Bitcoin ist innerhalb weniger Tage um 18.000 Dollar gestiegen und ist anschließend in eine Seitwärtsphase übergegangen. Dies könnte eine Pause vor einem neuen Schub sein – Bitcoin stoppt in starken Trends häufig und setzt die kräftige Bewegung dann ohne klare Korrektur fort. Daher bedeutet die aktuelle Unfähigkeit von Bitcoin, das Wachstum fortzusetzen, nicht, dass der lokale Aufwärtsimpuls bereits beendet ist. Zur Erinnerung: Weder Ether noch Bitcoin haben bislang ihre Abwärtstrends gebrochen, die im vergangenen Jahr begonnen haben, daher ist der aktuelle Aufwärtsimpuls als lokal einzuordnen. Zudem ist auf dem 4-Stunden-Zeitrahmen eine Seitwärtsbewegung entstanden, und auf dem Tages-Chart besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit einer Seitwärtsphase zwischen 60.000 und 82.500 Dollar. Außerdem kann Bitcoin auf dem Tages-Chart die Liquidität oberhalb des Hochs vom 6. Mai abgreifen und die nächstgelegene bärische FVG anlaufen, ohne die übergeordnete Abwärtsstruktur zu verletzen. Aus unserer Sicht bleibt das technische Bild klar bärisch.
In dieser Woche veröffentlicht die US‑Wirtschaft den Inflationsbericht für August, die letzte wichtige Kennzahl vor der Sitzung der Federal Reserve. Die Dynamik von Bitcoin und seine Attraktivität für Investoren hängen unter anderem von der Geldpolitik der Fed ab: Je lockerer die Politik, desto besser für Risikoanlagen. Aktuell ist nicht von einer Senkung des Leitzinses die Rede, obwohl der Markt seit drei Monaten eher mit einer Anhebung rechnet – keine ideale Konstellation für Bitcoin. Wir schätzen die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Straffung durch die Fed allerdings als gering ein. Unserer Ansicht nach ist der US‑Arbeitsmarkt in keinem guten Zustand, und die US‑Wirtschaft schwächt sich seit mehreren Quartalen ab. In der vergangenen Woche erklärten Christopher Waller und John Williams, sie sähen keinen Grund für eine Verschärfung der Geldpolitik. Daher halten wir die Chancen für eine Zinserhöhung der Fed im September für gering.
Die Inflation kann diese Wahrscheinlichkeit erhöhen oder senken. Liegen die Verbraucherpreise am Freitag über den Prognosen, steigt die Wahrscheinlichkeit für restriktive Maßnahmen später in diesem Jahr; liegen sie darunter, nähert sie sich nahezu null. Für Bitcoin wäre daher ein möglichst niedriger Inflationswert das beste Szenario.
Allgemeines BTC/USD‑Bild im 1D‑Chart

Auf dem täglichen TF setzt Bitcoin die Ausbildung eines Abwärtstrends fort. Die Trendstruktur ist bärisch, und die CHOCH-Linie liegt bei 82.800 $, wo sich das letzte Lower High (LH) gebildet hat. Erst oberhalb dieses Niveaus kann der Abwärtstrend als beendet gelten. Die letzte und einzige bärische FVG wurde durchbrochen und hat sich in eine bullische IFVG verwandelt; dieser Bereich kann daher künftig als POI für Long-Positionen dienen. Bitcoin hat den Abwärtstrend bisher noch nicht gebrochen, doch in den vergangenen drei Wochen haben sich die Chancen auf ein Ende des bärischen Trends deutlich erhöht. Die Wahrscheinlichkeit einer Seitwärtsphase zwischen 60.000 $ und 82.500 $ ist hoch, was bedeutet, dass der Kurs zunächst die Liquidität des letzten LH abholen und anschließend einen neuen Rückgang starten könnte.
Allgemeines BTC/USD-Bild im 4H-Chart

Im 4-Stunden-Zeitrahmen befindet sich Bitcoin in einer klaren Seitwärtsphase und hat zweimal auf der Verkaufsseite Liquidität abgeholt, wobei zwei Abweichungen an der oberen Begrenzung des Kanals entstanden sind. Trader erhielten damit mindestens zwei Verkaufssignale, was die Erwartung eines Rückgangs mit Zielen bei 50 % und 100 % der Breite der Seitwärtsbewegung erlaubt. Nach zwei Abweichungen an der oberen Begrenzung ist die Wahrscheinlichkeit eines neuen starken Rückgangs aus unserer Sicht höher als die eines Ausbruchs der Seitwärtsphase nach oben. Da die letzte Aufwärtsbewegung jedoch ein offensichtlicher Pump war, sollten Trader unbedingt einen Stop-Loss einsetzen.
Handelsempfehlungen für BTC/USD
Bitcoin setzt trotz der starken Rallye in der vergangenen Woche seine Abwärtsstruktur fort. Wir rechnen weiterhin mit einem Rückgang in Richtung 57.500 $ (dem 61,8%-Fibonacci-Retracement des dreijährigen Aufwärtstrends), auch wenn dieses Niveau faktisch bereits getestet wurde. Wir gehen nicht davon aus, dass der Abwärtstrend beendet ist. Die aktuelle Aufwärtsbewegung wirkt kaum wie eine Korrektur und liefert daher kein starkes Argument, um Long-Positionen zu eröffnen. Die Bewegung ähnelt eher einem Pump. Die Liquidität könnte am Hoch bei 82.850 $ abgeholt werden, was potenziell eine neue Abwärtswelle auslösen kann. Im 4-Stunden-Zeitrahmen kann auf den zweiten Liquiditätsabgriff an den jüngsten Hochs (Abweichung) ein weiterer Rückgang folgen.
Erläuterungen zu den Abbildungen:
- CHOCH — Change of Character (Bruch in der Trendstruktur).
- Liquidity — Liquidität, Stop-Loss-Orders, Pending Orders, die Market Maker nutzen, um Positionen aufzubauen.
- FVG — Fair Value Gap, ein Bereich mit Preisineffizienz; der Kurs bewegt sich schnell durch solche Zonen, was darauf hindeutet, dass eine Marktseite fehlte; anschließend kehrt der Kurs häufig dorthin zurück und reagiert auf diese Bereiche im Sinne der Fortsetzung des Haupttrends.
- IFVG — Inverted Fair Value Gap. Nach einer Rückkehr in einen solchen Bereich muss der Kurs dort nicht reagieren, sondern kann ihn stattdessen impulsiv durchbrechen und anschließend von der anderen Seite testen.
- OB — Order Block. Eine Kerze, in der ein Market Maker eine Position eröffnet hat, um Liquidität einzusammeln und seine Position in die entgegengesetzte Richtung aufzubauen.