stand wie im Juli. Weder die Abwärtsrevision noch ein stagnierender Composite-Index konnten verhindern, dass das Währungspaar seine allmähliche Aufwertung fortsetzte – ein weiterer Hinweis darauf, dass die Fundamentaldaten der Eurozone die Euro-Nachfrage derzeit nicht maßgeblich treiben.
Die Erzeugerpreisdaten lieferten zusätzliche Argumente für einen restriktiven Kurs der Europäischen Zentralbank: Der PPI stieg im Juli um 1,6 % und lag laut Eurostat im Jahresvergleich bei 5,8 %. Formal könnte dies den Euro stützen, doch vor dem Hintergrund von Währungsinterventionen wirkt dieser Faktor eher nachrangig.
Ebenfalls bemerkenswert: Selbst ein starker US-Services-Bericht konnte die Marktteilnehmer nicht bewegen – der ISM Services stieg im August von 54,1 auf 55,4. Die Erklärung liegt auch hier in den Interventionen sowie in Gewinnmitnahmen im Vorfeld des deutlich wichtigeren heutigen US-Arbeitsmarktberichts.
In der ersten Tageshälfte werden die Einzelhandelsumsätze der Eurozone für Juli veröffentlicht: Nach einem Rückgang um 0,3 % im Juni wird nun ein Anstieg um 0,3 % erwartet. Diese vergleichsweise alten Daten dürften den Euro-Kurs allerdings kaum wesentlich beeinflussen. Zudem spricht der Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank, Philip Lane, und es stehen die Auftragseingänge der deutschen Industrie sowie die italienischen Einzelhandelsumsätze auf dem Programm. Aus Großbritannien werden keine Daten erwartet, aber Bank of England-Gouverneur Andrew Bailey wird eine Rede halten; er könnte sich zu der jüngsten Preisentwicklung und den anhaltenden Problemen im Dienstleistungssektor am Arbeitsmarkt äußern. Bleiben klare Hinweise auf den künftigen Kurs der BoE aus, ist mit hoher Volatilität beim Pfund eher nicht zu rechnen.
Der Fokus des Tages liegt jedoch klar auf den USA. Es wird der Non-Farm-Payrolls-Bericht erwartet: Nach dem schwachen Juli-Wert von ?23 Tsd. liegt die Konsensschätzung bei +55 Tsd. neuen Stellen und einer Arbeitslosenquote von 4,1 %. Sollte der tatsächliche Wert die Prognose deutlich übertreffen – etwa bei 100–120 Tsd. liegen – könnte der Dollar gegenüber Euro, Pfund und anderen Risikoassets seine Führungsrolle zurückerobern. Entspricht der Wert hingegen der Prognose oder fällt schwächer aus, dürfte der Druck auf den Dollar zunehmen; in diesem Fall ist bis zum Wochenschluss mit einer spürbaren Erholung bei Euro und Pfund zu rechnen. Zusätzlichen Kontext liefern die Daten zu den durchschnittlichen Stundenlöhnen und den Beschäftigtenzahlen im Privatsektor, doch das Hauptaugenmerk des Marktes wird auf der Überschriftzahl zur Beschäftigungsentwicklung liegen.
Technische Notizen und Intraday-Levels (EUR/USD):
- Im Stundenchart lassen sich Long-Positionen bei Rücksetzern in Betracht ziehen: nach einem Fehlausbruch bei 1,1621, einem Fehlausbruch bei 1,1601 oder Longs auf eine Erholung von 1,1584 mit Ziel auf kurze Bewegungen von 15–20 Pips.
- Short-Positionen bieten sich bei einem Fehlausbruch von 1,1641 an, zumal die Volatilität am Morgen begrenzt sein dürfte.
- Gelingt den Bullen ein Ausbruch über die Spanne und ein anschließender Halt darüber, ist mit einem größeren Anstieg in den Bereich von 1,1684 zu rechnen, wo sich Shorts auf einen gescheiterten Ausbruch anbieten – oder Verkäufe auf eine Erholung von 1,1673 nach schwachen US-Daten mit einem Ziel von 15–20 Pips.
Technische Notizen und Intraday-Levels (GBP/USD):
- Deutliche Aussagen von Bailey könnten das Paar über 1,3545 treiben: Ein Ausbruch und Halt darüber eröffnet Kaufchancen in Richtung 1,3573 und 1,3596, von wo aus Verkäufe auf eine Erholung (Ziel rund 225 Pips von der Spanne) sinnvoll sind.
- Shorts ab 1,3545 (Tageshoch vom Vortag) bieten sich bei einem Fehlausbruch an, in Erwartung, dass das Paar in der Spanne bleibt, oder bei einem Fehlausbruch von 1,3573.
- Das kurzfristige Ziel der Bären liegt bei 1,3521: Ein Rückgang dorthin und ein Fehlausbruch wären ein Signal für Long-Positionen, im Sinne der seit dem 3. September laufenden Umkehrbewegung. Ein Bruch von 1,3521 eröffnet den Weg zu 1,3501, wo Longs bei gescheiterten Halteversuchen wiederum sinnvoll sind, oder Käufe auf eine Erholung von 1,3480 mit einem Ziel von etwa 15–20 Pips.
Alle diese Szenarien für beide Währungspaare hängen an einer einzigen Zahl, die heute Nachmittag veröffentlicht wird. Der Markt handelt auf Basis von Erwartungen – ob der Dollar die Initiative zurückgewinnt oder ob Interventionen zusammen mit schwachen NFP-Daten Euro und Pfund in eine neue Aufwärtsbewegung schicken, wird bis Freitagabend klarer sein.