Das Währungspaar Euro/US-Dollar verharrt weiterhin in einer Phase erhöhter Kursschwankungen und reagiert impulsiv auf widersprüchliche fundamentale Signale. Das gestrige Tagestief wurde bei 1,1485 und das Tageshoch bei 1,1640 verzeichnet. Marktteilnehmer zeigen sich eindeutig verunsichert und orientierungslos in einer Situation, in der sowohl von diesseits als auch von jenseits des Atlantiks gleichzeitig Signale für Deeskalation und Eskalation ausgehen.

Donald Trump hat die Märkte gestern überrascht, als er erklärte, Washington führe produktive Gespräche mit Teheran, was ihm erlaubte, das Ultimatum um fünf Tage zu verlängern. Wie bekannt, hatte der US-Präsident am Wochenende dem Iran mit der Zerstörung der Energieinfrastruktur gedroht, falls die Straße von Hormus nicht innerhalb von 48 Stunden freigegeben würde. Die fünftägige Schonfrist beflügelte die Händler – das Interesse an Risikoanlagen stieg, und EUR/USD markierte ein zweiwöchiges Hoch.
Die anschließenden Kommentare aus Teheran wirkten jedoch wie eine kalte Dusche für die Marktteilnehmer. Iran wies Trumps Behauptungen über Kontakte mit den USA zurück und bezeichnete seine Aussage als Versuch, die Finanzmärkte zu manipulieren. Derweil stufte das Korps der Islamischen Revolutionsgarden die Worte des US-Präsidenten als psychologische Operation ein.
Die Lage wirft mehr Fragen auf, als sie beantwortet. Daher haben sich die meisten Trader – dem Kursverlauf von EUR/USD nach zu urteilen – in eine abwartende Haltung begeben. Der Aufwärtsimpuls ist verpufft, doch die Verkäufer haben es nicht eilig, umfangreiche Positionen zugunsten des Greenback aufzubauen. Derzeit erlebt das Währungspaar eine Korrektur nach unten, ohne jedoch in den Bereich von 1,14 abzurutschen.
Warum hält sich der vorsichtige Optimismus der Trader?
Meiner Ansicht nach klammert sich der Markt derzeit schon an die kleinsten Anzeichen möglicher Friedensgespräche und blendet die scharfe Rhetorik Teherans aus. Großen Stellenwert genießen zahlreiche hoffnungsvolle Insiderberichte, obwohl sie nicht bestätigt sind. Es scheint, als wären unter den aktuellen Bedingungen viele Marktteilnehmer bereit, sich täuschen zu lassen, indem sie an eine baldige Beendigung des Konflikts im Nahen Osten glauben.
Dennoch enthalten einige Medienberichte tatsächlich ermutigende Signale. So berichten mehrere Quellen von Al Jazeera, dass inoffizielle diplomatische Kontakte zwischen Vertretern der USA und Irans dennoch andauern – über Vermittler aus Katar und Oman. Von The Wall Street Journal zitierte diplomatische Kreise präzisieren, dass technische Delegationen auf mittlerer Ebene beider Seiten in Maskat anwesend sind. Dort erörtern sie die Möglichkeit eines Einfrierens der aktuellen Frontlage: Iran würde die Straße von Hormus für die zivile Schifffahrt öffnen, und die USA würden Angriffe auf iranische Einrichtungen einstellen.
Parallel dazu berichten einflussreiche pakistanische Medien von Vorbereitungen für ein Treffen auf höherer Ebene. Ihren Informationen zufolge besteht eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass sich Vertreter des US-Außenministeriums und der iranischen Führung bereits gegen Ende dieser Woche in Islamabad treffen. Pakistan würde dabei als Sicherheitsgarant für die iranische Delegation fungieren.
Die Financial Times wiederum meldet eine aktive Rolle Pekings als Schattenvermittler. Insidern der Zeitung zufolge erhöht China den Druck auf Teheran, deeskalierende Schritte zu unternehmen, da eine blockierte Meerenge die chinesische Wirtschaft unmittelbar belastet.
Mit anderen Worten: Bestimmte Anzeichen diplomatischer Kontakte sind tatsächlich erkennbar – wie es so schön heißt, wo Rauch ist, ist auch Feuer. Solche (inoffiziellen) Signale liefern eine Hintergrundunterstützung für EUR/USD-Käufer und verhindern, dass das Paar in den Bereich von 1,14 abrutscht.
Gleichzeitig stehen den ermutigenden Insiderberichten gegenteilige Signale gegenüber, die den Anstieg von Risikoanlagen bremsen.
So berichtet The Wall Street Journal, dass Saudi-Arabien und die VAE erwägen, in einen Krieg gegen Iran einzutreten. Quellen der Zeitung zufolge hatten die Monarchien ursprünglich gehofft, in dem Konflikt neutral zu bleiben, doch ihre Haltung habe sich vor dem Hintergrund der Angriffe auf Energieinfrastruktur geändert. Insbesondere die VAE haben begonnen, iranbezogene Einrichtungen zu schließen und erwägen, iranische Vermögenswerte einzufrieren. Saudi-Arabien wiederum hat den USA Zugang zum Luftwaffenstützpunkt King Fahd gewährt. Zudem stehe Kronprinz Mohammed bin Salman laut WSJ-Quellen kurz davor, eine Entscheidung zugunsten einer Beteiligung an Offensivoperationen zu treffen.
Auch in Bezug auf mögliche Verhandlungen ist die Lage alles andere als klar. Verschiedenen Medien und Analysezentren zufolge (darunter Axios und ISW) herrscht in Iran selbst keine Einigkeit in dieser Frage. Es wird behauptet, Vertreter des pragmatischen Flügels, darunter hochrangige Beamte des Außenministeriums, seien bereit, ein Abkommen mit den USA zu erörtern, während die Führung der Revolutionsgarden auf einer Fortsetzung des Konflikts und einer Lösung ausschließlich zu iranischen Bedingungen besteht.
Damit bleibt die Situation in der Schwebe. Hoffnungsvolle Insiderberichte sorgen für eine gewisse Grundunterstützung der EUR/USD-Käufer, doch das anhaltende Risiko einer weiteren Eskalation (unter Einbeziehung der VAE und Saudi-Arabiens) begrenzt das Aufwärtspotenzial des Währungspaares.
Angesichts des aktuellen fundamentalen Umfelds für EUR/USD erscheint es sinnvoll, eine abwartende Position einzunehmen, da die Waage sowohl in Richtung Deeskalation als auch in Richtung weiterer Verschlechterung (und Eskalation) des Konflikts ausschlagen könnte.