Am Dienstag vollzog das Währungspaar EUR/USD eine weitere Umkehr zugunsten der europäischen Gemeinschaftswährung und festigte sich oberhalb des 100,0%-Retracement-Levels bei 1,1620. Damit könnte die Aufwärtsbewegung sich heute in Richtung des 127,2%-Fibonacci-Levels bei 1,1700 fortsetzen. Eine Konsolidierung unterhalb von 1,1620 würde den US‑Dollar begünstigen und einen Rückgang in Richtung des 76,4%-Retracement-Levels bei 1,1551 nahelegen. Die Handelsaktivität der Trader ist in dieser Woche bislang gering geblieben.

Die Wellenstruktur im Stundenchart bleibt trotz des zweiwöchigen Rückgangs bullish. Die letzte abgeschlossene Aufwärtswelle hat das vorherige Hoch überschritten, während die letzte Abwärtswelle nicht unter das vorherige Tief gefallen ist. Die geopolitische Lage bleibt durchweg negativ: Verhandlungen zwischen Iran und den Vereinigten Staaten finden nicht statt, und die Blockade der Straße von Hormus besteht fort. Die Haltung des FOMC ist für den Dollar derzeit zwar wichtiger, bleibt jedoch widersprüchlich.
Das fundamentale Umfeld war am Dienstag äußerst schwach und wenig überzeugend, doch die Händler zeigen sich unbeeindruckt und richten ihren Blick bereits auf Donnerstag. Die Bullen beginnen an Selbstvertrauen zu gewinnen und üben nach und nach Aufwärtsdruck aus. Die Sitzung der EZB findet morgen statt, und der Markt kennt die erwartete Entscheidung zur Straffung der Geldpolitik bereits. Daher wäre es völlig natürlich, wenn wir heute und morgen nach mehreren Tagen seitwärtsgerichteter Bewegung einen Anstieg der europäischen Währung sehen. Meiner Ansicht nach sollten Händler nicht übersehen, dass die EZB die Geldpolitik strafft, während die Fed weiterhin schweigt und abwartet. Gerade der Unterschied zwischen der Haltung der EZB und der Fed im Jahr 2026 dürfte die europäische Währung ähnlich stark unterstützen, wie die Geopolitik den Dollar im ersten Halbjahr gestützt hat. Die Marktstimmung könnte sich am Freitag nach der Veröffentlichung des US-Inflationsberichts ändern, doch für eine Bewertung oder Diskussion ist es dafür noch zu früh. Vorerst sollte die Aufmerksamkeit auf die EZB und Christine Lagarde gerichtet sein, die morgen möglicherweise Hinweise zu den Aussichten für Inflation und Geldpolitik in der Europäischen Union geben wird.

Im 4-Stunden-Chart prallte das Paar vom 50,0%-Retracement-Niveau bei 1,1588 ab und drehte zugunsten der europäischen Währung. Somit könnte der Euro kurzfristig zum Niveau von 1,1649 zurückkehren. Ein erneuter Rückprall von diesem Niveau würde es den Tradern ermöglichen, nach dem Ausbruch des Paares aus dem Aufwärtskanal mit einer weiteren Bewegung der Bären zu rechnen. Eine Konsolidierung oberhalb von 1,1649 würde es den Tradern ermöglichen, mit einem gewissen Anstieg in Richtung des nächsten Fibonacci-Niveaus von 76,4% bei 1,1726 zu rechnen. Derzeit sind auf keinem Indikator neu entstehende Divergenzen zu beobachten.
Commitments of Traders (COT) Report:

In der jüngsten Berichtswoche eröffneten professionelle Trader 4.558 Long-Positionen und schlossen 6.869 Short-Positionen. In den sieben Wochen im Februar und März ist der überwältigende Vorteil der Bullen infolge des Kriegs im Iran verpufft, während sich die Lage in den vergangenen dreiundzwanzig Wochen angesichts der offenkundigen Waffenruhe und der Markthoffnungen auf ein Kriegsende wieder ausgeglichener entwickelt hat. Die Gesamtzahl der von Spekulanten gehaltenen Long-Positionen liegt derzeit bei 203.000, die der Short-Positionen bei 228.000. Die Bären liegen weiterhin vorn, doch ihr Vorsprung schrumpft rasch.
Langfristig zeigen große Marktteilnehmer insgesamt weiterhin ein stärkeres Interesse am Euro. Natürlich beeinflussen die weltweit zahlreichen Ereignisse der vergangenen Jahre die Stimmung der Investoren. Der Markt beobachtet derzeit insbesondere die Lage im Nahen Osten sehr genau, wo der Krieg scheinbar endet, nur um dann erneut aufzuflammen. Allerdings bestimmt die Geopolitik das Schicksal des Dollars nicht mehr allein.
Wirtschaftskalender für die USA und die Europäische Union:
- Europäische Union – Rede der EZB-Präsidentin Christine Lagarde (17:00 UTC).
Der Wirtschaftskalender für den 9. September enthält ein Ereignis, das für Trader von Interesse sein könnte. Das wirtschaftliche Umfeld kann die Marktstimmung am Mittwoch in der zweiten Tageshälfte beeinflussen, wird dies aber höchstwahrscheinlich nicht tun.
EUR/USD-Prognose und Handelsempfehlungen:
Ein Kauf des Währungspaars war nach einem Schlusskurs über 1,1620 im Stundenchart mit einem Ziel bei 1,1700 möglich. Diese Positionen können heute beibehalten werden. Verkaufsmöglichkeiten könnten sich ergeben, wenn sich das Paar im Stundenchart unter 1,1620 festigt, mit einem Ziel bei 1,1551.
Die Fibonacci-Niveaus werden im Stundenchart von 1,1620–1,1325 und im 4-Stunden-Chart von 1,1849–1,1325 aus eingetragen.